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10.08.2010
 

Zivile Opfer am Hindukusch

Extremisten töten immer öfter afghanische Kinder

Afghanistan: Das Leid der Kinder
Fotos
AP

Radikale Islamisten überziehen Afghanistan mit Terror und Gewalt - immer öfter werden Kinder Opfer der Anschläge. Hunderte Minderjährige wurden im ersten Halbjahr 2010 getötet oder verletzt, die Zahl hat sich dramatisch erhöht. Der Uno zufolge gibt es sogar öffentliche Hinrichtungen.

Kabul - Der Wagen des afghanischen Politikers rollte heran, sein Konvoi fuhr durch die umkämpfte südliche Provinz Kandahar. Plötzlich explodierte eine Autobombe. Der Bezirksgouverneur hatte Glück, er wurde nicht verletzt. Doch dann die traurige Nachricht: Die Explosion tötete fünf Kinder.

Es war ein schlimmer Tag in der vergangenen Woche in Afghanistan, aber kein ungewöhnlicher. Die Taliban hatten wieder zugeschlagen. Als die Polizei kam, um den Vorfall zu untersuchen, explodierte ein weiterer Sprengsatz am Straßenrand, mehrere Menschen wurden verletzt.

Immer wieder trifft es Unbeteiligte im umkämpften Afghanistan - und immer öfter sterben Kinder. In den ersten sechs Monaten 2010 töteten die Radikalislamisten bei Anschlägen 176 Kinder und verletzten 389 weitere - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

"Afghanische Kinder und Frauen tragen immer stärker die Hauptlast des Konflikts", warnte der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura, der am Dienstag den Halbjahresbericht zum "Schutz von Zivilisten im bewaffneten Konflikt" vorstellte. Frauen und Kinder "würden in ihren Häusern und Dörfern öfter als je zuvor getötet und verletzt". Kinder würden sogar öffentlich hingerichtet.

Tod am Straßenrand

Auch die Zahl der zivilen Opfer hat sich insgesamt erhöht - sie sterben durch Bombenexplosionen, durch Raketenangriffe, durch Sprengsätze am Straßenrand. Im ersten Halbjahr 2010 seien 1271 Afghanen ums Leben gekommen und 1997 verletzt worden - das sind 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Uno zeigte sich sehr besorgt.

Wie im Fall der fünf getöteten Kinder sind häufig die Extremisten für die zivilen Opfer verantwortlich. Unbeteiligte Afghanen werden von ihnen oft als menschliche Schutzschilde missbraucht. Die Radikalislamisten hätten 2477 getötete oder verletzte Zivilisten zu verantworten. Bei Einsätzen der ausländischen und einheimischen Sicherheitskräfte wurden 386 Menschen getötet oder verwundet, etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Damit sind die Extremisten für 76 Prozent der getöteten und verletzten Zivilisten verantwortlich, erklärt die Uno. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 53 Prozent. "Wenn sie die Zukunft Afghanistans mitgestalten wollen, können sie dabei nicht über die Leichen so vieler Zivilisten gehen", sagte Mistura.

Schärfere Richtlinien für die US- und Nato-Truppen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch begrüßte jüngst, dass die US- und Nato-Truppen in ihren Einsatzrichtlinien einiges verändert haben, um zivile Opfer zu vermeiden. So gebe es etwa schärfere Richtlinien für nächtliche Razzien, außerdem solle es eine transparente und sofortige Untersuchung geben, wenn bei Militäraktionen möglicherweise Zivilisten ums Leben gekommen seien.

Doch das ist nicht immer der Fall, bemängeln die Menschenrechtsaktivisten. Sie führen etwa einen Vorfall in der östlichen Provinz Nangarhar an, wo im Mai 2010 neun Zivilisten bei einer nächtlichen Razzia von US-Truppen getötet wurden. Die USA hätten den Vorfall bis heute nicht untersucht und wiesen die Vorwürfe von Angehörigen und afghanischen Regierungsvertretern zurück.

Schon seit Monaten bemühen sich die internationalen Truppen, weniger Zivilisten zu treffen. US-General David Petraeus hatte erst vor wenigen Tagen die Soldaten angewiesen, sich stärker zu bemühen, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

Doch am Freitag vergangener Woche starben erneut Unbeteiligte bei einer Operation der internationalen Truppen. Taliban-Anführer jagen, so lautete wohl der Befehl der Isaf-Soldaten. Im Osten Afghanistans suchten sie nach den Radikalislamisten, sie wurden beschossen, sie schossen zurück. Doch als das Gefecht vorbei war, erkannten die internationalen Truppen: Sie hatten auch Zivilisten getötet, wieder einmal. "Mindestens vier, möglicherweise aber auch mehr als zwölf" Unbeteiligte seien ums Leben gekommen.

kgp/dpa/AFP/apn

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Bevölkerung: 31,412 Mio.

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