Kabul - Die Bilanz, die Afghanistans Präsident Hamid Karzai zieht, ist vernichtend: Bei einem Treffen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte Karzai laut einer am Sonntagabend veröffentlichten Mitteilung des Präsidialbüros, der Kampf gegen die Taliban und andere Aufständische habe außer zivilen Opfern nichts gebracht. "Die Strategie bei der Bekämpfung des Terrorismus sollte überprüft werden, weil die Erfahrung der vergangenen acht Jahre zeigt, dass der Kampf in den Dörfern Afghanistans bislang ineffektiv war - abgesehen davon, dass er zivile Opfer gefordert hat", erklärte Karzai der Pressemitteilung zufolge.
Zugleich habe der afghanische Staatschef Bundestagspräsident Lammert für die deutsche Unterstützung beim Wiederaufbau seines Landes gedankt und ihn gebeten, deutsche Unternehmen zu Investitionen in Afghanistan zu ermuntern.
Neben Lammert hatte am Wochenende auch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Afghanistan besucht. Während Guttenberg den Bundeswehrstützpunkt Masar-i-Scharif im Norden des Landes besichtigte, kam es im Osten und Süden zu schweren Gefechten. Am Montag wurde bei einem Bombenanschlag in der östlichen Provinz Nangarhar der Verwaltungschef des Bezirks Lal Pur getötet, Siad Mohammad Palawan. Ein in seinem Auto versteckter Sprengsatz explodierte, als er den Wagen auf das Gelände des Gouverneurssitzes in der Provinzhauptstadt Dschalalabad lenkte. Die Polizei vermutet, dass die Bombe nach den Plänen der Täter erst später explodieren und den Gouverneurssitz direkt treffen sollte.
Eine erneute Attacke auf die Bundeswehr in Afghanistan ereignete sich am Montag. Im Norden des Landes wurde eine deutsche Patrouille mit einem versteckten Sprengsatz angegriffen. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, wurde kein Soldat verletzt. Ein Bundeswehrfahrzeug vom Typ Dingo sei leicht beschädigt worden. Der Angriff erfolgte demnach am Morgen (03.52 Uhr MESZ) neun Kilometer nordwestlich des Regionalen Wiederaufbauteams Kunduz.
Die Soldaten, die mit afghanischen Sicherheitskräften unterwegs waren, konnten den Einsatz demnach fortsetzen. Erst am Freitag war ein Transportpanzer vom Typ Fuchs auf dem Weg vom Flughafen in Faizabad zum dortigen Regionalen Wiederaufbauteam mit einer Handfeuerwaffe beschossen und leicht beschädigt worden. Verletzte gab es keine.
anr/DAPD/AFP
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