Athen - Seit Tagen streiken die griechischen Tanklasterfahrer, jetzt soll das Militär die Versorgung von Tankstellen mit Treibstoff garantieren. Dies beschlossen die zuständigen Minister am Freitag bei einer Sitzung in Athen, wie Transportminister Dimitris Reppas mitteilte. Regierungssprecher Giorgos Petalotis sagte, ein Notfallplan werde so schnell wie möglich in Kraft treten, um wichtige öffentliche Dienste aufrechtzuerhalten. Dabei sollten Militärfahrzeuge und Schiffe der Marine eingesetzt werden.
In der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki kam es unterdessen zu Tumulten zwischen streikenden Lastwagenfahrern und der Polizei. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Die Fahrer streiken, weil ein Gesetz der Regierung die Konkurrenz in dem Berufsstand deutlich verschärfen würde. Einen Kompromiss der Regierung, der die finanziellen Auswirkungen der von der EU verordneten Öffnung abfedern sollte, lehnten sie ab.
Zuvor hatte sich die Lage in dem Urlaubsland zugespitzt. Kaum eine Tankstelle hatte noch Benzin oder Diesel. In den Supermärkten waren die Obst- und Gemüseregale weitgehend leergekauft. Hunderte Urlauber ließen nach Medienberichten ihre Mietautos stehen, weil ihnen der Treibstoff ausging. Zehntausende mussten nach Angaben von Tourismusverbänden in Hotels und auf Campingplätzen ausharren, weil die Tankstellen keinen Sprit mehr hatten. Die Tankwagenbesitzer blockierten mit ihren Wagen die Einfahrt zu einer Erdölraffinerie, um die Benzinlieferungen zu verhindern. Allein etwa 100.000 serbische Urlauber sollen nach Presseberichten im Norden des Mittelmeerlandes gestrandet sein.
Ein Ende des Streiks ist nicht absehbar
Nach einer mehrstündigen Sitzung und Urabstimmung beschlossen die Tank- und Lastwagenfahrer am Freitagnachmittag, ihren Ausstand fortzusetzen. Seit Montag protestieren sie gegen einen Gesetzesentwurf, wonach jeder Besitzer eines Lkw-Führerscheins als Lastwagenfahrer arbeiten darf. Zudem soll die Ausgabe neuer Lizenzen in den nächsten drei Jahren stufenweise abgeschafft werden. Je nach Größe des Wagens kosteten Lizenzen bisher bis zu 300.000 Euro.
Die Regierung zeigt sich trotz der Proteste entschlossen: "Wir werden das Gesetz durchsetzen", sagte ein Sprecher im Radio. Handelskammern, Hotelierverbände und andere Gewerkschaften riefen die Fahrer auf, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Griechische Medien sehen das Land mittlerweile am Rande eines Zusammenbruchs. Weil das Benzin fehlt, hätten zahlreiche Unternehmen ihre Arbeit eingestellt. Viele kleinere Fähren mussten in den Häfen bleiben. Reiseveranstalter riefen die Regierung auf, sofort eine Lösung zu finden, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen.
wit/dpa/apn
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