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09.09.2010
 

Geplante Koran-Verbrennungen

Pakistan will Interpol einschalten

Von Hasnain Kazim, Islamabad

Foto: REUTERS

Pakistan fürchtet eine Eskalation der Gewalt: Spitzenpolitiker des Landes verlangen einen Stopp der geplanten Koran-Verbrennungen in Florida - und wenden sich deswegen an Interpol. Auch US-Präsident Obama zeigt sich tief besorgt.

Washington/Multan - Barack Obama appelliert mit deutlichen Worten an Pastor Terry Jones die für kommenden Samstag geplanten Verbrennungen von Koran-Ausgaben zu stoppen. "Ich hoffe, er versteht, dass das, was er machen will, unseren Werten als Amerikaner völlig widerspricht", sagte der US-Präsident in einem Interview mit dem Sender ABC.

"Dieses Land ist aufgebaut worden auf den Gedanken der Freiheit und der religiösen Toleranz", erklärte Obama. Er wolle Jones auch darauf hinweisen, dass diese Aktion "unsere jungen Männer und Frauen in Uniform in große Gefahr bringt." Das sei eine riesige Werbeaktion für die Terrororganisation al-Qaida. In Ländern wie Pakistan und Afghanistan könne es zu größeren Gewalttaten kommen.

Jones und seine kleine Glaubensgemeinschaft mit etwa 50 Mitgliedern wollen am Jahrestag der Anschläge des 11. September mehrere Koran-Ausgaben verbrennen. Das erklärte Ziel sei es, den Islam als eine "gewaltsame und repressive Religion" zu entlarven, hat die Gruppe aus Florida erklärt.

In vielen Staaten in Asien und auf der arabischen Halbinsel weiteten sich die Proteste von Muslimen gegen das Vorhaben aus. In der zentralpakistanischen Großstadt Multan marschierten rund 200 Anwälte und Aktivisten durch die Innenstadt und demonstrierten gegen die islamfeindliche Aktion. "Wenn der Koran verbrannt wird, ist das der Anfang vom Ende der USA" stand auf einem Plakat. Manche Demonstranten riefen "Nieder mit Amerika!", andere verbrannten die US-Flagge.

"Gefahr für den Weltfrieden"

Auch Pakistans Präsident Asif Ali Zardari verurteilte die Pläne der amerikanischen Fundamentalisten. "Eine solche Aktion würde massive Reaktionen aus der islamischen Welt zur Folge haben", warnte er. Innenminister Rehman Malik erklärte, die "feindseligen Aktivitäten" nützten niemandem. Er schrieb nach Angaben seines Ministeriums einen Brief an Interpol, in dem er erläuterte, dass die Schändung des Heiligen Buches "unter keinen Umständen toleriert" werde.


Malik forderte Interpol auf, Druck auf die USA auszuüben, damit die Koran-Verbrennungen verhindert werden. Die internationale Kriminalpolizei sei der richtige Ansprechpartner, da die geplante Aktion von Priester Jones ein internationales Verbrechen sei, das den Weltfrieden bedrohe. Malik erklärte, ihm sei unverständlich, weshalb die Gefühle von Millionen von Muslimen bösartig verletzt werden sollten.

Auch Außenminister Shah Mehmood Qureshi verurteilte die beabsichtigen Koran-Verbrennungen. Der pakistanische Botschafter in Washington, Hussain Haqqani, warnte vor "unabsehbaren Folgen", sollte die Aktion nicht abgesagt werden. Haqqani forderte die US-Bürger auf, sie sollten ihren hohen Idealen gemäß auf solche Feindseligkeiten verzichten. Wer gegen religiösen Extremismus und gegen Intoleranz in der islamischen Welt sei, sollte auch gegen solche "sinnlosen Gesten" sein.

Mehrere Vorbeter in Moscheen erklärten, die Koran-Verbrennungen zum Thema ihrer Freitagspredigten zu machen. Andere sagten dagegen, an diesem Wochenende sei das Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan, und sie wollten nicht noch Öl ins Feuer gießen und bewusst auf das Thema bei den Predigten verzichten. Gewalttätige Ausschreitungen blieben vorerst aus. Die Polizei richtete sich jedoch auf Proteste in den Städten ein. Auch die US-Botschaft in Islamabad verstärkte ihre Sicherheitsbereitschaft.

Proteste in Afghanistan

In Afghanistan kam es ebenfalls zu einer Demonstration, hier gab es gewaltsame Zwischenfälle. Der Sprecher der Regierung der Provinz Kapisa, Abdul Halim Ayar, sagte, in der Provinzhauptstadt Mahmud-e-Raki hätten am Donnerstag mehrere tausend Menschen protestiert. Ein Polizist sei verletzt worden, als Demonstranten Steine geworfen hätten. Auch ein US-Militärkonvoi sei mit Steinen beworfen worden. Die Soldaten hätten zur Abschreckung in die Luft geschossen.

Sicherheitskreisen erklärten, bei den Zusammenstößen seien neben dem Polizisten auch drei Demonstranten verletzt worden. Eine Gruppe habe außerdem das Büro einer ausländischen Hilfsorganisation geplündert und dabei einen Helfer verletzt. Die Sicherheitskreise sprachen - anders als Ayar und Augenzeugen - lediglich von einigen Dutzend Demonstranten.

Nach Angaben von Augenzeugen skandierten aufgebrachte Afghanen Parolen wie "Tod der US-Kirche". Ein Teilnehmer namens Sohor Kohistani sagte, Ziel der Demonstration sei die US-Basis Bagram gewesen. Die Polizei habe den Protestzug aber gestoppt. Daraufhin hätten junge Demonstranten begonnen, Steine zu werfen.

Indien verurteilt geplante Zeremonie

Auch Indien verurteilte am Donnerstag die in Florida geplante Zeremonie und forderte die US-Behörden auf zu handeln. Innenminister Palaniappan Chidambaram verlangte außerdem von den indischen Medien "größte Zurückhaltung" in der Berichterstattung über dieses Thema. Vor allem soll so vermieden werden, dass Bilder der Koran-Verbrennungen in die Öffentlichkeit gelangen. "Die US-Regierung hat die Äußerungen des Pastors streng verurteilt, religiöse Führer in aller Welt haben die geplante Aktion verurteilt, und auch wir verurteilen sie", sagte Chidambaram. Er hoffe, die USA würden handeln, um die Aktion zu verhindern.

Die Regierung des Golfemirats Bahrain sprach von einer "schändlichen Tat, die mit den Prinzipien von Toleranz und Koexistenz unvereinbar ist". In Bahrain ist die 5. US-Flotte stationiert. Der indonesische Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono wandte sich in einem Brief an Obama und rief ihn auf, die Verbrennungen zu verhindern.

Am Donnerstag warnte auch ein US-Bischof in Paris vor schwerwiegenden Folgen für die in muslimischen Staaten lebenden christlichen Minderheiten. Diese könnten sich Racheakten ausgesetzt sehen, erklärte der Anglikaner Pierre Whalon. "Wenn Kirchen oder Bibeln verbrannt werden, wenn Christen angegriffen oder ermordet werden, wird nicht nur unsere Gemeinschaft, sondern auch die ganze Welt diejenigen zur Verantwortung ziehen, die das Feuer gelegt haben."

mit Material von apn, dpa und AFP

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Die neuesten Beiträge:
11.09.2010 von Schleswig: xxx

Ich möchte mit den Worten des Foristen Schwarzwälder antworten.#230 Es ist ja auch nicht nur eine Seite. Und Elvis, selig, hätte bestimmt seine große Freude an diesen gehabt. mehr...

11.09.2010 von Sophie Amrain: Sollen sie halt deeskalieren.

Tja, sie hätten ja nur mitteilen müssen, dass Verbrennung eines Korans die angemessene Methode zur Entsorgung vergammelter Exemplare ist: http://www.cabinetmagazine.org/issues/13/cook.php For us, the interesting thing about [...] mehr...

10.09.2010 von freiheitimherzen: vernünftige Beiträge

Hi Doc, 'mal kurz zurück zu den Fakten: - Ein christlicher Fundi kündigt an(!) Bücher zu verbrennen und umgehend gibt es in der muslimischen Welt Aufschreie, Demos mit Verletzten, ohne Tote und US-Flaggen werden(!) [...] mehr...

10.09.2010 von Schwarzwälder: Buch

Hallo Bernd, ich habe nichts mit der Seite an sich zu tun, aber ich habe Mohammeds Biographie selber gelesen (die gleiche, auf die auf derprophet.info verwiesen wird), und was auf dieser Webseite steht ist absolut korrekt und [...] mehr...

10.09.2010 von ingrid wild: Hab geschaut

Der Arbeitskreis für Religion und Menschenrechte. Mehr habe ich auch nicht gefunden. mehr...

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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.

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