ThemaIrak-KriegRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.08.2010
 

Abzug aus dem Irak

US-Truppen überlassen den Söldnern das Feld

US-Abzug: Bye-bye Irak
Fotos
AP

Die letzte Kampfbrigade hat das Land verlassen, jetzt will die US-Regierung im Irak die Zahl privater Sicherheitsleute verdoppeln. Was einheimische Kräfte nicht schaffen, sollen dann rund 7000 Söldner leisten: Diplomaten und Entwicklungshelfer beschützen - und womöglich noch weitaus mehr.

Washington - Die US-Kampftruppen sind abgezogen aus dem Irak, doch selbst im amerikanischen Außenministerium scheinen massive Zweifel daran zu bestehen, dass das Land es aus eigener Kraft schaffen kann, für Sicherheit zu sorgen. Denn die Anzahl der privaten Sicherheitsleute soll nach dem Abzug der US-Soldaten auf rund 7000 verdoppelt werden.

Hintergrund sind Sorgen um die Sicherheit der eigenen Landsleute. Außenamtssprecher Philip Crowley sagte, irakische Streitkräfte könnten die US-Soldaten nur zum Teil ersetzen. Es müsse sichergestellt sein, dass etwa "unsere Diplomaten und Entwicklungshelfer gut geschützt sind", sagte er. Es gebe noch keine "präzise" Zahl der künftig angestellten Sicherheitsleute. Die von der "New York Times" ins Spiel gebrachten 7000 seien aber "in der richtigen Größenordnung". Die Zeitung nannte das "eine kleine Armee".

Die "New York Times" hatte berichtet, die Angestellten der Sicherheitsfirmen sollten unter anderem Radaranlagen bedienen und vor feindlichen Angriffen warnen, nach am Straßenrand versteckten Sprengsätzen suchen und Überwachungsdrohnen steuern. Vor allem gehe es auch darum, fünf schwerbewachte Stützpunkte der Sicherheitskräfte zu bewachen. Zu diesen Angaben äußerte sich Crowley nicht.

Am Donnerstag hatten die US-Streitkräfte mehr als sieben Jahre nach dem Einmarsch im Irak ihre letzte Kampfbrigade aus dem Land abgezogen. Nun sind noch rund 56.000 US-Soldaten im Irak stationiert. Bis zum 1. September sollen nach Armeeangaben noch 6000 Soldaten von Kampfeinheiten das Land verlassen, die im Irak verstreut im Einsatz sind. Die verbleibenden 50.000 US-Soldaten sollen beim Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte helfen und US-Einrichtungen schützen. Bis Ende 2011 sollen alle US-Soldaten das Land verlassen haben.

Söldner nach Blackwater-Skandal 2007 im Zwielicht

Die Anwesenheit von privaten Sicherheitskräften im Irak hat in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen den USA und der irakischen Regierung geführt. Höhepunkt war ein Skandal aus dem Jahr 2007, als Angestellte der US-Firma Blackwater 2007 in Bagdad das Feuer eröffnet und 17 Zivilisten getötet hatten.

Von den USA angeführte Truppen waren 2003 in den Irak einmarschiert und hatten den damaligen Diktator Saddam Hussein gestürzt. Der Krieg dauert damit länger als der Zweite Weltkrieg oder der amerikanische Bürgerkrieg. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vom Mittwoch sind bislang 4419 US-Soldaten im Irak getötet worden. Bei den Kämpfen und der nachfolgenden Gewalt zwischen verschiedenen Volksgruppen sind Schätzungen zufolge 106.000 Iraker ums Leben gekommen.

Im Vergleich zu früheren Jahren hat die Gewalt im Irak zwar deutlich abgenommen. Doch die Sicherheitslage im Land ist alles andere als stabil, immer wieder kommt es zu schweren Anschlägen. Hinzu kommt: Der Irak hat derzeit keine funktionierende Regierung. Nach den Parlamentswahlen vor fünf Monaten konnten sich der bisherige Regierungschef Nuri al-Maliki und sein Kontrahent Ijad Alawi nicht einigen.

ffr/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 47 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
22.08.2010 von Diomedes: Viel Lärm um Nichts…

An sich ist das Wort „Kampftruppen“ eine unsinnige Doppelung, da Truppen notwendigerweise zum Kämpfen da sind; zwar gibt es auch Ingenieurs-, Nachschubs- und Sanitätstruppen, die mittelbar zur Unterstützung des Kampfes dienen, [...] mehr...

21.08.2010 von erich42: Zahl der Toten

Nun, ich beobachte die Nachrichten auch - täglich. Ich hörte von Gefallenen auf beiden Seiten, ich höre von Opfern sunnitischer Terroristen, vergleiche die Irak-Intervention mit der in Vietnam (3 Mio Opfer) und frage mich, wie [...] mehr...

21.08.2010 von eknoes: Ich verstehen ihre Schlussfrage nicht !

Wie ich es meine, hab ich doch geschrieben. Dieses "sie haben keine Ahnung" weist Sie I.Ü. schonmal als schlechten Diskussionteilnehmer aus. Ich habe mir seit einiger Zeit abgewöhnt, polemisch/sarkastisch aus solche [...] mehr...

21.08.2010 von CAJ: Aha

"Erst jetzt ist ein Bürgerkrieg unvermeitlich" d.h. kurzum Sie haben keine Ahnung aber Sie wollen halt den Amerikanern eins reindrücken. Erstens zwingt die Iraker niemand sich gegenseitig abzuschlachten und zweitens [...] mehr...

20.08.2010 von eknoes: Auf ein Neues.

Hab wohl gerade ne falsche Tate gedrückt, sorry. Ist es nicht genau umgekehrt? Zu Zeiten von Saddam gab es keinen Bürgerkrieg (über Saddam müssen wir hier aber hoffentlich nicht erst dikutieren). Bevor die Amerikaner ihren [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Irak-Krieg

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Länderlexikon Irak

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 31,672 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Dschalal Talabani

Regierungschef: Nuri al-Maliki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon






TOP



TOP