Washington/Kabul - Das Verhältnis zwischen der US-Regierung und dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai gilt als kompliziert. Ein Bericht der "Washington Post" dürfte das Klima nicht gerade verbessern. Denn laut der Zeitung führt der US-Geheimdienst CIA zahlreiche Mitglieder der Regierung Karzai auf einer geheimen Gehaltsliste. Der Grund: Washington misstraut dem Präsidenten und glaubt auch nicht, dass er die Zügel in Afghanistan wirklich in der Hand hat.
Die Zahlungen würden als notwendig erachtet, weil Karzai "nicht alles erzählt" und oft auch nicht zu wissen scheine, was in seiner Regierung vorgehe, zitierte die Zeitung einen ehemaligen CIA-Mitarbeiter. Seinen Angaben zufolge fließen an eine "bedeutsame Zahl" von Regierungsbeamten in Kabul Gelder des US-Geheimdienstes.
Ziel sei es, ein dichtes Netz an Zuträgern im Präsidentenpalast zu unterhalten, berichtet die Zeitung. Einige seien CIA-Informanten, andere hätten weniger formale Verbindungen. Der Geheimdienst leiste die Zahlungen trotz Bedenken, dass dadurch Korruption gefördert und Anstrengungen durchkreuzt werden könnten, die Abhängigkeit von dunklen Finanzierungskanälen zu verringern.
Bereits am Donnerstag hatte ein Bericht der "New York Times" für Aufsehen gesorgt, wonach ein unter Korruptionsverdacht stehender Vertrauter Karzais auf der Gehaltsliste des US-Geheimdienstes steht. Der ranghohe Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats Afghanistans, Mohammed Sia Salehi, habe jahrelang Geld von der CIA erhalten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der USA und Quellen aus Afghanistan.
CIA spricht von "Bosheit"
Die "Washington Post" legte nun mit ihrem Bericht nach. Der US-Geheimdienst unterhalte seit Jahren Verbindungen zu Mitgliedern der afghanischen Regierung, berichtete die Zeitung. "Sie zahlen jeden, von dem sie denken, dass er ihnen helfen kann", wird ein US-Beamter zitiert. "Das ist die Haltung der CIA seit 2001", sagte er demnach mit Blick auf das Jahr, in dem der Afghanistan-Krieg begann.
Der Geheimdienst reagierte gereizt auf den Bericht. Die anonyme Quelle der Zeitung werde von "Ignoranz, Bosheit oder beidem getrieben", sagte CIA-Sprecher Paul Gimigliano. Der Geheimdienst spiele eine entscheidende Rolle, US-Ziele in Afghanistan voranzubringen, darunter Sicherheit und Stabilität. Spekulationen darüber, wer dabei helfe, seien "sowohl gefährlich als auch kontraproduktiv", erklärte der Sprecher.
Laut Polizei sechs Kinder bei Nato-Angriff getötet
Auch zivile Opfer bei Nato-Angriffen sorgen immer wieder für Ärger zwischen Washington und Kabul. Hier meldete die afghanische Polizei einen neuen Zwischenfall. Bei einem Luftangriff der Schutztruppe Isaf seien in der ostafghanischen Provinz Kunar sechs Kinder ums Leben gekommen, teilte Polizeichef Khalilullah Ziayee am Freitag mit. Die Kinder seien in den Bergen unterwegs gewesen, als Nato-Flugzeuge Bomben abgeworfen hätten.
Die Nato-geführten Isaf-Truppen dagegen wollten den Tod der Kinder zunächst nicht bestätigen. Sie erklärten, Aufständische hätten in Kunar einen Militärposten attackiert, woraufhin Luftunterstützung angefordert worden sei. Bei den Gefechten seien vier Angreifer getötet worden. Angaben über getötete Zivilisten würden untersucht.
Weil zivile Opfer bei Militäraktionen für Unmut bei der afghanischen Bevölkerung sorgen, beobachten auch Politiker solche Vorfälle sehr genau. Nach Angaben von Menschenrechtlern starben im ersten Halbjahr 2010 mindestens 1074 Zivilisten.
Ebenfalls am Freitag wurde der Tod von drei Isaf-Soldaten gemeldet. Sie starben bei Anschlägen im Osten und Süden Afghanistans, wie die Schutztruppe mitteilte. Laut der Zählung des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org verloren seit Jahresbeginn 465 ausländische Soldaten ihr Leben.
mmq/dpa
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Und ich dachte die ganze Zeit, dass Karzai für die Amerikaner arbeitet. So kann man sich irren. Abgesehen davon kann man von dieser Meldung nicht wirklich überrascht sein. mehr...
Es ist wahrhaft lächerlich mit anzusehen, wie die USA ihre Fehler in Vietnam wiederholt: Die Einsetzung einer ebenso korrupten wie unfähigen Marionettenregierung, die Konzentration auf sinnlose militärische Gewalt (die [...] mehr...
Kontrolle ist besser. Schliesslich muss man fuer alle Faelle gewappnet sein, sollte der demokraitsch gewahlte Praesident sich zu einem Schritt entscheiden, den die Importeure dieser Demokratie nicht fuer richtig halten. Da [...] mehr...
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