Hamburg/Kabul - Sind die beiden in Afghanistan entführten US-Soldaten noch am Leben? Was haben die Taliban mit ihnen vor? Und wie kam es überhaupt zu der Geiselnahme? Einen Tag nach dem Kidnapping im Süden der afghanischen Hauptstadt Kabul sind viele Fragen ungeklärt.
Die Entführer sprechen inzwischen davon, dass nur noch einer der Männer am Leben sei. Die Leiche des anderen wollen sie demnach gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen austauschen. Auch die afghanischen Behörden nehmen an, dass die radikal-islamischen Taliban einen Soldaten töteten und den zweiten gefangen nahmen. Allerdings gibt es dafür keine Bestätigung der internationalen Nato-Schutztruppe Isaf.
Die Isaf hat inzwischen jedoch eingeräumt, dass es sich bei den Vermissten um Amerikaner handelt. Fahrzeuge und Hubschrauber wurden ausgesandt, um nach ihnen zu suchen, hieß es.
Die zwei Navy-Soldaten waren am Samstag in der Region Logar in den Gewahrsam der Taliban gelangt. Möglicherweise hatten sich die Amerikaner verfahren, nachdem sie ihre Basis in Kabul verlassen hatten. Aus Isaf-Kreisen verlautete, es sei nicht klar, warum und mit welchem Ziel die beiden Soldaten das Gelände verlassen hätten.
US-Durchsagen im Radio
Der lokale Rundfunk verbreitete eine US-Erklärung, in der bis zu 20.000 Dollar für Informationen über den Aufenthaltsort der Soldaten geboten wurden. Die beiden Soldaten werden in der Radiodurchsage äußerlich beschrieben: Einer sei ungefähr sechs Fuß groß (etwa 183 Zentimeter) und wiege rund 220 Pfund (100 Kilogramm), er habe blondes Haar und braune Augen. Sein Kamerad wiege 190 Pfund (86 Kilogramm), habe eine Glatze und einen dünnen Schnurrbart. Beide Männer seien tätowiert, hieß es weiter.
Entführungen von ausländischen Soldaten sind den Taliban seit Beginn des Afghanistan-Kriegs 2003 nur sehr selten gelungen. Seit Mitte 2009 ist allerdings der US-Soldat Bowe Robert Bergdahl in den Händen der Taliban.
In den meisten Geiselfällen hatten die Taliban die Freilassung von Kampfgefährten aus afghanischen Gefängnissen oder aus US-Gewahrsam gefordert. In der Vergangenheit gab es Fälle, bei denen tatsächlich Taliban freikamen - seit 2007 etwa aber reagieren weder die afghanische Regierung noch die internationalen Truppen auf die Forderungen, um keinen Ansporn für weitere Kidnappings zu schaffen.
flo/mgb/Reuters/AP/dpa
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