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27.07.2010
 

EU-Strafmaßnahmen

Russland nennt Iran-Sanktionen inakzeptabel

Irans Präsident Ahmadinedschad: Zum Ende des Ramadan an den Verhandlungstisch
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dpa

Irans Präsident Ahmadinedschad: Zum Ende des Ramadan an den Verhandlungstisch

Die scharfen EU-Sanktionen gegen Iran stoßen in Moskau auf Ablehnung. Die russische Regierung kritisierte, die jüngsten Strafmaßnahmen würden die Position der Vereinten Nationen konterkarieren. Irans Präsident Ahmadinedschad signalisierte indes neue Verhandlungsbereitschaft.

Moskau - Die russische Regierung zeigt sich verstört über den Schritt der EU: Sanktionen außerhalb des vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen Vorgehens seien "inakzeptabel", erklärte das russische Außenministerium in Moskau. Die Sanktionen gegen Iran würden nicht nur die gemeinsamen Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm untergraben, sondern zeigten auch eine "Geringschätzung" der Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats. Es stelle sich die Frage, ob in der Angelegenheit jedes Land künftig anhand seiner eigenen Prioritäten handeln werde.

Das russische Außenministerium bezog sich in seiner Kritik auch auf die USA, die bereits Anfang Juli weitreichende Sanktionen in Kraft gesetzt hatten. Nach dem Beschluss neuer Sanktionen durch die EU kündigte zudem auch Kanada verschärfte eigene Sanktionen gegen Iran an.

Die Außenminister der EU hatten am Montag die bisher umfangreichsten Sanktionen gegen Iran beschlossen. Sie gehen weit über die im Juni vom Uno-Sicherheitsrat Iran auferlegten Sanktionen hinaus. Im Mittelpunkt steht dabei die Öl- und Erdgasindustrie: Europäische Firmen dürfen Iran keine Schlüsseltechnologien mehr verkaufen oder zur Verfügung stellen. Russland als Mitglied der Sechsergruppe hatte die Uno-Sanktionen vorigen Monat mitgetragen, weitergehende Maßnahmen aber abgelehnt.

Nach dem am Dienstag im EU-Amtsblatt veröffentlichten Sanktionsbeschluss steigt zudem die Zahl der Iraner, die wegen ihrer Verbindungen zum Atomprogramm nicht mehr in die EU einreisen dürfen oder deren Vermögen eingefroren wird von zwanzig auf dreißig. Die schwarze Liste der iranischen Firmen und Banken, mit denen Geschäfte untersagt sind, wird von rund vierzig auf fünfzig erweitert. Mit den verschärften Sanktionen, die auch den Handel mit militärisch nutzbaren Gütern einschränken, will die EU Iran im Atomstreit zurück an den Verhandlungstisch bringen.

Die Strafmaßnahmen seien "weder konstruktiv noch effektiv" und machten den Streit um das iranische Atomprogramm nur noch komplizierter, sagte derweil der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Irna.

Mehmanparast erklärte, die Sanktionen würden weder zur Wiederaufnahme von Verhandlungen beitragen noch den Willen des iranischen Volkes brechen, seine legitimen nuklearen Ambitionen zu verfolgen. Die Europäische Union habe sich dem Druck der USA gebeugt und damit ihre Eigenständigkeit aufgegeben. Somit habe die EU den falschen Weg eingeschlagen.

Gleichzeitig bekräftigte Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Bereitschaft seines Landes zu weiteren Verhandlungen. Ahmadinedschad sagte im iranischen Sender Press TV, sein Land wolle zum Ende des Fastenmonats Ramadan (in diesem Jahr am 8. September) wieder Verhandlungen über das Atomprogramm aufnehmen. Er bevorzuge aber Gespräche mit der Türkei und Brasilien. Vertreter der beiden Länder hatten bereits im Mai bei einem Treffen in Teheran versucht, im Atomstreit zu vermitteln. Jüngst trafen die Außenminister Brasiliens, der Türkei und Irans am vergangenen Sonntag in Istanbul zusammen.

Die internationale Staatengemeinschaft verdächtigt Iran, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran gibt an, lediglich an der Forschung und Stromerzeugung interessiert zu sein.

anr/AFP/apn/dpa

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IRANS ATOMPROGRAMM

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen. Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm.

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung

LÄNDERLEXIKON IRAN

Fläche: 1.745.000 km²

Bevölkerung: 75,078 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


HINTERGRUND: URAN UND ATOMWAFFEN

Uran

AFP
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 90 Prozent notwendig.

Anreicherung

Einsatz in Atomwaffen






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