Ein V-Mann des österreichischen Verfassungsschutzes war offenbar in den Mord verwickelt, den Diktator Ramsan Kadyrow an einem Exil-Tschetschenen in Wien in Auftrag gegeben haben soll. Dies geht aus Dokumenten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.
Der anerkannte Asylbewerber Umar Israilow war am 13. Januar 2009 in Wien auf offener Straße erschossen worden. Er hatte Kadyrow Folter vorgeworfen. Laut Ermittlungsunterlagen war ein Informant des Wiener Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, der Tschetschene Kosum J., an der Tatplanung beteiligt.
Unmittelbar nach dem Mord hatte J. mit seinem Kontaktmann beim Dienst telefoniert. Wenige Tage später setzte er sich mit Wissen des Verfassungsschutzes nach Tschetschenien ab und hatte auf der Flucht mehrfach Kontakt zum Verfassungsschutz. Die Ermittler stufen Kosum J. als "Fluchthelfer" und "Bestimmungstäter" ein, gegen seinen Bruder wurde jetzt Anklage wegen unmittelbarer Tatbeteiligung erhoben.
In den Ermittlungsunterlagen heißt es wörtlich: Es sei klar erkennbar, "dass Kosum J. sehr wohl in Kenntnis davon gewesen sein muss, dass die Tätergruppe ein Verbrechen geplant hat ..." Die Staatsanwaltschaft Wien hat vor wenigen Tagen Anklage gegen drei mutmaßliche Täter erhoben. Gegen Kadyrow selbst wird noch ermittelt.
hut
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Ramsan Kadyrow | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH