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02.09.2010
 

Wahlkampf in Österreich

FPÖ schockiert mit Anti-Muslim-Spiel

Steirischer FPÖ-Chef Kurzmann: "Die Leute verstehen die Signale"Zur Großansicht
AP

Steirischer FPÖ-Chef Kurzmann: "Die Leute verstehen die Signale"

Aufruhr in Österreich: In einem makaberen Online-Computerspiel sollen Bürger gegen Muezzine und Moscheen vorgehen. Die Idee der rechtspopulistischen FPÖ erregt Empörung, dem Landesparteichef in der Steiermark drohen strafrechtliche Folgen - doch er freut sich über die Schlagzeilen.

Hamburg - Die österreichische FPÖ provoziert vor der Landtagswahl in der Steiermark mit einem Anti-Muslim-Spiel. Ziel ist es, den Bau von Moscheen zu stoppen und Muezzine auf Minaretten wegzuklicken. Das Spiel mit dem Titel "Moschee ba ba" (etwa: "Tschüs Moschee") könnte nun Konsequenzen für den steirischen FPÖ-Spitzenkandidaten Gerhard Kurzmann haben - die Staatsanwaltschaft Graz teilte am Donnerstag mit, sie werde die Aufhebung der Immunität des Landesparteichefs beantragen.

Die Grünen hatten die steirische FPÖ wegen Verhetzung angezeigt, nachdem das Spiel am Montag auf der Web-Seite der Partei online gegangen war. Offenbar wollen die Ermittler auch direkt gegen das Spiel einschreiten: Per Mediengesetz solle das Abschalten erreicht werden, berichtete die Zeitung "Standard" in ihrer Online-Ausgabe.

Als Mitglied des österreichischen Parlaments ist Kurzmann bisher vor Strafverfolgung geschützt. Der FPÖ-Politiker gab sich trotz der Empörung quer durch alle Parteien und von Muslimen unbeeindruckt. Er stehe zu der Entscheidung, das Anti-Minarett-Spiel auf die Homepage der FPÖ Steiermark zu stellen, sagte er. Es werde "selbstverständlich" auch weiterhin dort bleiben.

Nicht einmal parteiinterne Kritik konnte Kurzmann zum Einlenken bringen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache - der selbst schon mit verbalen Ausfällen für Aufsehen sorgte - hatte erklärt, er selbst hätte das Spiel nicht angeraten. "Das ist Geschmackssache", konterte der steirische FPÖ-Chef Kurzmann. Er übernehme die Verantwortung.

"Geschmacklos und unfassbar"

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, hatte das Spiel als "geschmacklos und unfassbar" kritisiert. Es funktioniert ähnlich wie die bekannte Computerjagd auf Moorhühner: Zwischen Alpenkulisse und österreichischen Prachtbauten schießen am Bildschirm Minarette hervor, von denen Muezzine winken. Wenn die Spieler die Moscheen oder Muezzine anklicken, verschwinden sie. Zwar wird in dem Spiel nicht geschossen wie im Moorhuhn-Spiel; man navigiert mit einem "Stopp"-Kreis statt einem Visier über den Bildschirm - aber für die Kritiker geht es hier trotzdem um "Menschenballerer", wie es Grünen-Landtagsspitzenkandidat Werner Kogler ausdrückt. Diese Leute hätten "nichts in der Landesregierung verloren". Die FPÖ gehöre überhaupt nicht in den Landtag, sagte Claudia Klimt-Weithaler, Spitzenkandidatin der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ): "Was würden die steirischen Freiheitlichen sagen, wenn in einem Spiel auf Kirchen und Priester geschossen wird?"

Von der konservativen Volkspartei (ÖVP) über die Sozialdemokraten (SPÖ) und die Grünen bis hin zur KPÖ herrscht Entsetzen. Die FPÖ habe sich für den steirischen Wahlkampf "Fremdenfeindlichkeit und rassistische Hetze auf die Fahnen geheftet", hieß es bei der SPÖ. Nicht mal das rechtslastige Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), das einst vom Rechtspopulisten Jörg Haider als Abspaltung der FPÖ gegründet worden war, konnte sich für das Anti-Muslim-Spiel erwärmen. "Es ist schlichtweg kindisch und entwertet jegliche politisch harte Auseinandersetzung über die Gefahren des Islamismus, wenn man ein ernstes Thema auf so eine vollkommen dumme Art und Weise herunterblödelt", kritisierte BZÖ-Landeschef Gerald Grosz.

Die FPÖ nutzt das Spiel als Plattform für ihre Wahlwerbung. "Game over", heißt es am Ende, wenn der Punktestand erscheint. "Die Steiermark ist voller Minarette und Moscheen! Damit das nicht geschieht: Am 26. September Dr. Gerhard Kurzmann und die FPÖ wählen!"

Am Mittwochabend verzeichnete die Internetseite mit dem Computerspiel laut Zählanzeige mehr als 90.000 Besucher, am Donnerstag waren es bereits mehr als 150.000. Die FPÖ zeigte sich dementsprechend zufrieden über die Aufregung um das Spiel. Das Ziel sei erreicht, erklärte Kurzmann. "Die Leute verstehen die Signale", man habe erfolgreich eine Diskussion zum Thema Islam und Heimat angestoßen.

Das Spiel ist ein Recyclingprodukt. Schon 2009 hatte die schweizerische Kampagne für ein Minarettverbot mit dem gleichen Instrument geworben. Vor einigen Jahren waren solche Formen der Pixel-Propaganda zeitweilig regelrecht en vogue.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von einem "Ballerspiel" die Rede. Tatsächlich wird auf Moscheen und Muezzine aber nicht geschossen. SPIEGEL ONLINE hat den Text präzisiert und bittet um Entschuldigung.

mmq/AFP

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03.09.2010 von Neurovore: ...

Nun hat Frau Foroutan ja schon bewußt bei der türkischen Abiturientenquote gelogen; insofern sollte man ihre Äußerungen erstmal getrost ignorieren... mehr...

03.09.2010 von Gertrud Stamm-Holz: so so

Vornehmlich der FPÖ, aha. Und die anderen? Wo bitte wollen Sie braunes Gedankengut finden? Dummes Geplapper jederzeit von rechter Seite, sicher. Aber ausgerechnet braunes Gedankengut? Möchten Sie nicht aufklären? mehr...

03.09.2010 von ralfwk: ...

Tja...nur ist Herr Sarazin nun nicht länger im Vorstand der Bundesbank. In Österreich würde er für solche Äusserungen womöglich noch befördert werden. mehr...

03.09.2010 von Walther Kempinski: FPö und Sarrazin

Frau Foroutan bei Illner (über Sarrazin bei einem Empfang): "Sarrazins Rassismus hat sich im Laufe des Abends weiterreproduziert.Er saß nicht schüchtern da,sondern hat zu uns Dinge gesagt wie:"Es liegt nicht im Wesen [...] mehr...

03.09.2010 von ralfwk: Leider nicht untypisch

Vergangenheitsbewältigung hat in Österreich bekanntermassen so gut wie nicht stattgefunden. Stattdessen hat man sich gerne in der Opferrolle gesehen und sich so von der Mitschuld am 3. Reich und am Holocaust reingewaschen. Wozu [...] mehr...

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