Berlin - Egal ob Demokraten oder Republikaner im Weißen Haus sitzen - die kleine Medienfirma "Bulletin News" aus dem US-Bundesstaat Virginia liefert die Ausschnitte aus der Presse. Täglich. Für rund 100.000 Dollar im Jahr. Egal ob Print, Radio, TV oder Online - von allen Seiten bekommt die jeweilige Regierung Exzerpte von Berichten, Interviews, Reportagen. Auch Auszüge aus dem "Wall Street Journal" (WSJ) sind darunter.
Bis jetzt. Denn der WSJ-Verlag Dow Jones macht plötzlich Probleme.
Er gehört Rupert Murdoch, dem Medienzaren. Wie die US-Online-Nachrichtenseite "Politico" berichtet, hat das "WSJ" den Preis für die Bereitstellung seiner Artikel im "Bulletin News"-Ausschnittsdienst nun um atemberaubende 600.000 Dollar pro Jahr angehoben.
Was steckt dahinter? Will Murdoch US-Präsident Barack Obama abzocken? Will der konservative Medienmann dem Demokraten nicht einmal die Ausschnitte aus seiner Tagespresse gönnen?
Gelächter im Weißen Haus
Es sei klar, dass man das nicht zahle, lässt sich ein Regierungsbeamter zitieren. Es handele sich schließlich um das Geld der Steuerzahler. Man wisse noch nicht, wie nun mit der Sache umzugehen sei. Möglicherweise müsse man das "Journal" eben abbestellen.
Murdochs Konservatismus steckt aber offenbar nicht hinter der Sache, mutmaßt "Politico"-Reporter Glenn Thrush. Da die Preiserhöhung nach Thrushs Recherchen auch andere Abnehmer des Ausschnitt-Service treffe, könnte etwas ganz anderes ausschlaggebend sein für die massive Preiserhöhung: nämlich Murdochs Geschäftsmodell.
Hintergrund: Der WSJ-Verlag Dow Jones betreibt einen eigenen Sammel-Service für Medienausschnitte. "Politico" zitiert eine Dow-Jones-Sprecherin: Das Weiße Haus könne einen besseren Deal bekommen, wenn es direkt mit dem Verlag verhandelt, ohne Umwege über die kleine Medienfirma aus Virginia. Heißt im Klartext: Murdoch strebt ein direktes Geschäft mit der US-Regierungszentrale an.
"Politico" weiß zu berichten, dass keiner im Weißen Haus die Sache sonderlich ernst nimmt. Manch einer breche gar in Gelächter aus, wenn darüber gesprochen werde. Allerdings bleibt ein Problem: Möglicherweise müssen die Regierungsmitglieder nun mit "WSJ"-Journalisten zusammenarbeiten, deren Artikel sie im Nachhinein gar nicht mehr lesen und legal verteilen können.
Es gebe allerdings Wege heraus aus der Blockade, schreibt Autor Thrush. Denn einzelne Beamte können das "Wall Street Journal" ja auch persönlich abonnieren. Und dann weiterreichen.
sef
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Der Medienzar, der Mächtige, legt sich nun also mit Obama an. Was soll man bloß von dieser Meldung halten? mehr...
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