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26.08.2010
 

Putin-Inszenierung

Walkämpfer Wladimir

Von Benjamin Bidder, Moskau

Foto: AP

Image-Pflege mit Armbrust und Schlauchboot: Weil seine PR-Berater Russlands Premier Wladimir Putin wieder als starken Mann inszenieren wollen, macht der Regierungschef im Nordmeer Jagd auf einen Grauwal. Ein durchsichtiges Manöver.

Es ist mal wieder soweit: Russlands Premierminister Wladimir Putin posiert für die Kameras der Fotografen in Russlands fernem Osten, die Armbrust im Anschlag. Von einem Schlauchboot aus in der nebelverhangenen Bucht "Olga" auf der Halbinsel Kamtschatka schoss Russlands Regierungschef auf eine Grauwal. "Drei Mal habe ich daneben geballert", berichtete Putin danach, "aber beim vierten Mal habe ich getroffen."

Die Tiere werden bis zu 15 Meter lang und 25 Tonnen schwer. Angst habe er trotzdem nicht gehabt, bekannte der Premier später vor Journalisten, nur nasse Füße. "Das war spanned", sagte Putin. "Jeder hat seinen eigenen Zeitvertreib. Man muss sich damit beschäftigen, was einem Spaß macht."

Der Meeressäuger überstand die Attacke des Premiers dennoch nahezu unversehrt: Wissenschaftler hatten die Geschosse präpariert, um Proben von Haut- und Fettgewebe des Wals zu entnehmen, ohne ihn ernsthaft zu verletzen. Mit einer Biopsie wollen die Forscher klären, woher der Grauwal stammt.

Putin, seit zwei Jahren nominell Nummer zwei in Russlands Machtgefüge hinter Präsident Dmitrij Medwedew, setzt sich mal wieder als der wahre starke Mann des Landes in Szene. Seht her, so sollen wohl die Bilder sagen, wer es mit einem Wal aufnimmt, wird auch mit anderem politischen Großwild fertig.


Vor ein paar Monaten war das noch anders. Da streichelte Putin in einem Naturpark einen kleinen Elch, gab ihm die Flasche, und das US- Magazin "Newsweek" schrieb prompt über über "The New Putin" und sein neues Image als politischer Softie.

Tatsächlich hatte Putin, sonst Freund markiger Auftritte, auch auf internationalem Parkett seinen Ton auffallend gemäßigt. Schimpfte er noch 2007 im Münchner Hotel "Bayrischer Hof" bei der Sicherheitskonferenz über Amerikas "Bestreben zu monopolarer Weltherrschaft", wirbt er inzwischen eifrig um ausländische Investoren für Russlands Modernisierung. Er ließ sich sogar noch fröhlich dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton plaudernd fotografieren, obwohl amerikanische Behörden gerade einen russischen Spionagering ausgehoben hatten. Putin ging sogar auf Polen zu, indem er den unter Stalin erschossenen polnischen Offizieren in Katyn bei Smolensk die Ehre erwies, noch bevor der tragische Absturz des polnischen Präsidenten Kaczynski beide slawischen Völker näher zusammenrücken ließ.

Nach Putins Wal-Kampf sind zwar keine neuerlichen außenpolitischen Brandreden zu erwarten. Zu sehr hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auch dem Premier Russlands Verwundbarkeit vor Augen geführt. Zudem registrieren Kreml und Weißes Haus in Moskau mit Wohlgefallen, dass "Washington, Peking und Brüssel Moskaus Vorherrschaft" im postsowjetischen Raum mehr und mehr anerkennen, so Fjodor Lukjanow, Herausgeber der Zeitschrift "Russland in der Globalen Politik". Ganz nach dem Geschmack Putins bildet sich eine neue, multipolar geprägte Weltordnung heraus. Und nach der Ukraine schwenkte mit Kirgisien jüngst ein weiterer Nachbarstaat wieder auf einen moskaufreundlichen Kurs ein.

Putins Rückgriff auf markige Posen hat vor allem innenpolitische Gründe, sagt der Politologe Alexej Muchin, Direktor des Moskauer "Instituts für politische Information". "Putins PR-Berater versuchen gerade, sein Image wieder aufzupolieren", so Muchin. Das hatte zuletzt schwer gelitten, weil Medwedew auf internationaler Bühne und mit seiner Modernisierungsagenda Punkte sammelte. Zudem litt Putins Image unter dem desaströsen Krisenmanagement während der Waldbrandkatastrophe.

Die Inszenierungen richten sich vor allem an die unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der russischen Machtelite. "Putin soll als Mann der Stärke rehabilitiert werden", glaubt Muchin, "als derjenige, der im Tandem mit Medwedew die Zügel fest in der Hand hält."

"Das sieht ein bisschen aus wie eine Wahlkampfaktion", sagt Muchin. Tatsächlich stelle sich bei der Bevölkerung aber ein gewisser Sättigungseffekt ein. "Putin hat auch früher den starken Mann rausgekehrt", erklärt Muchin. "Etwa als er sagte, man müsse ,Terroristen auf dem Scheißhaus abmurksen'. Aber das war spontan. Jetzt wirken diese Auftritte ein bisschen lächerlich."

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insgesamt 24 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.09.2010 von mnborken: ...

Nein, der Tiger wurde nur betäubt. http://www.focus.de/politik/ausland/sibirien-chamaeleon-putin-baendigt-tiger_aid_329201.html mehr...

03.09.2010 von Gattaca: ok, ok

Ich gebe ja zu, ich habe den Artikel da offensichtlich nicht ganz gelesen. Ich hatte eigentlich nur den Film gesehen. Aber der Tiger ist doch wirklich tot, oder? mehr...

28.08.2010 von Georgie Welcome: ....

kann es sein, dass der harte hase es sich zu aufgabe gemacht hat, täglich einen eckelhaften lügen-post über russland zu bringen ?! naja, wenn man sonst keine hobbies hat... ich finde es richtig, dass putin sich aktiv zeigt, ob [...] mehr...

27.08.2010 von rabenkrähe: So ist er nunmal

..... Sicher, aber so ist Putin nunmal und genauso macht er auch Politik. Immerhin hat er mal so einen kleinen Völkermord in Tschetschenien auf dem Gewissen, und die Welt schaut ungerührt zu. Wie allen seinen diktatorischen [...] mehr...

27.08.2010 von hegelotl: gerade Sie

Putin kann alles, auch das. Gerade Sie sind doch von dessen Qualitäten und Fähigkeit zu großen Taten mehr als überzeugt. mehr...

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Länderlexikon Russland

Bevölkerung: 140,367 Mio. Einwohner

Fläche: 17.098.000 km²

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt: Dmitrij Medwedew

Regierungschef: Wladimir Putin

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