ThemaKoranRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.09.2010
 

Geplante Koran-Verbrennungen

Zündelpastor Jones deutet Einlenken an

Fundamentalisten-Pastor Jones mit Werbung für "Burn a Koran Day": "Definitiv überdenken"Zur Großansicht
AFP

Fundamentalisten-Pastor Jones mit Werbung für "Burn a Koran Day": "Definitiv überdenken"

Sagt US-Pastor Jones die Koran-Verbrennungen doch noch ab? Falls ihn das Weiße Haus direkt darum bitte, werde er den Plan überdenken, sagte er. Weltweit hatten Muslime die Aktion kritisiert, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Einen ungewöhnlichen Protest startete eine islamische Gruppe in den USA.

Washington - Möglicherweise kommt es doch nicht zu den geplanten Koran-Verbrennungen in Gainesville im US-Bundesstaat Florida: Terry Jones, Pastor der Fundamentalistengemeinde und Ideengeber der heftig umstrittenen Aktion, hat Bereitschaft zum Einlenken signalisiert.

In einem Interview mit der Zeitung "USA Today" stellte er Bedingungen für einen Rückzug: Falls ihn das Weiße Haus direkt bitte, die Aktion abzublasen, wolle er den Plan "definitiv überdenken", sagte Jones. Er hatte zuvor angekündigt, vor seinem Gemeindezentrum, dem Dove World Outreach Center, am Samstag, dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, mehrere Ausgaben des Korans verbrennen zu wollen.

Bislang sei die US-Regierung aber nicht mit ihm in Kontakt getreten, sagte Jones. Einen Anruf der Regierung werde er "nicht ignorieren".

Direkt angerufen hat US-Präsident Barack Obama den Geistlichen aus Florida zwar nicht, direkt angesprochen aber schon. Er möge bitte auf den "zerstörerischen Akt" verzichten, sagte Obama in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Die Verbrennungsaktion könne "schwerwiegende Gewalt" gegen amerikanische Soldaten in Pakistan und Afghanistan auslösen, sagte Obama. Das Ganze wäre ein regelrechter "Rekrutierungsschlager für al-Qaida" und würde der Terrororganisation neue Mitglieder in die Arme treiben.

Außer Obama hatten sich auch Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates öffentlich gegen die geplanten Koran-Verbrennungen ausgesprochen und Sorgen angesichts der erwarteten Reaktionen in muslimischen Staaten geäußert. Das US-Außenministerium wies seine Botschaften im Ausland nach Informationen vom Donnerstag an, die möglichen Folgen der Koran-Verbrennungen in ihren jeweiligen Gastländern zu erörtern.

Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hatte ebenfalls die Befürchtung geäußert, dass das Ansehen der USA durch die Verbrennungen ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folterfotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghuraib im Irak.

Proteste in islamischen Staaten

Asiatische Länder erhöhten am Donnerstag den Druck auf die US-Regierung: Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief Obama dazu auf, die Aktion zu unterbinden. Obama solle sicherstellen, "dass dieser abscheuliche Akt nicht durchgeführt wird", zitierte der US-Sender CNN einen indonesischen Präsidentensprecher.

Auch Indien forderte Washington auf, den Pastor zu stoppen. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik will, dass die internationale Polizeiorganisation Interpol einschreitet und die "verabscheuungswürdige Tat" verhindert. In Pakistan und Afghanistan gab es Demonstrationen gegen die geplanten Verbrennungen.

Den Behörden in den USA sind wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung die Hände gebunden. Dieses Recht nimmt eine zentrale Stellung im Selbstverständnis der USA als freiheitlicher Rechtsstaat ein.

Eine Gruppe muslimischer Bürgerrechtler in den USA will Jones und seinen Gefolgsleuten nun mit einer eigenen Aktion entgegentreten. Der Council on American-Islamic Relations (CAIR, zu Deutsch etwa: Rat amerikanisch-islamischer Beziehungen) plant laut CNN, am Freitag die Initiative "Learn, Don't Burn" (Lernen statt Verbrennen) zu starten. CAIR setzt sich unter anderem für den Schutz der Grundrechte von Muslimen in den USA und Kanada ein.

Dabei werden für die angeblich 200 Exemplare, die die Fundamentalisten verbrennen wollen, 200.000 neue Ausgaben des Korans verteilt. "Diese Bildungsinitiative richtet sich an diejenigen, die auf der Suche sind nach einer konstruktiven Antwort auf die unamerikanischen Machenschaften dieser Glaubensgemeinschaft", sagte ein Sprecher der Gruppe. Jones und seine Leute repräsentierten "ganz offensichtlich weder unsere Gesellschaft noch ihre Werte".

ffr/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 177 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.09.2010 von bluetrane: Jubelnde Massen?

Hm, so viele haben das auch wieder nicht gefeiert. Ich selbst kann mich auch noch relativ gut daran erinnern, dass die Anschläge auch von Regierungen verdammt wurden, denen daran gelegen sein könnte, den USA zu schaden. Einen [...] mehr...

12.09.2010 von bluetrane: Umkehrschluss

Warum sollte das ein hier lebender türkischer Muslim erklären? Wem überhaupt? Wozu? Weiß er überhaupt, dass das geschieht und interessiert es ihn überhaupt? Ich muss doch auch niemandem die Kreuzzüge erklären können, nur weil [...] mehr...

11.09.2010 von bluetrane: Religionsfreiheit abschaffen - lupenrein demokratisch

Das ist doch eine absurde Idee, solange es ein Recht auf Religionsfreiheit gibt. Eine bestimmte Religion zu verbieten bzw. die Religionsfreiheit einzuschränken würde das Selbstverständnis westlicher Demokratien ad absurdum [...] mehr...

11.09.2010 von joe sixpack: keiner auf die Idee kommen, eine öffentliche Bibelverbrennung mit Stolz anzukuendigen

Dafuer sind die Mohammedaner immer sehr schnell bei der Sache wenn es um das Verbrennen von Fahnen und Puppen geht. Und ich werde auch nie die jubelnden Massen in den muslimischen Laender vergessen, die am 9-11-01 in den [...] mehr...

11.09.2010 von achim56bay: Durchgeknallte Wichtigtuer

Ob man jetzt den Koran öffentlich verbrennen will oder beleidigende Mohammad-Karikaturen herstellt und verbreitet (und für diesen angeblichen Mut auch noch von der deutschen Bundeskanzlerin ausgezeichnet wird): Beides ist [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Koran

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der Koran

Heilige Schrift der Muslime

Getty Images
Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.

Suren

Fünf Pfeiler des Islam






TOP



TOP