ThemaAfghanistan-KriegRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.07.2010
 

Debatte über Kriegsdokumente

SPD droht mit Nein zu neuem Afghanistan-Mandat

Bundeswehrsoldat bei Kunduz: Opposition drängt zu mehr Aufklärung Zur Großansicht
ddp

Bundeswehrsoldat bei Kunduz: Opposition drängt zu mehr Aufklärung

Die SPD erhöht in Sachen Afghanistan den Druck auf die Regierung: Sie will einem neuen Mandat für den Bundeswehr-Einsatz nur zustimmen, wenn Schwarz-Gelb die geforderten neuen Details zur Sicherheitslage liefert - und über die Rolle der US-Spezialtruppe 373 aufklärt.

Berlin - Die SPD im Bundestag will ihre Zustimmung zur Verlängerung des Afghanistan-Mandats im März 2011 davon abhängig machen, wie umfassend die Regierung die Details aus den bei WikiLeaks veröffentlichten Geheimpapieren aufklärt. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, sagte der "Berliner Zeitung", die SPD werde die Regierung "in den Ausschüssen intensiv befragen und mit den Informationen konfrontieren".

Die Details zur Sicherheitslage im deutschen Einsatzgebiet und zu Vorgängen um die Task Force 373 der US-Armee "lassen die positive Regierungserklärung des Außenministers fragwürdig erscheinen", sagte Mützenich. Er forderte die Bundesregierung auf, mit den Bündnispartnern zu klären, "ob wirklich alle Aktionen der US-Armee völkerrechtlich durch das Isaf-Mandat gedeckt sind". Die SPD werde ihre Zustimmung zur Mandatsverlängerung davon abhängig machen, sagte Mützenich.


Auch weitere Oppositionspolitiker haben die Bundesregierung zu mehr Aufklärung aufgerufen. Der Verteidigungsexperte der Grünen, Omid Nouripour, hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vorgeworfen, er gehe zu flapsig mit den Enthüllungen aus Afghanistan um. "Einfach zu sagen, es ist alles nicht neu, ist nicht unbedingt ein Ernstnehmen der Unterlagen", so Nouripour zur "Saarbrücker Zeitung". Die Dokumente würden "ein noch dramatischeres Sicherheitsbild von der Lage am Hindukusch" zeichnen, sagte Nouripour. Wichtige Details seien den Parlamentariern vorenthalten worden. "Woche für Woche erhalten wir von der Bundesregierung eine Unterrichtung zur Sicherheitslage in Kunduz, aber ich finde trotzdem zahlreiche Vorfälle in den Papieren, von denen ich noch nie etwas gehört habe." Dabei habe die Bundesregierung stets betont, die Amerikaner würden bestens informieren über das, "was sie im Norden tun", beklagte Nouripour.

Niebel: "Es gibt keine Sicherheit ohne Aufbau"

Verteidigungsminister Guttenberg hatte sich am Montag gegen Vorwürfe gewehrt, die Regierung vertusche Informationen aus Afghanistan.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler bekräftigte derweil die Forderung von SPD und Grünen nach einer ständigen wissenschaftlichen Evaluierung des deutschen Afghanistan-Engagements. "Das wäre eine große Chance, mehr Transparenz und Offenheit in Fragen des Afghanistan-Einsatzes herzustellen", erklärte er.

Unterdessen forderte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) eine bessere Abstimmung ziviler und militärischer Akteure im deutschen Einsatzgebiet in Afghanistan. Mit militärischen Mitteln allein sei das Land nicht zu befrieden, sagte Niebel der Zeitung. "Es gibt keine Sicherheit ohne Aufbau, aber es wird auch keinen Erfolg des zivilen Aufbaus ohne ein Minimum an Sicherheit geben."

In Deutschland wird über den Umgang mit den veröffentlichten Geheimdokumenten gestritten - die USA haben derweil ihre Gelder für Afghanistan kräftig erhöht. US-Präsident Barack Obama brachte am Dienstag ein Zusatzbudget durch den Kongress. Das Repräsentantenhaus in Washington stimmte mit 308 zu 114 Stimmen für das Finanzpaket, das zusätzliche 33 Milliarden Dollar für den Krieg am Hindukusch vorsieht. Mehr als hundert Demokraten stimmten gegen die Vorlage. Obama benötigt das Geld, um wie angekündigt 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken.


Der designierte US-Oberkommandierende für Irak und Afghanistan, James Mattis, nannte die Veröffentlichung der Geheimdokumente "erschreckend unverantwortlich". Die Schriftstücke enthielten zwar "keine großen Enthüllungen". Aber was ihm Sorgen bereite, sei "dass unsere Verbündeten vorsichtiger sind als unsere eigenen Soldaten". Mattis soll das US-Zentralkommando übernehmen, dem unter anderem die Einsätze in Irak und Afghanistan unterstellt sind.

Auch Obama hatte zu Dokumenten erklärt, sie enthüllten nichts Neues. Das Pentagon verfolgte bei seinen Ermittlungen zu dem Leck eine erste Spur. Sie führt zu einem in Kuwait inhaftierten US-Soldaten.


Die zentralen Erkenntnisse aus den Dokumenten - hier der Überblick:

anr/dpa/AFP/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 4929 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.12.2010 von LondoMollari: So empörend ...

ich ebenfalls jeden einzelnden Toten in den leider zahllosen Kriegen auf dieser Welt, und erst recht in denen die wir schon wieder mitverantworten oder in denen wir gar mitmischen finde ... Eines müssen Sie bedenken: In [...] mehr...

16.12.2010 von werner thurner: Generierung von Terrorismus

Dass IHre Neocon Freunde wie Joshua Kuracev vom weekly standard da anere anscihten ahben ist mir bekannt. HIer geht es aber lediglich um die Tatsache daß laut UNICEF in modernen Kriegen auf 9 tote Zivilisten 1 toter Soldat [...] mehr...

16.12.2010 von Michael Schnarch:

Oh pardon wegen der "Stereotypen": Hier eine Übersicht über die ausgewogene Arbeit des Autor Ihrer Quelle Marc Herold: http://pubpages.unh.edu/~mwherold/ mehr...

16.12.2010 von werner thurner:

Sie langweilen mit Ihren Stereotypen. Es geht um einen Aufsatz der dort nur in Deutsch veröffentlicht wurde. "Nachfolgende Informationen in deutscher und englischer Sprache. Die Original-Pressemitteilung der Universität [...] mehr...

16.12.2010 von werner thurner:

Bei UNICEF? Sie träumen und können nicht lesen. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Afghanistan-Krieg

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr im SPIEGEL

Alles zu den Afghanistan-Protokollen
lesen Sie im SPIEGEL 30/2010:

  • - Die Geheimkrieger
  • - Die Naivität der Deutschen
  • - Pannen im Drohnenkrieg
  • - Die Rolle Pakistans

Inhaltsverzeichnis | E-Paper des Hefts
DER SPIEGEL auf dem iPhone und iPad
Heft kaufen | Abo-Angebote und Prämien

Diskutieren Sie über den SPIEGEL-Titel

Mehr im Internet

Weitere Berichte über die Geheimprotokolle auf:



Länderlexikon Afghanistan

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon





TOP



TOP