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02.09.2010
 

Korruption in Brasilien

Komplette Stadtspitze wandert in den Knast

Brasilianische Währung Real: Machtvakuum nach BestechungsskandalZur Großansicht
AFP

Brasilianische Währung Real: Machtvakuum nach Bestechungsskandal

Die brasilianische Stadt Dourados ist führungslos - die wichtigsten Würdenträger sind sämtlich wegen Korruption verhaftet worden. Der Bürgermeister soll seiner Frau mit Bestechungsgeldern sogar eine Brustvergrößerung finanziert haben.

Rio de Janeiro - Ari Artuzi ist in die Politik gegangen, weil er das Gefühl hatte, "etwas Größeres" tun zu wollen. Er habe sich gesagt, dass er am ehesten helfen könne, wenn er einen öffentlichen Posten bekleide, schreibt er auf seiner Web-Seite. Also bewarb er sich 2008 um das Amt des Bürgermeisters in der südwestbrasilianischen Stadt Dourados und, naja, er vollbrachte Großes. Er katapultierte seine Stadt in die Schlagzeilen, immerhin. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Chef eines Korruptionsnetzes. Außer Artuzi hat sie am Mittwoch 28 weitere Personen festgenommen.

Die 200.000 Einwohner von Dourados haben nicht nur keinen Bürgermeister mehr, auch sein Stellvertreter wurde verhaftet. Und mit ihnen die Leiter der Verwaltungsbereiche Finanzen und Bauvorhaben der Stadt, zahlreiche lokale Abgeordnete, Unternehmer und ein Krankenhausdirektor.

Ein Sprecher beklagte sich, die Stadt werde nun "im Dunkeln gelassen", es herrsche ein Machtvakuum. Auf der offiziellen Homepage der Stadt wirbt Dourados noch immer, dass "Familien stolz sind auf den Ort, an dem sie leben". Doch die Bürger dürften wenig begeistert sein von den vermeintlichen kriminellen Verstrickungen ihrer Würdenträger.

Den Beschuldigten wird Betrug und Korruption vorgeworfen. Im Internet kursieren inzwischen zahlreiche Videos, die zeigen, wie etwa Bürgermeister Artuzi und seine Ehefrau Geldscheine erhalten. In seinem Haus fand die Polizei brasilianischen Zeitungen zufolge bei der Festnahme 100.000 Real in bar, umgerechnet rund 45.000 Euro.

Seiner Gattin verhalf Artuzi nach Angaben der Ermittler zu einer Schönheitsoperation - von Bestechungsgeldern soll sie sich eine Brustvergrößerung gegönnt haben. Doch Maria Artuzi profitierte nicht nur von seinen Machenschaften, sondern war wohl auch selbst verstrickt. Sie wurde in der Hauptstadt Brasília festgenommen.

Operation Wirbelsturm

Artuzi, der auf seiner Web-Seite seine einfache Herkunft betont ("als Sohn von Landarbeitern begann er im Alter von neun Jahren, auf dem Feld zu arbeiten"), versuchte offenbar auch, seinen politischen Einfluss zu vergrößern. Die Gelder soll er genutzt haben, um andere lokale Politiker zu bestechen oder um Wahlkampagnen zu finanzieren. So schreiben es brasilianische Zeitungen, die sich auf die Ermittler berufen. Artuzi weist die Vorwürfe zurück.

Das Netz der Korruption, das sich über die ganze 200.000-Einwohner-Stadt erstreckt, wurde von dem Verwaltungschef aufgedeckt. Er nahm seit Mai Telefongespräche auf, filmte die Verdächtigen, sammelte Beweise. "Uragano" - Italienisch für Wirbelsturm - hieß die Operation, die am 1. September mit den Festnahmen endete. Es war nicht die erste aufsehenerregende Aktion der Polizei während der Amtszeit Artuzis: Bereits im vergangenen Jahr wurden mehr als 40 Personen wegen Korruption festgenommen, auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

kgp

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.09.2010 von GinaBe: Respekt vor den in Kauf genommenen Konsequenzen!

So etwas zuzugeben, bedeutet das Vorhandensein von Courage, weil die Elite, die hinter dieser Führungsspitze gestanden ist, bereit ist, die freien Stühle und Posten einzunehmen, um selbst zu profitieren oder, weil sie ein Konzept [...] mehr...

11.09.2010 von carahyba: Gesamte Regierung eines Bundesstaates verhaftet

Heute 11.10.2010 wurde die gesamte Regierung des Bundesstaates Amapá (Brasilien) wegen Korruption, Betrugs, Geldwäsche und Veruntreuung öffentlicher Gelder verhaftete. mehr...

04.09.2010 von bicyclerepairmen: ..

Ja, und so friedlich im Bett, oder ? Ganz vorsichtig.. mehr...

04.09.2010 von bicyclerepairmen: ..

Sozusagen der Idealfall von dem unsere (in D.) Politiker träumen. Da haken wir doch vor Ort mal nach ? -:) mehr...

03.09.2010 von carahyba: Leider Normalzustand

Alles kein Problem, denken Sie nur an den Gouverneur von DF (Distrito-Federal, Brasilia), der bei der Entgegennahme von Schmiergeldern gefilmt wurde. Der läuft frei herum und wird wohl kaum eingebuchtet, obwohl die Beweislage [...] mehr...

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