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02.08.2010
 

Asylangebot aus Brasilien

Lula will Iranerin vor Todesstrafe retten

Von Ulrike Putz, Beirut

Sakineh Mohammadi Aschtiani: Brasilien kämpft um die zum Tode verurteilte IranerinZur Großansicht
AFP/ Amnesty International

Sakineh Mohammadi Aschtiani: Brasilien kämpft um die zum Tode verurteilte Iranerin

Sie soll in Iran wegen Ehebruchs gesteinigt werden - jetzt hat Brasilien der zweifachen Mutter Sakineh Mohammadi Aschtiani überraschend Asyl angeboten. Durch politischen Druck könnte Präsident Lula der Frau das Leben retten. Und sich nebenbei für neue Aufgaben in der Weltpolitik profilieren.

Das Schicksal von Sakineh Mohammadi Aschtiani schien in den vergangenen Jahren mehr als einmal besiegelt. Wegen Ehebruchs sollte die 43-Jährige mit dem Tode bestraft werden. Hinrichtung durch Steinigung lautete das Urteil gegen sie. Bis zum Hals eingegraben, mit Felsbrocken beworfen - so lange, bis sie tot ist. Nicht einmal eine Handvoll Länder auf der Welt wendet diese grausige Form der Bestrafung überhaupt noch an. Iran ist eines davon.

Der Fall der zweifachen Mutter beunruhigt Menschenrechtsgruppen und iranische Aktivisten seit Jahren. Aschtiani hatte den zweifachen Ehebruch anfangs gestanden, ihre Aussage jedoch zurückgezogen: Sie sei zu ihrem Geständnis gezwungen worden, sagte sie. 2006 wurde sie erst zu 99 Peitschenhieben verurteilt, in zweiter Instanz zum Tod durch Steinigung, wegen Protesten wurde der Vollzug im vergangenen Monat vorerst ausgesetzt - doch nun könnte sich das Schicksal zu ihren Gunsten wenden.

Der mögliche Lebensretter kommt aus Brasilien. Bei einem Wahlkampfauftritt bot Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im südbrasilianischen Curitiba seine Hilfe an. "Ich fordere Mahmud Ahmadinedschad auf zu erlauben, dass Brasilien dieser Frau Asyl gewährt", sagte Lula an den iranischen Präsidenten gerichtet. Das Regime soll die Frau ziehen lassen. "Wenn meine Freundschaft und Hochachtung dem Präsidenten Irans gegenüber etwas wert ist, wenn diese Frau Unannehmlichkeiten verursacht, dann sind wir willens, sie aufzunehmen."

Lula könnte schaffen, was Aschtianis Angehörigen und Menschenrechtsgruppen seit Jahren nicht gelungen ist. Der Vorstoß des Präsidenten gibt ihnen neue Hoffnung. "Ich glaube nicht, dass Iran Brasilien so leicht ignorieren kann, wie es andere Länder ignoriert hat", sagte Aschtianis Sohn Sajad am Montag der britischen Zeitung "Guardian". Es sei ein wichtiger Schritt, dass Brasilien seiner Mutter Zuflucht angeboten habe. Das Land sei einer von Irans wichtigsten Verbündeten.

Lulas Angebot zeigte jedenfalls Wirkung. Stunden nach Lulas Auftritt riefen iranische Offizielle bei Aschtianis Sohn an und versicherten ihm, ihr Fall werde noch diese Woche neu aufgerollt. Auf die Manieren der Staatsdiener wirkte sich das brasilianische Vorpreschen offenbar auch aus. "Sie waren höflicher als zuvor", sagte der überraschte Sohn dem "Guardian". Lulas Intervention machte sogar einer wochenlangen Nachrichtensperre in Iran über den Fall ein Ende. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete am Sonntag ausführlich über Lulas Angebot und erwähnte auch die Steinigung. Über diese Form der Strafe darf sonst eigentlich gar nicht berichtet werden.

Vor allem Sohn Sajad hatte sich in den vergangenen Jahren unermüdlich für seine Mutter eingesetzt, Kontakt zu Amnesty International und Frauenrechtlerinnen gesucht. Die Unterstützer der Frau stehen in Iran nach wie vor unter Druck. In der vergangenen Woche verschwand Aschtianis Anwalt Mohammad Mostafaei nach einem Verhör im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, seine Frau und sein Schwager wurden festgenommen.

Lula - der künftige Uno-Generalsekretär?

Lulas starke Position in Iran kommt nicht von ungefähr. Das Regime des Landes ist wegen des Streits um das Atomprogramm international weitgehend isoliert, Brasilien jedoch hat sich ihm in den vergangenen Monaten vorsichtig angenähert. Im Mai überraschten Lula und der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan die Welt mit einem Atom-Deal mit Teheran. Das galt als globalpolitischer Coup für den Brasilianer - auch wenn sich am internationalen Druck gegen Iran dadurch nichts geändert hat. Im Gegenteil verschärften EU und Uno ihre Sanktionen.

Was steckt nun hinter Lulas überraschendem Engagement für Aschtiani? In Brasilien wird spekuliert, er wolle sich als Verfechter der Menschenrechte profilieren - passend zu der seit Monaten diskutierten Theorie, er wolle Uno-Generalsekretär werden. Nach brasilianischem Recht kann er im Oktober nicht noch einmal zur Präsidentenwahl antreten und sucht nun eine neue Aufgabe. Offiziell dazu geäußert hat er sich nicht, offensichtlich aber der franzsöische Präsident Nicolas Sarkozy beim G-20-Gipfel im vergangenen September in Pittsburgh. Dort soll er den Brasilianer vorgeschlagen haben. Ende 2011 endet die Amtszeit von Ban Ki Moon als Uno-Generalsekretär - wenn Lula sich für den Posten interessiert, muss er allmählich Zeichen setzen. Mehrfach schon hat er die Uno als zu defensiv angesichts der Krisen der Welt kritisiert.

In der Krise Aschtiani hat er nun ziemlich offensiv einen Ausweg aufgezeigt.

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insgesamt 46 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.08.2010 von kater_lysator: ...?

Ja, genau. "Die" Moslems stecken mental im Mittelalter, "die" Christen sind alle blinde Bibelfundamentalisten und "die" Brasilianer sehen es nicht so eng mit dem Ehebruch. Wie gut, dass wir ein [...] mehr...

09.08.2010 von erwachen: erwachen

alles was zur zeit auf der welt passiert, passiert nur aus dem kranken geist(ego) heraus. ein mensch im gesunden geist, in gott, christus, heiliger geist, kennt nur die liebe. ich kann nur hoffen, dass alle menschen bald in dieses [...] mehr...

05.08.2010 von JDR: ...

...und nicht zuletzt jene, welche versuchen, Unrecht zu vermeiden, oder als Geisel herhalten können, um Kritiker in die Hände zu bekommen (http://edition.cnn.com/2010/WORLD/meast/08/05/iran.stoning.lawyer/index.html?hpt=T1) (wir [...] mehr...

03.08.2010 von udo46: xxx

Was wedeln Sie immer mit dem 8. Gebot herum? Können Sie mir das mal erklären? ---Zitat--- Ich mißverstehe die Aussagen der Bibel ganz sicher nicht! Was Sie hier erzählen, zeigt, Sie haben keine Ahnung von Gott und seinem [...] mehr...

03.08.2010 von Baracke Osama: --

"Während manche Länder die Steinigung einführen wollen oder erst kürzlich eingeführt haben (z. B. der islamisch geprägte Norden Nigerias oder die indonesische Provinz Aceh[7][8]), sind in anderen Ländern, z. B. Iran, [...] mehr...

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Irans Atomprogramm

Streit

AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

Geschichte

Sanktionen

Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung

Länderlexikon Iran

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 73,974 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Uran und Atomwaffen

Uran

Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

Anreicherung

Einsatz in Atomwaffen





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