Rom - Silvio Berlusconis Regierung hält sich mit Kritik am "Colonello", wie Muammar al-Gaddafi auch in Italien genannt wird, zurück, doch viele Politiker tobten. Denn beim vierten Besuch innerhalb eines Jahres in Rom hatte der libysche Revolutionsführer vor Hunderten Models für den Islam geworben.
"Wenn ich in Tripolis die libysche Bevölkerung dazu aufrufen würde, zum Christentum überzutreten, würde ich wahrscheinlich nicht heil nach Hause kommen", schimpfte Rocco Buttiglione von der christdemokratischen Partei UDC. Mitglieder der Opposition sprachen von einer "peinlichen Show". Die Partei Italien der Werte stellte vor der libyschen Botschaft in Rom ein "Zelt der Legalität" auf, um nach eigenen Angaben auf Verstöße gegen die Menschenrechte in dem nordafrikanischen Land aufmerksam zu machen.
"Europa sollte sich zum Islam bekehren", hatte Gaddafi vor den extra für ihn rekrutierten jungen Damen gefordert. "Der Islam ist die jüngste Religion, und wenn man nur einen Glauben haben darf, dann muss dies der Glaube an Mohammed sein", sagte Gaddafi nach Angaben einer Zuhörerin. Frauen würden "in Libyen mehr respektiert als im Westen", fügte er demnach hinzu.
Die Frauen hatten von einer Agentur 80 Euro für ihre Teilnahme an dem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer erhalten. Die Vorsitzende des Italienischen Feministischen Zentrums, Maria Pia Campanile, kritisierte diese Begegnungen scharf. Die Frauen seien "unter der Bedingung rekrutiert worden, dass sie jung und schön sind und den Mund halten", sagte Campanile. Mario Borghezio von der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord sprach von einem "gefährlichen Projekt der Islamisierung Europas".
"Kein Wirbel um Folklore"
Amnesty International forderte Berlusconi auf, bei dem Treffen mit Gaddafi die Menschenrechtsverletzungen in Libyen anzusprechen. "Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Arbeit in Libyen vollständig wieder aufnehmen", erklärte Laura Boldrini, italienische Sprecherin des Uno- Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), dessen libysche Basis Anfang Juni auf Geheiß von Tripolis geschlossen worden war.
Boldrini wies auf das Problem der Flüchtlinge hin, die weiterhin aus Nordafrika übers Meer nach Italien kämen und meist noch auf See direkt wieder abgeschoben würden, um allzu oft in Libyen zu verschwinden. Die seit Mitte 2009 von Rom praktizierte und von Tripolis geduldete Ausländerpolitik hatte bereits mehrfach international Kritik ausgelöst.
Gaddafi wollte in Rom mit seinem engen Freund Silvio Berlusconi den zweiten Jahrestag eines Freundschaftsabkommens beider Länder feiern. Geplant war der gemeinsame Besuch einer Fotoausstellung in der Libyschen Akademie sowie ein Abendessen mit laut Medienberichten 800 geladenen Gästen in der Kaserne Salvo D'Aquisto - wegen des Fastenmonats Ramadan erst nach Sonnenuntergang.
Berlusconi hielt sich mit öffentlichen Stellungnahmen zum Besuch des Revolutionsführers zurück. "Kein Wirbel um Folklore" sei die Parole, was den Gast aus Libyen angeht, zitierte die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag aus Regierungskreisen.
als/AFP/dpa
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Das Italien seit Jahren die perinlichste Politik Europas macht, ist seit langem bekannt, doch warum akzeptieren die Italiener eine solche Anbiederung an einen Bandit und Despoten (ich meine jetzt Gaddafi, nicht Berlusconi)?! [...] mehr...
Ja, ja! Genau das ist das Problem! Der Mann hat nicht bedacht, dass Jesus doch in Wirklichkeit Gott ist! Also das hätte der doch merken müssen... *an den Kopf fass* mehr...
Solange einer wie Gaddafi in Europa fuer den Uebertritt zum Islam wirbt, sehe ich kein Problem. Im Gegenteil: deutschen Konvertiten koennte es unangnehm sein und sie konvertieren lieber wieder zurueck. mehr...
Die Kapitalisten verkaufen dir den Strick, an dem sie aufgehängt werden sollen. Der Gegenwert für den Strick sind hier Gas und Öl. Dafür biedert man sich als Freunde an. Aber die neutrale Schweiz ist nicht besser. Vertiefte [...] mehr...
Witzfiguren: Gaddafi und Berlusconi. Sorgen machte mir eher derjenige, der demokratisch legitimiert ist. Das ist schon peinlich für bella italia! mehr...
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