London - Aus Verärgerung über kritische Bemerkungen von Großbritanniens Premierminister David Cameron haben Vertreter des pakistanischen Geheimdienstes ISI ein Treffen mit britischen Kollegen abgesagt. Zu geplanten Beratungen über die pakistanisch-britische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror in London würden ranghohe ISI-Offiziere als Reaktion auf die "gegen Pakistan" gerichteten Äußerungen Camerons nicht anreisen, sagte ein ISI-Sprecher der britischen Zeitung "The Times" vom Samstag. Zur Gruppe der Besucher sollte unter anderem Geheimdienstchef Generalleutnant Ahmed Shujaa Pasha gehören.
Vor dem Hintergrund der im Internet veröffentlichten geheimen US-Dokumente zum Krieg in Afghanistan hatte Cameron am Mittwoch während eines Besuchs in Indien gesagt: Es sei nicht hinnehmbar, dass Pakistan "in beide Richtungen gucke" und "die Verbreitung von Terror unterstützt, ob nach Indien, Afghanistan oder sonstwo in der Welt". "Solche unverantwortlichen Stellungnahmen könnten die Zusammenarbeit mit Großbritannien beeinträchtigen", warnte nun der ISI-Sprecher.
Offiziell gilt Pakistan als ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terror. In den vor knapp einer Woche veröffentlichten US-Dokumenten wird der pakistanische Geheimdienst ISI jedoch beschuldigt, die radikalislamischen Taliban in Afghanistan seit 2004 finanziert und mit Waffenlieferungen unterstützt zu haben. Pakistan selbst hat den Vorwurf einer Unterstützung der Islamisten in der Vergangenheit stets zurückgewiesen und die nun erhobenen Vorwürfe gegen seinen Geheimdienst ebenfalls als unbewiesen kritisiert.
Die Äußerungen Camerons während des Besuchs bei Pakistans Erzfeind Indien lösten nun offenbar höchste Verärgerung bei der pakistanischen Regierung aus. Der "Times" zufolge denkt auch Pakistans Präsident Asif Ali Zardari darüber nach, einen für die kommende Woche geplanten dreitägigen Besuch in Großbritannien abzusagen. Ein ranghoher pakistanischer Regierungsvertreter sagte dem Blatt, die Absage des Treffens der Geheimdienstvertreter sei von "der obersten Armeeführung" entschieden worden. Schließlich habe Pakistan "Tausende" Polizisten und Soldaten im Kampf gegen den Terror verloren.
sto/AFP/apn
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