London - Schottlands Regierungschef Alex Salmond ist am Donnerstag in die Offensive gegangen: Nach der Kritik von US-Senatoren an der Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters verteidigte er diese Entscheidung. Er reagierte damit auch auf Gerüchte, Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi sei freigelassen worden, um einen lukrativen Auftrag aus Libyen an den britischen Ölkonzern BP nicht zu gefährden.
Salmond sagte nun dem Rundfunksender BBC, die schottische Regierung habe im Zusammenhang mit der Freilassung weder schriftlichen noch mündlichen Kontakt mit BP gehabt. In einem Brief an US-Senatoren bekräftigte Salmond zudem, dass seine Regierung nie "irgendwelche Vertreter" von BP oder dem verurteilten Attentäter empfangen habe. Die Entscheidung, Mikrahi freizulassen, sei "in gutem Glauben" getroffen worden.
Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken Mikrahi, der des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug im Jahr 1988 für schuldig befunden worden war, vor elf Monaten begnadigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA.
Mikrahis Freilassung löste in den USA Empörung aus - und überschattete auch den Antrittsbesuch des britischen Premierministers David Cameron in Washington. Dabei war Cameron Vorwürfen entgegengetreten, BP habe die Freilassung des Attentäters 2009 durchgesetzt.
BP hatte jüngst eingeräumt, damals bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. In der Sache selbst habe BP aber nicht Einfluss genommen, erklärte der Konzern. Der damalige britische Justizminister Jack Straw hatte im September 2009 erklärt, Handelsfragen hätten bei der Freilassung eine sehr große Rolle gespielt. Die Entscheidung habe den britisch-libyschen Beziehungen gedient und einem Vertrag von BP mit dem nordafrikanischen Land den Weg geebnet. Der damalige Premierminister Gordon Brown hat hingegen wiederholt erklärt, Wirtschaftsfragen hätten keine Rolle gespielt.
Politiker in Washington wollen BP-Chef John Hayward nun vor einem Ausschuss des US-Senats befragen. Hayward sei von dem Ausschuss für die kommende Woche zur Befragung eingeladen worden, hieß es in Senatskreisen am Mittwoch. Auch der frühere BP-Berater Mark Allen solle befragt werden. Damit droht BP neuer Ärger in den USA, nachdem der Konzern wegen der Ölpest im Golf von Mexiko ohnehin schon unter Druck ist.
kgp/AFP/Reuters
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Nachdem der Attentäter, der ja nach den ursprünglichen ärztlichen Gutachten schon längst tot sein müßte, sich nach wie vor in seiner lybischen Villa seines Lebens erfreut, dürften da Zweifel an der Verquickung mit dem Ölvertrag [...] mehr...
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