Von Matthias Gebauer und Shoib Najafizada, Kabul
Kabul - Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen militanten Aufständischen und den durch die US-Armee und deren Special Forces kräftig aufgestockten internationalen Truppen am Bundeswehrstandort im nordafghanischen Kunduz nehmen an Intensität zu. In der Nacht zum Sonntag kam es erneut zu einem tödlichen Luftschlag, bei dem nach Angaben des Militärbündnisses mindestens zwei Taliban getötet wurden.
Begonnen hatten die neuen Kämpfe mit einem Angriff der Militanten auf eine Polizeiwache von Aliabad, einem als Taliban-Hort bekannten Distrikt in der Provinz Kunduz. Nach Angaben der afghanischen Polizei dauerten die Kämpfe rund um die Station mehr als anderthalb Stunden, ein afghanischer Polizist kam dabei ums Leben. Demnach hätte eine Gruppe Taliban die Wache mit zwei Selbstmordattentätern und weiteren Bewaffneten angegriffen.
Bei den Gefechten kamen nach Angaben des Chefs der Wache rund acht Taliban-Kämpfer ums Leben, mehrere andere wurden verletzt. Als die lokale Polizei schließlich Verstärkung bei der Nato anforderte und US-Kampfjets über der Polizeiwache auftauchten, flohen die Angreifer mit mehreren Jeeps.
Kurz darauf nahmen die Kampfjets die Jeeps ins Visier und feuerten eine Rakete auf eins der Fahrzeuge ab. Nach Angaben der Nato wurden dabei zwei Taliban getötet und mehrere weitere Kämpfer verletzt. Im Anschluss habe eine Einheit von internationalen und afghanischen Soldaten mehrere verletzte Kämpfer in einem Krankenhaus festgenommen.
In der Mitteilung des Hauptquartiers der Truppen in Kabul wurde der Einsatz als Erfolg im Kampf gegen den Terror bezeichnet, zivile Opfer wurden ausgeschlossen. "Wir werden den Aufständischen ihre ruchlosen Aktivitäten nicht durchgehen lassen", sagte der US-Offizier Rafael Torres, "sie behindern den Weg zum Frieden in Afghanistan, deshalb werden die Koalitionstruppen und Afghanen sie weiter jagen."
Die Definition Koalitionstruppen deutet an, dass US-Einheiten, die nicht unter dem Mandat der Schutztruppe Isaf agieren, an der Operation beteiligt waren. Der Polizeichef der betroffenen Region bestätigte, dass Spezialtruppen der US-Armee an den Kämpfen beteiligt gewesen seien. Die Sondereinheiten sind teilweise im deutschen Camp in Masar-i-Sharif stationiert und operieren mittlerweile regelmäßig in dem von der Bundeswehr kontrollierten Gebiet. Deutsche Kräfte sind selten involviert und waren auch an dem Vorfall nicht beteiligt.
Der Vorfall illustriert erneut die brenzlige Lage um den Bundeswehrstandort in Kunduz. Vor allem aber machen die Operationen der US-Armee deutlich, dass Kunduz mittlerweile einer der Schwerpunkte im Kampf gegen die Taliban geworden ist. Fast jede Nacht operieren meist von Spezialtruppen geführte Einheiten rund um Kunduz, nehmen Taliban fest oder schalten sie mit gezielten Schlägen aus.
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