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16.08.2010
 

Kampf gegen Taliban

Petraeus stellt schnellen Abzug aus Afghanistan in Frage

Ist das der Rückzug vom Abzug? David Petraeus, Afghanistan-Kommandeur der Nato, hat den Zeitpunkt für den Beginn des US-Truppenabzugs vom Hindukusch relativiert. Er betrachte den von Präsident Obama genannten Termin 2011 nicht als zwingend, erklärte er jetzt.

Washington - Es war das erste Interview von David Petraeus seit er den Posten in Afghanistan angetreten hat - und er nutzte es für einen Paukenschlag: Der neue Afghanistan-Kommandeur der Nato sieht kein schnelles Ende für den Einsatz am Hindukusch. In einem Interview mit dem TV-Sender NBC relativierte er den Zeitpunkt für den Beginn des US-Truppenabzugs aus dem Land. Der von US-Präsident Barack Obama für Juli 2011 angekündigte Beginn des Rückzugs sei ein "Prozess und kein Ereignis" und zudem "an bestimmte Bedingungen gebunden", sagte Petraeus in dem am Sonntag ausgestrahlten Interview. Er betrachte dieses Datum daher nicht als zwingend. Vielmehr habe Obama diesen Zeitpunkt genannt, um auf die Dringlichkeit der Probleme in dem Land hinzuweisen, sagte Petraeus mit Blick auf die Macht der radikalislamischen Taliban.

Er habe mit Obama eine "gute Diskussion" über das Thema gehabt, sagte der Kommandeur. Der Präsident habe ihm verdeutlicht, dass er von Petraeus die "besten militärischen Ratschläge" erwarte. Petraeus hatte vor einem Monat die Nachfolge für Stanley McChrystal angetreten, den Obama wegen abfälliger Äußerungen entlassen hatte. Der Kommandeur sagte im Sender NBC zudem, auch mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai verbinde ihn eine "gute Arbeitsbeziehung".

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte der "Los Angeles Times" unterdessen, die Nato-Truppen am Hindukusch könnten "frühestens im Frühling, mit Sicherheit aber im Sommer" kommenden Jahres mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen beginnen. Diese könnten dann zunächst in "weniger gewaltsamen Gebieten" die Kontrolle übernehmen, sagte er in dem Interview, aus dem Auszüge in der Online-Ausgabe der Zeitung zu finden waren. Der Truppenabzug solle aber wie geplant im Juli 2011 beginnen.

In den truppenstellenden Ländern sinkt indes die Unterstützung der Bevölkerung für den Militäreinsatz zusehends. Neben den verlustreichen Sommermonaten für die Nato-Soldaten dürfte dies auch an der steigenden Zahl unschuldig getöteter Zivilisten liegen. Vergangene Woche hatte die Uno erklärt, dass sich die Gewalt in Afghanistan immer stärker gegen die Zivilbevölkerung richtet und im ersten Halbjahr 2010 bei Kämpfen und Anschlägen 25 Prozent mehr Zivilisten getötet wurden als im Vorjahreszeitraum. Erst am Sonntag räumte die Nato ein, dass bei Luftangriffen der Militärallianz im Süden Afghanistans am Donnerstag versehentlich fünf Zivilisten getötet wurden.

Auf Seiten der Nato starben laut der unabhängigen Website icasualties.org seit der US-geführten Invasion Ende 2001 insgesamt 2002 Nato-Soldaten, darunter allein 1226 US-Streitkräfte und 331 Soldaten des zweitgrößten Truppenstellers Großbritannien.

Der Einsatz in Afghanistan wird in den USA immer unpopulärer und erfährt derzeit so wenig Unterstützung wie nie zuvor. Mit 66 getöteten Soldaten war der Juli zudem der bislang blutigste Monat für die US-Einsatzkräfte am Hindukusch.

ler/AFP

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