Tokio - Seit April war Kosuke Tsuneoka in der Hand von Geiselnehmern in Afghanistan. Doch die angeblichen Taliban waren gar keine, erklärte er nun kurz nach seiner Rückkehr in die Freiheit. Er sei vielmehr von korrupten afghanischen Soldaten festgehalten worden, erklärte er. Seine Entführer hätten sich lediglich als Taliban ausgegeben und Lösegeld erpresst, teilte Kosuke am Montag über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter mit.
Der 41-Jährige war im Norden Afghanistans verschleppt und fünf Monate lang festgehalten worden. Er habe Angst gehabt, dass die Entführer ihn töten würden, weil er ihre wahre Identität kannte, berichtete der Journalist, der auch schon in anderen Krisengebieten wie dem Irak, Tschetschenien, Georgien oder Äthiopien unterwegs war.
Japanischen Medien zufolge wurde über ein Lösegeld von mehreren hunderttausend Dollar verhandelt. Ein Regierungssprecher sagte jedoch am Montag, weder die Regierung noch die Familie des Verschleppten hätten Lösegeld gezahlt. Seit dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan 2001 wurden immer wieder Ausländer von Kriminellen oder radikalislamischen Taliban entführt - darunter auch ausländische Journalisten.
TV-Journalist getötet
Mit einheimischen Journalisten machen die Gangster kurzen Prozess - wie bei dem prominenten afghanischen TV-Journalisten, der vor seinem Haus in Kabul erstochen wurde. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurde Sajed Hamid Noori am Sonntagabend tot aufgefunden. Er sei zuvor in seiner Wohnung von jemandem angerufen worden, der ihn gebeten habe, nach unten zu kommen. Seine Leiche sei später nahe des Hauses gefunden worden. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Nach Angaben des Zentrums zur Unterstützung von Journalisten wurde der 45-Jährige erstochen und dann enthauptet.
Noori, der für den staatlichen Sender RTA arbeitete, war auch stellvertretender Vorsitzender des nationalen afghanischen Journalistenverbandes. Zudem engagierte er sich in der Opposition gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.
ler/AFP
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