Von Marcel Rosenbach
Schon seine Abreise aus den Vereinigten Staaten vor zwei Wochen glich einer Flucht. Der US-Programmierer Jacob Appelbaum hatte bei der Hackerkonferenz "Hope" in New York den WikiLeaks-Gründer Julian Assange vertreten und sich so öffentlich als Aktivist der Plattform präsentiert, sich selbst als "Freiwilligen" bezeichnet - und erklärt, zum Archiv der Whistleblower und deren Einsendetechnologie habe er keinen Zugang.
Nach seinem Vortrag bei der "Hope"-Konferenz legte er einen filmreifen Abgang hin: Ein Doppelgänger lenkte die Konferenzbesucher ab, er selbst entwich zum Flughafen. Und flog eilig außer Landes - nach Deutschland.
Am vergangenen Wochenende dann veröffentlichte WikiLeaks im Internet rund 77.000 überwiegend als geheim eingestufte US-Militärdokumente zum Krieg in Afghanistan (siehe Fotostrecke) - und die Regierung von Präsident Barack Obama kündigte an, mit aller Härte des Gesetzes gegen jene vorzugehen, die das Material WikiLeaks zugespielt haben. Auch juristische Schritte gegen die Plattform und Assange würden geprüft.
Nach Angaben aus dem WikiLeaks-Umfeld tasteten Grenzpolizisten den Mann am ganzen Körper ab, dann musste er seine Schuhe ausziehen, wurde in einen separaten Raum geführt, zwei US-Behördenvertreter befragten ihn dort. Einer habe sich als Vertreter der U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) zu erkennen gegeben, einer dem Heimatschutzministerium unterstellten Behörde. Der andere habe sich als Mitglied der US-Armee vorgestellt, heißt es weiter.
Der Darstellung zufolge beschlagnahmten die Männer drei Mobiltelefone und den Laptop des Mannes, um die Geräte zu untersuchen. Außerdem sei seine Geldbörse durchsucht worden, Quittungen seien kopiert worden. Als Grund für die Festsetzung hätten die Behördenvertreter auf den Auftritt bei der Hackerkonferenz "Hope" verwiesen. Ein Anruf bei einem Anwalt sei dem WikiLeaks-Aktivisten zunächst verwehrt worden, heißt es weiter.
Die beiden US-Behördenvertreter hätten Appelbaum unter anderem nach dem aktuellen Aufenthaltsort von WikiLeaks-Gründer Assange und dem Krieg in Afghanistan befragen wollen. Auch Bradley Manning soll ein Thema gewesen sein - jener US-Soldat, dem das Militär vorwirft, unter anderem das Video eines US-Hubschrauberangriffs in Bagdad mit zahlreichen toten Zivilisten an eine "unberechtigte Person" weitergegeben zu haben. WikiLeaks hatte das Video unter dem Titel "Collateral Murder" im April veröffentlicht und damit weltweit Aufsehen erregt.
Nach mehr als drei Stunden sei die Befragung dann beendet worden. Appelbaum habe seinen Laptop zurückbekommen, die drei Telefone zunächst nicht.
Das Interesse der US-Behörden an Appelbaum hält offenbar an: Am Samstag sprach er in Las Vegas bei der Hackerkonferenz Def Con über das "Tor"-Projekt. Nach dem Vortrag kamen zwei FBI-Agenten auf ihn zu. Doch Appelbaum weigerte sich offenbar, mit ihnen zu sprechen.
Geheimnisvolle Datei "Insurance" auf WikiLeaks-Server aufgetaucht
Inzwischen ist auf der Plattform WikiLeaks eine 1,4 Gigabyte große Datei hochgeladen worden, die "Insurance" heißt - "Versicherung". Sie liegt im Bereich der Afghanistan-Dokumente, ist passwortgeschützt und kann deshalb nur heruntergeladen, aber nicht gelesen werden. Die Plattform Cryptome mutmaßt laut dem US-Magazin "Wired", es könnte sich um eine Absicherung handeln, falls die US-Behörden gegen WikiLeaks oder Assange vorgehen. Demnach könnte die Datei Datensätze enthalten, die WikiLeaks bisher zurückgehalten hat - und die bei einer Sperrung oder anderen staatlichen Aktionen veröffentlicht würden, indem ein Aktivist das Passwort zum Entschlüsseln verbreitet.
Erst am Donnerstag hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates eine "aggressive" Fahndung nach der Quelle der Afghanistan-Dokumente angekündigt und die Bundespolizei FBI eingeschaltet. Mitarbeiter des Justizministeriums prüfen, ob sie unter dem "Espionage Act" von 1917 juristische Schritte gegen WikiLeaks und dessen Mitarbeiter einleiten.
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Julian Assange sagte im Spiegel Interview: "Wir haben Fälle herausgefiltert, bei denen Gefahr für Unschuldige bestehen könnte, und das Material entsprechend bearbeitet" Er sagt ebenfalls, dass er prinzipuell alle [...] mehr...
Welchen Sinn hätte denn ein "geheimes Gesetz"? Kann ein Gericht ein Gesetz anwenden, das keiner kennt (weil geheim)? Einige Gesetze der USA sind wohl eher "geheim", weil sie von den Unterzeichnern gar nicht [...] mehr...
... Vielen Dank für diese so treffende Ausführung bzgl. dieser absurden Zeit, die man in der westlichen Welt gerade erlebt! Es ist schön zu wissen, daß noch nicht alle komplett "Massenverdummt" durch die Welt rennen. [...] mehr...
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Alle bisherigen Träger sollten aus Protest ihren Nobelpreis wieder zurückgeben. Die nächsten Nobelpreisträger werden dann wohl McChrystal und Petraeus sein... 1984 ist da! Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und [...] mehr...
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