Aus Bagdad berichtet Ulrike Putz
Im Al-Faw-Palast, einem Relikt der Tyrannen-Herrschaft Saddam Husseins unweit des Bagdader Flughafens, wird General Raymond Odierno am Mittwoch das Kommando über die US-Truppen im Irak an seinen Nachfolger übergeben. Der Festakt markiert den vorletzten Schritt des US-Rückzugs aus dem Zweistromland.
Nur 50.000 der zu Hochzeiten mehr als 170.000 US-Soldaten im Irak bleiben im Land, vornehmlich, um den irakischen Sicherheitskräften als Berater und Ausbilder zur Seite zu stehen. Ende 2011 sollen auch sie in ihre Heimat zurückkehren.
Als vor gut einem Jahr die US-Kampftruppen aus den irakischen Innenstädten abzogen, wurde das euphorisch begrüßt. Am Himmel leuchteten Feuerwerke, Autokorsos hupten durch die Straßen, und Männer tanzten vor Freude. Sie feierten, dass die Besatzer endlich aus dem Blick waren, aber noch nah genug, um einzugreifen, sollte der Terror wieder Überhand gewinnen.
Für diesen Mittwoch sind in Bagdad keine Freudentänze zu erwarten, die Straßen sind in diesen Tagen wie leergefegt: Es ist nicht nur die mörderische Hitze mit bis zu 50 Grad, die die Menschen in den Häusern hält. Es ist auch die Angst, vor dem was kommt, wenn die Amerikaner gegangen sind.
Die Furcht vor einem neuen Bürgerkrieg ist bei vielen Menschen zu spüren und wird von den täglichen Meldungen im Fernsehen nur unterstrichen. Vergangene Woche starben mindestens 56 Iraker durch die Hand von Selbstmordattentätern und Heckenschützen, zwei Dutzend mal schlugen die Terroristen zu. Im August starben im Durchschnitt täglich fünf Polizisten oder Soldaten.
Eine Regierung, die ihr Wort hält gab es im Irak seit Jahrzehnten nicht
Nicht wenige Iraker sind angesichts der wieder aufflammenden Gewalt der Ansicht, dass ihre Besatzer nun doch etwas länger bleiben sollten. "Sie sollten nicht gehen, die Situation ist nicht stabil", sagt Mohammed Ali Mohammed, der im Stadtteil Neu-Bagdad in seinem Lädchen Gemüse und Konserven verkauft. Der Irak habe keine Regierung, die Politiker seien inkompetent und die Lage auf den Straßen "brutal", sagt der 55-Jährige. "Die Amerikaner gehen, aber gefragt haben sie uns nicht." Eine junge Studentin pflichtet ihm bei: "Wir hatten gehofft, dass die USA den Irakern helfen, das politische Chaos zu beenden. Stattdessen überraschen sie uns mit dem Entschluss, ihre Truppen abzuziehen", sagt die 19-jährige Seinab Ali, die im ersten Semester Islamwissenschaften eingeschrieben ist.
Das stimmt so natürlich nicht: Dass die USA ihre Truppen bis Ende 2011 abziehen würden, steht fest, seit Washington und Bagdad Ende 2008 ein entsprechendes Abkommen unterschrieben haben.
Doch viele Iraker mochten und konnten nicht glauben, dass die US-Regierung sich an ihre Abmachungen halten würde. Eine Regierung, die ihr Wort hält - so etwas hat es im Irak seit Jahrzehnten nicht gegeben.
Die Verunsicherung darüber, was nun kommen mag, sitzt so tief, dass sie sogar die ehemaligen Erzfeinde der US-Armee erfasst hat. Abu Mudschahid verlor 2004 ein Bein, als er in der Schlacht von Falludscha gegen die Invasoren kämpfte. In seinem Schädel stecken seit dem Tag, an dem ein US-Kampfflugzeug seine Stellung bombardierte, Schrapnell-Splitter. "Ja, wir haben sie bis zum letzten Atemzug bekämpft", sagt der Sunnit. "Wir haben von dem Tag geträumt, an dem sie abziehen", er stellt seine Krücken beiseite und lässt sich auf einem Plastikstuhl nieder. "Aber ein Rückzug zu diesem Zeitpunkt ist nicht im Interesse Iraks."
"Ist es verantwortlich, sich nun aus dem Staub zu machen? Nein!"
Auch auf politischer Ebene kommen jetzt Zweifel auf, ob der Irak auf sich selbst gestellt überleben kann. "In diesem Moment abzuziehen ist extrem gefährlich", sagt Schaher Ketab. Der mit der säkularen Irakija-Partei sympathisierende politische Berater kommt just aus einer weiteren seiner vielen Sitzungen mit Vizepräsident Tarik Al-Haschimi. Auf der Tagesordnung: die Regierungsbildung, die seit nunmehr fünfeinhalb Monaten keinen Schritt vorangekommen ist.
Es ist dieses politische Vakuum, das den Irakern Angst bereitet. Wo kein starker Staat regiert, herrscht Chaos, das ist die Erfahrung der vergangenen Jahre. "Die USA lassen eine gewaltige Sicherheitslücke zurück", klagt Ketab. Dass diese Lücke von seinen Klienten geschaffen wurde - den Politikern, die sich nicht auf einen Koalitionskompromiss einigen wollen - sieht er nicht.
Mahmud Othman ist ein Mann, der mit seinen Politiker-Kollegen hart ins Gericht geht. Der Parlamentsabgeordnete der Kurdischen Liste Iraks steht bei den zähen Koalitionsverhandlungen zwischen dem schiitisch geprägten Rechtsstaat-Bündnis des Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und der nationalistisch-säkularen Irakija-Liste des früheren Ministerpräsidenten Ijad Alawi. "Sie sind verantwortlich dafür, dass der Irak gelähmt ist! Sie haben ihre Wähler verraten!", wettert der Kurde in seiner schwer bewachten Villa unweit des Tigris über die großen Parteien.
Ursache für den Stillstand der Verhandlungen sieht er im Misstrauen, das den Irakern während der Diktatur eingebrannt wurde. "Kein Politiker will in die Opposition gehen." Oppositionelle landeten in der arabischen Welt traditionell im Gefängnis. "Die Angst kann man den Leuten nicht nehmen."
Doch auch Othman sucht zumindest eine Teilschuld für die Misere bei den USA. Die USA hätten einen "verantwortlichen Truppenabbau" versprochen, sagt er. "Aber ist es verantwortlich, sich nun aus dem Staub zu machen? Nein!", sagt er. "Obama handelt nach der Devise: Ich überlasse den Irak den Irakern, und die Iraker sich selbst", sagt der Kurde. Die USA hätten die lokalen Sicherheitskräfte besser ausbilden müssen. "Schließlich haben sie uns die Suppe eingebrockt. Unter Saddam gab es keine al-Qaida im Irak. Die Amerikaner müssen den Irakern nun auch beibringen, mit den von ihnen hinterlassenen Problemen fertig zu werden."
Die US-Streitkräfte sehen die plötzliche Wehmut über ihren Abzug mit Interesse. "Wir registrieren das sehr wohl", sagt Brigade-General Mark Corson auf dem Truppen-Stützpunkt Balad etwa 70 Kilometer nördlich von Bagdad. Über Balad ist in den vergangenen Monaten der Löwenanteil des Truppenabbaus abgewickelt worden. Die Logistik dafür vergleicht Corson mit "dem Umzug einer kompletten amerikanischen Stadt mit 80.000 Einwohnern".
Die Entscheidung, das Land zu verlassen, sei von der plötzlich entdeckten Zuneigung der Iraker für ihre Besatzer keinen Moment in Frage gestellt worden, sagt Corson: "Man kann es den Irakern nicht recht machen. Ist man hier, ist man der böse Besatzer, geht man, lässt man sie im Stich. Dann geht man besser irgendwann."
mit Reuters
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Und das weil Moslems der Nabel der Welt sind... Wann hört die islamische Welt endlich auf, sich als Opfer zu inszenieren und sich selbst zu bemitleiden und der USA oder Israel die Schuld für das totale wirtschaftliche, [...] mehr...
Selbstverständlich lehnen nicht wenige auch den Einsatz gegen Hitlerdeutschland ab, die einen meinen ja man hätte nur mehr mit den moderaten Nazis verhandeln müssen ..., die anderen das man erst die oppositionellen Kräfte mehr [...] mehr...
Stimmt, die blöden Burger überall, echt ekelhaft! Und Cola und Jeans, bäh... Korea: zum Glück von den Franzosen übernommen und dem kommunistischen Imperialismus einen Riegel vorgeschoben! Ägypten: wann waren die denn da?? [...] mehr...
Auch das ist Erbe der verhaßten Besatzer! Hunderttausende Tote und Elend und US-Helden! Bravo! mehr...
Wie gut, dass die USA ja niemanden einen Grund für dieses Denken geben. Korea, Ägypten, Vietnam, Laos, Kambodscha Grenada, Sudan, Libyen, Libanon, Panama, Afghanistan, Irak... Es lebe die amerikanische (Konsum-)Freiheit! mehr...
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