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03.09.2010
 

Kunduz-Jahrestag

Gefangen im Grauen der Nacht

Von Matthias Gebauer

Foto: SPIEGEL ONLINE

Diese Bombennacht hat die Bundesrepublik verändert. Vor einem Jahr gab Oberst Georg Klein den Befehl, zwei Tanklaster nahe Kunduz zu zerstören. Eine fatale Fehlentscheidung. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie es Opfern und Hinterbliebenen geht - und wie den verantwortlichen Politikern und Militärs.

Berlin - Es ist 1.49 Uhr Ortszeit am Morgen des 4. September 2009, als zwei F-15-Kampfjets zwei 500-Pfund-Bomben ausklinken. Wenige Minuten zuvor hat der deutsche Oberst Georg Klein im Feldlager im nordafghanischen Kunduz per Funk einen folgenschweren Befehl gegeben. Zwei von den Taliban entführte Tanklaster und die Menschen um sie herum sollen vernichtet werden.

Augenblicke später explodieren die lasergelenkten Raketen. Der Feuerball über der Sandbank im Kunduz-Fluss ist kilometerweit zu sehen.

Mission ausgeführt.

Was sich an diesem Septembermorgen vor fast genau einem Jahr ereignet hat, hat die Bundesrepublik Deutschland verändert. Seinerzeit war das Wort "Krieg" im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz noch ein politisches Tabu. Obwohl die Bundeswehr da schon acht Jahre im Land war. Nun aber hatte zum ersten Mal ein deutscher Oberst einen so massiven Angriff auf die Taliban befohlen. Ausgeführt wurde er ausgerechnet von US-Kampfjets, deren Bombardements deutsche Politiker stets als die falsche Strategie für Afghanistan bezeichnet haben.

Oberst Klein hat damals einen verheerenden Fehler begangen. Aber erst der politische Umgang damit brachte die Affäre Kunduz in Gang. Tagelang leugneten Bundeswehr und Bundesregierung die hohe Zahl getöteter Zivilisten, allen voran der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Während die Nato sich schon entschuldigte, sprach Jung ein quälendes Wochenende lang weiter von "einem erfolgreichen Einsatz der Bundeswehr gegen die Taliban". Nach der Bundestagswahl wechselte er ins Arbeitsministerium - und musste dann wegen der Affäre trotzdem zurücktreten.


Es war ein Jahr der unangenehmen Wahrheiten, vor allem für die Bundeswehr. Ein Untersuchungsausschuss wurde einberufen, Zeugen wurden befragt, geheime Akten gesichtet. Details sind zu Tage gekommen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen waren. Über das geheim agierende Kommando Spezialkräfte (KSK) zum Beispiel oder über die Fahndungslisten der Nato in Afghanistan. Allerdings vernahm der Ausschuss fast alle interessanten Zeugen hinter verschlossenen Türen, auch Oberst Klein und den KSK-Kommandeur. Die Arbeit ist nicht zu Ende: Mehr als 40 Zeugen stehen noch auf der Liste des Ausschusses, darunter der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Beide werden noch einmal darüber Auskunft geben müssen, warum sie tagelang zu dem Angriff geschwiegen haben, obwohl Behörden und Geheimdienste ihnen sehr konkrete Hinweise auf die große Zahl von zivilen Toten lieferten. Das wird wohl vor allem für die Kanzlerin heikel.

Was aber ist aus den Akteuren der Kunduz-Affäre geworden? Wie geht es Oberst Klein heute, was berichten die Opfer des Bombardements? SPIEGEL ONLINE hat die Geschichten der Protagonisten rekonstruiert und analysiert die Folgen eines deutschen Verbrechens, das so schnell nicht vergessen sein wird:

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Die neuesten Beiträge:
04.09.2010 von giovanniconte: ...ist das denn ein Pfadfindercamp?

...ja sind die denn zum Murmelspiel an den Hindukusch gefahren? Das G36 ist sowas wie der lokale Baseballschläger? Alle tun so verwundert, oh, entschuldigen Sie, alle Politiker tun so verwundert, wenn es in einem Krieg auch [...] mehr...

04.09.2010 von Hans58: Kein Titel

Wenn ihm das zum Zeitpunkt der Anforderung der Luftunterstützung bekannt gewesen wäre, hätte die Bundesanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet, nicht aber eingestellt. In Mazar-i-Sharif haben nicht die Alliierten ein [...] mehr...

04.09.2010 von stanis laus: Es gibt keine Kriegsverbrechen der Westallierten

"Nun aber hatte zum ersten Mal ein deutscher Oberst einen so massiven Angriff auf die Taliban befohlen." Das ist eine eindeutige Falschinformation. Es mag sein, dass die Entführer der LKW´s den Freiheitskämpfern für [...] mehr...

04.09.2010 von amarildo: Meinung

Als ehemaliger Deutscher kann ich nur sagen ihr habt nichts von den vergangenen Kriegen gelernt. Habt ihr von Kriegen immer noch nicht die Nase voll?? mehr...

04.09.2010 von caphiro: Ehrlichkeit

Fakten: - Afghanistan ist ein Kriegsgebiet - der Gegner ist zumindest namentlich bekannt - DASS Afghanistan ein Kriegsgebiet ist, ist auch den Afghanen bekannt - WER mit welchen Möglichkeiten kämpft ebenso. Ich frage mich [...] mehr...

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Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion des Taliban-Überfalls und des Nato-Luftangriffs bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Tod im Flussbett: Grafische Rekonstruktion des Taliban-Überfalls und des Nato-Luftangriffs bei Kunduz (Angaben in Ortszeit)

Was nach dem Luftangriff geschah

4. September 2009

AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigt den Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster. Den Angriff, bei dem auch Zivilisten sterben, hat der deutsche Oberst Georg Klein angefordert. Die Taliban hätten gedroht, "auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr" zu verüben, erklärt Jung. "Deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben." An den folgenden Tagen bezeichnet Jung den Luftangriff wiederholt als "geboten".

Mehr über die Kunduz-Affäre auf der Themenseite...

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Länderlexikon Afghanistan

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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