Von Andreas Lorenz, Peking
200 Kampfflugzeuge, 20 Kriegsschiffe und der atombetriebene Flugzeugträger "George Washington" - mit dieser Armada starten die USA und Südkorea am Sonntag ein Manöver an der Westküste Südkoreas. Die Übung soll der Abwehr von U-Booten dienen. Vor allem aber soll sie den nordkoreanischen Herrscher Kim Jong Il und seine Militärs einschüchtern.
Die Politiker in Südkorea und der USA werfen dem Regime vor, die südkoreanische Korvette "Cheonan" im März mit einem Torpedo versenkt zu haben. 46 Seeleute starben.
Pjöngjang hat die Anschuldigung zurückgewiesen. All diese Manöver seien "nichts anderes als totale Provokationen, die dazu dienen sollen, die Demokratische Volksrepublik Korea mit Waffengewalt zu unterdrücken", erklärte die Nationale Verteidigungskommission, Pjöngjangs mächtigste Regierungsinstanz. Ihr Chef ist General Kim Jong Il selbst. Die Nordkoreaner drohten mit einem "heiligen Vergeltungskrieg eigenen Stils", der auf "nuklearer Abschreckung" beruhe.
Solch scharfe Worte aus Pjöngjang sind nicht ungewöhnlich. Gleichwohl hat sich die Lage in Ostasien in den vergangenen Tagen aufgeheizt. US-Außenministerin Hillary Clinton reiste nach Südkorea, besuchte dort die demilitarisierte Zone und verkündete weitere Sanktionen gegen Nordkorea.
Die Amerikaner sollen nach südkoreanischen Presseberichten bereits damit begonnen haben, nordkoreanische Gelder auf Konten von zehn Banken weltweit einzufrieren, die nach Ansicht der USA zum Beispiel durch illegale Waffenverkäufe verdient worden sein könnten.
Das Säbelgerassel um Nordkorea ist Teil des Kampfes um Macht und Einfluss in Ostasien - und zeigt zugleich die neue Rolle, die China in der Region spielt: Peking will den Einfluss der Amerikaner im Pazifik eindämmen und sich allmählich selbst als Ordnungsmacht etablieren. In seltener Offenheit kritisierten chinesische Funktionäre und Militärs in den vergangenen Wochen die Aktivitäten Washingtons. Peking weigerte sich gar, Verteidigungsminister Robert Gates zu empfangen.
Die USA seien ein "Hegemon", der China als Feind betrachte und die Volksrepublik mit "strategischen Allianzen" einkreisen wolle, klagte ein chinesischer Konteradmiral vor US-Offizieren.
Chinas Staatsmedien sind voll von kritischen Berichten über das beginnende amerikanisch-südkoreanische Manöver im Gelben Meer. Peking ist der engste Verbündete Pjöngjangs und hat sich - ebenso wie Russland - nicht eindeutig der Behauptung der Südkoreaner und Amerikaner angeschlossen, Nordkorea sei Schuld am Untergang der "Cheonan".
Sollen US-Schiffe etwa den Meeresboden kartieren?
Die Chinesen fürchten, dass sich Nordkoreas Militärs in die Enge getrieben fühlen und mit Raketentests oder gar einem Atomtest die Krise weiter verschärfen könnten. Zudem haben Pekings Diplomaten Sorge, dass Kim das Manöver zum Vorwand nimmt, entgegen seiner jüngsten Zusage doch nicht zu den sogenannten Sechser-Gesprächen zurückzukehren. Die seit 2002 unregelmäßig tagende Konferenz, an der auch China, Japan, Südkorea, Russland und die USA teilnehmen, hat eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel zum Ziel.
Die US-Flotte veranstaltet ihr Manöver zwar in internationalen Gewässern - aber in den Augen Pekings sind die Amerikaner dabei, chinesische Sicherheitsinteressen zu untergraben: "Wir lehnen es entschieden ab, wenn ausländische Kriegsschiffe und Flugzeuge im Gelben Meer und in Chinas Küstengewässern aktiv werden", erklärte Chinas Außenministerium.
Fünfmal protestierte Peking bereits bei den Amerikanern, die den Flottenaufmarsch um einige Tage verschoben. Offenbar sorgen sich chinesische Militärs, dass die Amerikaner die Übung unter anderem nutzen könnten, auch den Ernstfall gegen China zu proben und etwa den Meeresboden auszumessen, um die Routen chinesischer U-Boote zu erkunden.
In Washington selbst regen sich im Pentagon und im Nationalen Sicherheitsrat Zweifel daran, ob es sinnvoll ist, einen Flugzeugträger ins Gelbe Meer zu entsenden, berichtet der Nordkorea-Experte Mike Chinoy von der Universität Südkalifornien. Die Regierung von Präsident Barack Obama habe sich von südkoreanischen Hardlinern in die Ecke drängen lassen und unnötig die Chinesen verärgert, heißt es.
Derweil geben sich chinesische Experten realistisch: Die USA würden niemals freiwillig ihre Vormachtstellung in Nordostasien aufgeben, sagt Lü Chao vom Zentrum für Südkorea-Studien dem KP-Blatt "Global Times". Sie würden auch in Zukunft die "Gelbe-Meer-Karte" ausspielen und das Gewässer niemals als "verbotene Zone" betrachten - so wie die Chinesen es gerne hätten.
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Das ist bis zum heutigen Tag so: mal machen die "Westmächte" nichts, wenn sie was tun sollten, mal starten sie einen imperialistischen Angriffskrieg, wenn sie stillhalten sollten. Ihre Vergleiche sind Klasse, [...] mehr...
Interessant, wie damals im Churchill Strang, gell! Aber mit Nordkorea konnte und kann man wirklich nicht ernsthaft verhandeln oder doch? mehr...
Sie wollen allen Ernstes das Münchner Abkommen mit dem Hitler-Stalin-Pakt gleichsetzen? Oder die Nicht-Intervention der Entente-Mächte in den spanischen Bürgerkrieg, übrigens eine sehr vernünftige Haltung von London und Paris. [...] mehr...
Man kann Menschen auch bewusst hungern lassen oder ihnen Hilfe bei Krankheit verweigern. Ich glaube, die Zarenfamilie steht auf Platz Eins ihrer Hitliste. Glaub ich halt, so wie sie was glauben. mehr...
Natürlich muß man die US- und englische Unterstützung für die hart kämpfende Rote Armee erwähnen; besonders wichtig waren bsw. die Funkgeräte; die die Wirksamkeit und das Zusammenspiel der Truppenteile der Roten Armee [...] mehr...
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