Aus Bagdad berichtet Ulrike Putz
Die eigentliche Kommandoübergabe war in wenigen Sekunden vorbei: General Raymond Odierno bekam von einem Fahnenträger das Banner der US-Truppen im Irak in die Hände gedrückt, hielt die Standarte kurz hoch, reichte sie dann an Generalleutnant Lloyd Austin weiter.
Doch für diesen kurzen Moment waren nicht nur US-Vizepräsident Joe Biden, sondern auch US-Verteidigungsminister Robert Gates sowie Hunderte amerikanische und irakische Würdenträger in die Militärbasis in der Nähe des Bagdader Flughafens gekommen: Die Kommandoübergabe an diesem Mittwoch markiert die lang ersehnte Zeitenwende im Irak-Krieg.
Für die USA ist der knapp siebeneinhalb Jahre währende Kampfeinsatz "Operation Irakische Freiheit" Geschichte. Mit dem Oberbefehlshaber Austin beginnt nun die "Operation Neue Morgenröte". Die 50.000 im Land verbleibenden US-Soldaten werden den irakischen Sicherheitskräften noch bis Ende 2011 als Ausbilder und Berater zur Seite stehen.
"Man kommt ja nicht umhin, die Ironie zu erkennen, dass wir hier in einem der Paläste Saddam Husseins zusammen gekommen sind", sinnierte der US-Vize Biden zu Beginn seiner Rede, in der er die anhaltende Verpflichtung der USA gegenüber dem Irak betonte. Und auch ein anderes Details dürfte vielen der Anwesenden nicht entgangen sein: Der Al-Fawd Palast, in dessen mosaikverzierten Kuppelsaal man sich versammelt hatte, liegt auf einer Militärbasis, die in zuversichtlicheren Zeiten "Camp Victory" getauft wurde.
Doch von einer amerikanischen Siegesfeier hatte die Zeremonie gar nichts. George W. Bushs unglückliche "Mission vollbracht"-Rede, mit der er im Mai 2003 den Irak-Krieg zu früh für beendet erklärte, scheint amerikanische Protokollchefs ein für alle Mal von Voreiligkeit geheilt zu haben.
Die Veranstaltung zum Ende des US-Kampfeinsatzes kam denn auch betont bescheiden, fast schon sensibel daher: Aus Rücksicht auf den Fastenmonat Ramadan gab es keine Häppchen, Wasser nur auf Nachfrage. Die Redner, allen voran General Odierno, sprachen ausführlich von irakischen Opfern, irakischen Leistungen, Herausforderungen, denen sich die Iraker nun alleine stellen müssen. "Sie sind bereit, ihre Aufgabe zu erfüllen", sagte Odierno über die irakischen Sicherheitskräfte.
Die Lage ist so schlecht wie seit Jahren nicht
Der Krieg im Irak ist noch lange nicht zu Ende. Er hat sich jedoch so weit verändert, dass er nicht mehr als derselbe Waffengang wiederzuerkennen ist, dessen Beginn George W. Bush in einer Märznacht 2003 ankündigte.
Als damals die ersten US-Truppen über die kuwaitische Grenze vorrückten, war ihre größte Sorge, von einem brutalen Diktator mit chemischen Waffen angegriffen zu werden. "Viel hat sich seit jener Nacht geändert", sagte Präsident Obama in seiner Ansprache an diesem Dienstagabend (Wortlaut hier). Das stimmt: Die heutige Bedrohung ist weit primitiver. Selbstgebaute Autobomben und Sprengfallen säen Terror, dessen Ziel meistens die Iraker selber sind.
In den Städten und Dörfern des Zweistromlands ist die Lage so schlecht wie seit Jahren nicht, und das nicht nur, weil Terroristen den Truppenabbau der USA mit einer Kakophonie von Explosionen karikieren wollen.
Bagdad ist in diesen Tagen eine Stadt, die der Zukunft mit Unwohlsein entgegensieht und die Gegenwart nur mit äußerster Anspannung erträgt. Am besten sieht man das an den großen Straßenkreuzungen der Sieben-Millionen-Stadt. Irgendein Witzbold im Verkehrsministerium hat sich ein besonders originelles Design für neue schattenspendende Unterstände für Verkehrspolizisten ausgedacht: Die Rückwand ist das Relief einer Hemdbrust mit Krawatte, das Dach eine überdimensionale Polizei-Schirmmütze.
Vermutlich soll das fröhliche Äußere von der bitteren Realität ablenken. Verkehrspolizisten leben in diesen Wochen hochgefährlich. Terroristen haben sie zum jüngsten Anschlagsziel auserkoren: ein Symbol der Staatsmacht, das jedoch weit wehrloser ist als die Armee. Fünf Polizisten und Sicherheitsleute sind im Schnitt an jedem Augusttag einen gewaltsamen Tod gestorben.
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schließlich ist ja nun alles vorbei - auch wenn man was beendet hat, was schon beendet war, und damit noch nicht wirklich zu Ende ist. Es bleiben ja noch so 50.000 GI´s im Land. Wenn die angegriffen werden, muss man die schützen [...] mehr...
Auch wenn die USA aus dem Irak abzieht, die Region ist ordentlich militarisiert worden und für die nächsten Jahre Bestens bewaffnet. Die Schonzeit ist vorbei, der Bruderkampf um die Vorherrschaft beginnt. mehr...
Der "Friedensengel" jenseits des Atlantiks hat nun den Krieg endgültig für beendet erklärt.Dabei hatte bereits der Kriegspräsident Bush 2003 auf einem Flugzeugträger "mission accomplished" verkündet.Nun hätte [...] mehr...
... in den USA? Zu recht. mehr...
wie oft die USA Kriege gegen den Irak gewonnen hat? Was suchen die eigentlich da? Na gut...Öl. Das wächst sich ja allmählich zu einem Kampf von Rom gegen Karthago aus. Rumsfield als Cato: Ceterum censeo Carthaginem esse [...] mehr...
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