• Drucken
  • Senden
  • Feedback
23.08.2010
 

Gesetzesreform

Peking will Todesstrafe für Wirtschaftsverbrechen abschaffen

Zum Tode verurteilter Chinese: Schätzungsweise 5000 Hinrichtungen im JahrZur Großansicht
AFP

Zum Tode verurteilter Chinese: Schätzungsweise 5000 Hinrichtungen im Jahr

Kein Land der Welt lässt so viele Menschen hinrichten wie die Volksrepublik China, nun wagt Peking eine zaghafte Reform. Laut einem Gesetzentwurf soll Wirtschaftsverbrechern künftig nicht mehr der Tod drohen. Auch alte Menschen sollen von der Höchststrafe ausgenommen werden.

Peking - In China werden heute mehr Menschen hingerichtet als im Rest der Welt zusammen - mehrere tausend Menschen werden jedes Jahr nach einer staatlichen Anordnung exekutiert.

Jetzt will Peking die Todesstrafe in weniger Fällen verhängen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde am Montag dem Ständigen Ausschuss des Volkskongresses in Peking zur ersten Anhörung vorgelegt. Von den gegenwärtig 68 Tatbeständen sollen 13 für nicht gewalttätige Verbrechen gestrichen werden, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Demnach soll die Todesstrafe künftig nicht mehr bei Verbrechen wie Schmuggel von Kulturgütern, von wertvollen Metallen wie Gold oder Silber oder von seltenen Tierarten angewendet werden. Ausgenommen werden laut Xinhua auch der Betrug mit Finanzabrechnungen, Kreditbriefen oder Mehrwertsteuererstattungen oder der Raub wertvoller Güter aus antiken Ruinen. Ferner soll es eine Altersgrenze geben. Täter über 75 Jahre sollen nicht mehr zum Tode verurteilt werden.

Menschenrechtsaktivisten begrüßten die geplanten Änderungen. Sie würden aber die Zahl der Hinrichtungen nicht signifikant reduzieren, erklärte Joshua Rosenzweig von der amerikanischen Dui-Hua-Stiftung. Denn bei den genannten Straftaten werde ohnehin so gut wie nie die Todesstrafe verhängt.

Die genaue Zahl der Exekutionen wird in China zwar als Staatsgeheimnis behandelt. Nach Schätzungen der Dui-Hua-Stiftung, die über gute Quellen in China verfügt, dürften es im vergangenen Jahr aber 4.000 gewesen sein. Die italienische Anti-Todesstrafe-Lobby "Hands off Cain" (HoC) ging jüngst in ihrem aktuellen Jahresbericht von 5000 Hinrichtungen in China im vergangenen Jahr aus.

Wann das neue Gesetz im Ständigen Ausschuss angenommen wird, ist offen. Im Parlament kann es bis zu drei Anhörungen geben. In China ist die Zahl der Hinrichtungen seit Anfang der 90er Jahre, als sie vermutlich sogar bei jährlich 10.000 lag, schrittweise zurückgegangen. Seit Anfang 2007 müssen alle Todesurteile auch wieder in höchster Instanz vom Obersten Gericht in Peking bestätigt werden, was zu einem weiteren Rückgang führte.

Hinrichtungen 2009: Staaten, die Bürger töten
Staat Hinrichtungen laut Amnesty Hinrichtungen laut HoC
China "tausende" 5000
Iran min. 388 402
Irak min. 120 77
Saudi-Arabien min. 69 69
USA 52 52
Jemen min. 30 30
Sudan min. 9 9
Vietnam min. 9 9
Syrien min. 8 8
Japan 7 7

anr/dpa/DAPD

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 24 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.08.2010 von passagier1: Vergleich hinkt

[QUOTE=df7si;6087927 Mit der Giftspritze hingerichtete Personen eignen sich nicht für die Organentnahme (vielleicht die Augen oder die Hörner wegen der geringen Durchblutung ausgenommen), da die Organe vergiftet sind. Wurde mir [...] mehr...

23.08.2010 von onimoschta: Absolute Zahlen in der Beziehung schwachsinn...

Wenn man selbst dazu gehört, wird das in der Regel schon seinen Grund haben. Das ist dann nunmal eine individuelle und persönliche Sache, aber vom Ganzen betrachtet kann man das sachlicher und vorallem objektiver sehen. Klar [...] mehr...

23.08.2010 von lmike: Das macht Sinn

"Täter über 75 Jahre sollen nicht mehr zum Tode verurteilt werden." Wer will denn als neuer Nutzer Geld für Ersatzteile ausgeben die schon 75 Jahre im Einsatz waren? mehr...

23.08.2010 von esopherah: ich bitte sie

Ja ich liebe diesen begriff, ich musste ihn bei vielen gelegenheiten von sog. managern hören.Dank der momentanen lage kann ich ihn nun bitterböse sarkastisch einsetzen :-) Ich würde ihnen ja spon links und ähnliches posten, [...] mehr...

23.08.2010 von nixkapital: Hm...

...ob Sie das auch so sehen, wenn Sie zu den 0,00038% gehören? Mit Statistik kann ich mir alles schön reden..., übrigens: die Sterberate beim Menschen beträgt stabil 100% seit Jahren. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Menschenrechte in China

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen


Wie Menschen hingerichtet werden

Giftspritze

AP
Bei der Hinrichtung mit einer Giftspritze werden dem Verurteilten drei Substanzen verabreicht: ein Narkosemittel, damit der Todgeweihte nichts spürt, ein Lähmungsmittel, damit sein Körper nicht zuckt, und schließlich das Salz Kaliumchlorid, damit das Herz aufhört zu schlagen. Dieses geschieht binnen zwei Minuten. Anfangs wurden die Substanzen manuell gespritzt, mittlerweile kommen Injektionsmaschinen zum Einsatz.

Bei der angeblich besonders "humanen" Hinrichtungsart können jedoch Probleme auftreten. Werden die Substanzmengen falsch berechnet oder die Mittel zu früh gemischt, verlängert sich der Sterbevorgang. Verzögert sich die Wirkung des Betäubungsmittels, ist das Opfer möglicherweise noch bei Bewusstsein, wenn die Lähmung der Lunge eintritt. Zudem kommt es vor, dass statt in eine Vene in Muskelfleisch injiziert wird - das Opfer erleidet dann starke Schmerzen.

Elektrischer Stuhl

Gaskammer

Strang

Erschießen

Enthauptung/Guillotine

Steinigung






TOP



TOP