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03.08.2010
 

Israelisch-libanesische Grenze

Gefällter Baum provoziert blutiges Feuergefecht

Mindestens drei Tote und mehrere Verletzte - das ist die blutige Bilanz des schwersten Zwischenfalls zwischen Israel und Libanon seit dem Krieg vor vier Jahren. Auslöser des heftigen Gefechts zwischen Soldaten beider Seiten war offenbar: ein Baum.

Beirut/Jerusalem - Bei einem Schusswechsel israelischer und libanesischer Grenzsoldaten sind an diesem Dienstag mindestens drei Menschen getötet und mehrere verwundet worden. Es war der bislang schwerste Zwischenfall seit dem Krieg 2006. Der libanesische Staatspräsident Michel Suleiman gab Israel die Schuld. Die Uno-Friedenstruppe Unifil mahnte beide Seiten zur Zurückhaltung.

Nach Angaben eines libanesischen Offiziers entspann sich der Schusswechsel, als israelische Soldaten einen Baum auf der libanesischen Seite der Grenze zu fällen versuchten, der ihnen die Sicht versperrte. Die israelischen Streitkräfte erklärten hingegen, der Baum habe auf ihrem Territorium gestanden.

Ein Foto der Nachrichtenagentur AP zeigt einen Israeli auf der Hebebühne eines über den Grenzzaun hinweg ragenden Kranauslegers, der offenbar einen Baum zu fällen versucht. Der von Israel errichtete Zaun folgt allerdings nicht überall exakt dem tatsächlichen Grenzverlauf. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte befand sich der Baum "jenseits des Zauns, aber noch auf israelischem Territorium". Zudem habe Israel den Plan, den Baum zu fällen, bei der Friedenstruppe Unifil angemeldet, erklärte ein Militärsprecher.

Nach israelischen Angaben schossen die libanesischen Soldaten zuerst, Israel habe dann mit Artilleriebeschuss reagiert. Aus Beirut hieß es, die libanesische Armee habe zunächst nur Warnschüsse abgegeben. Ein israelischer Kampfhubschrauber habe jedoch Raketen abgefeuert und einen gepanzerten Truppentransporter zerstört.


Die Geschosse schlugen libanesischen Angaben zufolge zudem im Grenzort Adaisseh ein. Dabei seien zwei Soldaten in dem Militärfahrzeug getötet und mindestens ein weiterer schwer verletzt worden. In anderen Berichten ist von drei getöteten Soldaten die Rede. Zudem soll auch ein libanesischer Journalist tödlich getroffen worden sein, eine weitere Zivilperson wurde verletzt.

Die israelische Armee bestätigte den Tod eines Soldaten. Eine Armeesprecherin sagte, ein 45 Jahre alter Oberstleutnant der Reserve sei bei dem Vorfall getötet worden. Ein weiterer Soldat wurde demnach verletzt. Nach Augenzeugenberichten dauerten die Kämpfe vier Stunden. Am Nachmittag stellte sich demnach in Adaisseh wieder Ruhe ein. Geflüchtete Bewohner kehrten wieder zurück.

Libanon wirft Israel Grenzverletzung vor

Israels Außenministerium kündigte an, bei den Vereinten Nationen Beschwerde einzulegen. Der Libanon habe die Resolution des Uno-Sicherheitsrats verletzt, die im Jahr 2006 den Krieg zwischen beiden Seiten beendete. "Wir warnen vor Konsequenzen, falls sich die Verstöße fortsetzen", hieß es. Anzeichen, dass Israel einen größeren Einsatz vorbereitet, gab es gleichwohl nicht.

Der libanesische Staatspräsident Suleiman warf wiederum Israel vor, mit der Grenzverletzung gegen die Uno-Resolution verstoßen zu haben. Suleiman forderte die libanesischen Streitkräfte auf, "jeder israelischen Aggression entgegenzutreten, was immer es auch für Opfer kostet". Libanons Ministerpräsident Saad al-Hariri verurteilte "Israels Verletzung der Souveränität des Libanon".

Auch die Hisbollah-Miliz droht Israel bei weiteren Zwischenfällen mit Gewalt. Sollte die libanesische Armee erneut angegriffen werden, werde die Hisbollah nicht tatenlos zusehen, sagte Anführer Hassan Nasrallah in einer Rede vor Tausenden Anhängern im Süden von Beirut. Die Anweisung der Regierung sei jedoch deutlich gewesen: Die Hisbollah habe sich nicht einzumischen.

Uno, USA und EU rufen zu Deeskalation auf

Der Libanon, derzeit nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates, rief am Dienstag eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates in New York ein. Der zeigte sich in einer anschließenden Erklärung "zutiefst besorgt" über das tödliche Gefecht und rief beide Seiten zur "größtmöglichen Zurückhaltung" und zur "Vermeidung jedweder Eskalation" auf.

Ähnliches war aus den USA und der EU zu vernehmen. Das US-Außenministerium in Washington forderte beide Seiten eindringlich auf, den geltenden Waffenstillstand einzuhalten. "Die Spannungen in der Region sind schon groß genug", sagte ein Sprecher. Es müssten "umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um eine weitere Eskalation der Spannungen oder irgendeine Form weiterer Gewalt zu verhindern", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Die EU unterstütze eine sofortige und komplette Untersuchung des Feuergefechts.

Unifil bemüht, Westerwelle besorgt

Unifil bestätigte den Zusammenstoß und rief beide Seiten zu "äußerster Zurückhaltung" auf. Soldaten der Friedenstruppe befänden sich in der Gegend und versuchten, sich ein Bild von dem Umständen und von eventuellen Verlusten zu machen, sagte ein Sprecher. Vorrangige Aufgabe sei es, die Ruhe wiederherzustellen.

Besorgt auf das Gefecht reagierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Eine Eskalation der Lage müsse unbedingt vermieden werden, erklärte Westerwelle. Es müsse alles getan werden, damit die Bemühungen um Frieden und Ausgleich in der Region nicht gefährdet würden. Die Bundesregierung habe nach Bekanntwerden des Vorfalls unverzüglich Kontakt zur israelischen sowie zur libanesischen Regierung aufgenommen und beide Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen, teilte das Auswärtige Amt mit.

Kämpfer der radikal-islamischen Hisbollah waren in den Vorfall offenbar nicht verwickelt. Seit dem israelischen Feldzug gegen die Miliz im Jahr 2006, bei dem 1200 Libanesen und 160 Israelis getötet wurden, ist es an der Grenze relativ ruhig. Es ist das erste Mal seit dem Krieg vor vier Jahren, dass in dem Gebiet wieder Soldaten getötet wurden.

Die Vereinten Nationen sichern die Region mit der 12.000 Mitglieder starken Friedenstruppe Unifil. In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen wieder zugenommen. Israel beschuldigt die Hisbollah, ihr Raketenarsenal seit 2006 wieder deutlich ausgebaut zu haben, und beschuldigt Syrien und Iran als Lieferanten. Im Libanon wiederum wurden seit vorigem Jahr über 70 Personen unter dem Verdacht der Kollaboration mit Israel festgenommen.

phw/can/apn/Reuters/dpa/AFP

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Die neuesten Beiträge:
04.08.2010 von mbockstette: In Szene gesetzt

Was verbirgt sich hinter den ungerechtfertigten Angriff der libanesischen Armee auf israelische Soldaten von gestern? Warum wurde dieses tödliche Spektakel vom libanesischen Militär in Szene gesetzt? Weil dem Libanon ein neues [...] mehr...

04.08.2010 von mbockstette:

Auch dieser Vorhalt zeugt nur von typischer Unwissenheit und allgegenwärtiger Voreingenommenheit. Sind Sie sich dessen eigentlich bewusst? Die UNO selbst betrachtet die Sheebaa-Farmen auch nicht als libanesisches [...] mehr...

04.08.2010 von dirkgruenwald: Aber,

Israel hat sich nicht von den Sheeba-Farmen zurücgezogen und damit libanesisches Gebiet annektiert. Das ist der formale Grund, warum die Husbollah nicht entwaffnet wurde. Ist zwar ziemlich irre/verrrückt, aber nun so ist [...] mehr...

04.08.2010 von mbockstette: Die Entwaffnung aller Gruppen

Wie kommen Sie zu dieser Annahme? Zusammenfassung der Resolution 1701 Der Sicherheitsrat fordert die vollständige Einstellung der Feindseligkeiten fordert den Rückzug aller israelischen Truppen aus dem südlichen Libanon [...] mehr...

04.08.2010 von alfredoneuman: o

Was stimmt denn nun Ihrer Meinung nach? Und wie benimmt man sich vernünftigerweise an saugefährlichen Staatsgrenzen? Sie wissen das ganz bestimmt. mehr...

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