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09.08.2010
 

Afghanistan

Taliban richten schwangere Frau hin

Von Shoib Najafizada, Kabul

Taliban in Afghanistan (Archivbild): "Frauen werden bedroht, eingeschüchtert, angegriffen"Zur Großansicht
AFP

Taliban in Afghanistan (Archivbild): "Frauen werden bedroht, eingeschüchtert, angegriffen"

Taliban haben eine Frau in der afghanischen Provinz Badghis erschossen, offenbar weil sie schwanger war - und Witwe. Es ist die zweite öffentliche Tötung einer Frau, seitdem die Islamisten vor neun Jahren aus der Regierung verjagt wurden.

Herat - Drei Schüsse in den Kopf, dann war die Afghanin tot. Die 48-jährige Frau wurde in der afghanischen Provinz Badghis Opfer der grausamen Justiz der Taliban. Sie war offenbar schwanger, ihr Mann war vor längerem verstorben - die Islamisten warfen ihr vor, eine "unerlaubte Affäre" gehabt zu haben.

"Das ist im Islam nicht erlaubt", sagte der Taliban-Kommandeur in der Provinz zu SPIEGEL ONLINE. Mehrere Tage war sie von den Radikalislamisten festgehalten worden, dann folgte ihre Strafe: 200 Peitschenhiebe, dann wurde sie erschossen.

Der Chef der Polizei in Badghis bestätigte das Verbrechen, das sich am Sonntag ereignete. "Sie wurde erschossen, weil sie des angeblichen Ehebruchs bezichtigt wurde", sagte General Abdul Jabar SPIEGEL ONLINE. Der Mann, der eine Affäre mit der Afghanin gehabt haben soll, sei geflohen. Nach der Hinrichtung wurde die Leiche in ein von den Islamisten überwachtes Gebiet geschafft.

Der Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission in Westafghanistan verurteilte die Hinrichtung als "inakzeptabel". Es ist die zweite öffentliche Tötung einer Frau durch Taliban, seit ihre Regierung vor neun Jahren durch die US-Intervention gestürzt wurde.

Während ihrer Herrschaft von 1996 und 2001 bestraften die Taliban außereheliche Beziehungen mit öffentlichen Steinigungen und Auspeitschungen. Damit wollten sie gewaltsam die strenge Befolgung des islamischen Rechts durchsetzen.

Die Lage der Frauen in Afghanistan wurde in den USA und auch in Deutschland zuletzt kontrovers diskutiert. Das US-Magazin "Time" zeigte auf seinem Titelbild ein afghanisches Mädchen, dessen Gesicht von ihrem Ehemann grausam entstellt wurde - weil sie vor Gewalt und Folter in seiner Familie geflohen war. Der Mann verfolgte sie und schnitt ihr Nase und Ohren ab. "Es fühlte sich an wie kaltes Wasser in meiner Nase, aber als ich die Augen öffnete, konnte ich nichts sehen vor lauter Blut", berichtet sie. Ihr Gesicht wird nun in den USA operiert - doch das Bild ihres Leidens bleibt. Es ist zum Symbol der Grausamkeiten am Hindukusch geworden. Es ist kein Einzelfall.


In Regionen, in denen Taliban herrschen, werden Frauen laut Human Rights Watch "häufig bedroht, eingeschüchtert und angegriffen, sowie Politikerinnen und Aktivistinnen angegriffen und getötet, ohne rechtliche Konsequenzen".

Für einen umfassenden Bericht, der Mitte Juli veröffentlicht wurde, sprachen die Menschenrechtler mit zahlreichen Frauen im Land. "Unter den Taliban beschränkt sich unser Leben auf die Welt innerhalb der Wände unseres Hauses. Wir dürfen nicht arbeiten, wir dürfen unsere Verwandten nicht ohne unseren Mann besuchen", berichtet eine Frau. "Wie groß sind meine Chancen auf ein normales und friedliches Leben?"

Mädchenschulen werden geschlossen, Lehrerinnen bedroht. Der Taliban-Führer Mullah Abdullah aus der Provinz Ghazni begründete das gegenüber Human Rights Watch damit, dass die Taliban gegen die "unislamische Erziehung" von Frauen vorgingen: "Wir schließen diese Schulen, weil sie Ehebruch, Nacktheit und unislamisches Verhalten lehren."

Zwar wurde auf der Afghanistan-Konferenz in London festgelegt, Frauenrechte sollen mit einem nationalen Aktionsplan gestärkt werden. Doch Menschenrechtsaktivisten befürchten, dass gerade jetzt, wo über eine Annäherung der Kabuler Regierung an die Taliban gesprochen werde, mühsam erworbene Fortschritte geopfert würden.

"Wir haben die große Sorge, dass die Menschenrechte und vor allem auch die Frauenrechte in Afghanistan zur Verhandlungsmasse werden", sagte Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, im Mai zu SPIEGEL ONLINE.

Die traurige Wahrheit sei: Familiäre Gewalt und Zwangsehen gehörten für viele zum Alltag. Die mutigen Frauen, die sich für die Einhaltung ihrer Rechte einsetzten, müssten mit Verfolgung, Gewalt und sogar Mord rechnen. Wie jetzt in der Provinz Badghis.

Mit Material von AFP und Reuters

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Bevölkerung: 31,412 Mio.

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Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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