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07.08.2010
 

Grenzgebiet zu Pakistan

Offenbar sechs Deutsche in Afghanistan erschossen

US-Patrouille in Nuristan (2009): In diese Provinz wollten die Ermordeten fahren Zur Großansicht
AFP

US-Patrouille in Nuristan (2009): In diese Provinz wollten die Ermordeten fahren

Im Norden Afghanistans sind die Leichen von zehn Menschen entdeckt worden, darunter drei Frauen. Die Getöteten sollen für eine christliche Hilfsorganisation als Augenärzte gearbeitet haben. Sechs der Toten sollen nach ersten Angaben Deutsche sein. Die Berichte sind jedoch widersprüchlich.

Kabul - Die Getöteten waren in einem entlegenen Berggebiet im Nordosten des Landes unterwegs, teilte der Polizeichef der Provinz Badachschan, Agha Nur Kentus, mit. Sie hätten im Grenzgebiet zu Pakistan gezeltet.

Der einzige Überlebende der Gruppe habe berichtet, dass die Gruppe vor allem aus Augenärzten eines Kabuler Krankenhauses bestanden habe und auf dem Weg von Badachschan in die Nachbarprovinz Nuristan gewesen sei. Die Mediziner seien am letzten Tag der Reise von einer Gruppe Bewaffneter angehalten worden. Diese hätten sie in einer Reihe aufgestellt und erschossen. Drei der Getöteten seien Frauen gewesen.

Nach ersten Informationen sollen sechs der Toten Deutsche sein. Inzwischen hat jedoch der Chef einer medizinischen US-Hilfsorganisation in Kabul angebeben, sechs der Toten seien US-Bürger, zwei andere Ausländer, darunter ein Deutscher. Dirk Frans, Direktor der International Assistance Mission, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, die Gruppe sei auf der Rückkehr von einem Besuch einer Augenklinik in Nuristan gewesen. Die International Assistance Mission ist eine christliche Organisation, die sich in Afghanistan um medizinische Betreuung kümmert.

Vom Auswärtigen Amt gab es am Samstagmorgen zunächst keine Bestätigung. Die deutsche Botschaft in Kabul sei mit den afghanischen Behörden in Kontakt und gehe den Informationen nach, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Man schicke auch ein Team zur Aufklärung des Vorfalls nach Nordafghanistan. Eine Sprecherin der US-Botschaft in Kabul bestätigte, dass sich unter den Getöteten mehrere US-Bürger befinden.

Kurz nach Bekanntwerden der ersten Nachrichten über den Vorfall meldete sich Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed bei mehreren Journalisten und bekannte sich zu dem Überfall. Demnach habe es sich bei den Toten um "christliche Missionare" gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten.

Ob die Aufständischen wirklich hinter der Tat stecken, ist jedoch ungewiss, da alle bisherigen Erkenntnisse auf einen Raubüberfall hindeuten. Zudem würde die Erschießung der Ausländer nicht ins Muster der Taliban passen. Diese hätten vor allem westliche Helfer eher als Geiseln genommen und politische Forderungen für ihre Freilassung gestellt.

Die Toten waren am Donnerstag in einem dichten Waldgebiet neben drei von Einschüssen durchlöcherten Autos im Distrikt Kuran Wa Munjan entdeckt worden. Ihre Körper seien von Kugeln durchsiebt gewesen. Ausrüstung und Geld seien gestohlen worden. Die Nachrichtenagenturen dpa und AFP melden unter Berufung auf den Polizeichef, die Opfer seien anhand ihrer Pässe identifiziert worden. AP zitiert jedoch die gleiche Quelle mit den Worten: "Wir konnten keine Ausweise oder etwas in der Art finden. Es wurde nichts zurückgelassen." Der Afghane, der den Überfall überlebt habe, habe gesagt: "Ich habe geschrien und den heiligen Koran rezitiert und gesagt: 'Ich bin Muslim. Tötet mich nicht.'"

Dorfbewohner berichteten, sie hätten rund 15 Tage zuvor Ausländer in der Gegend gesehen, die mit geländegängigen und mit Vierradantrieb ausgestatteten Wagen unterwegs waren. Vor zwei Tagen hätten sie die Autos verlassen gefunden und dies der Polizei gemeldet. Daraufhin seien Suchtrupps ausgeschickt worden.

Shoib Najafizada mit Material von dpa/AFP/reuters

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