Kabul - Die zunehmende Gewalt in Afghanistan gefährdet nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die Gültigkeit des Ergebnisses der in eineinhalb Wochen geplanten Parlamentswahl. In einem am Donnerstag in Kabul vorgestellten Bericht heißt es, Kandidaten und ihre Mitarbeiter würden eingeschüchtert und drohten von den radikalislamischen Taliban oder Konkurrenten ermordet oder entführt zu werden. Weibliche Kandidatinnen seien davon besonders betroffen. "Die Angriffe der Taliban und der große Mangel an Vertrauen in die Fähigkeit der afghanischen Regierung, die Sicherheit bei den Wahlen zu garantieren, stellen die Gültigkeit des Urnengangs in Frage."
Bei den Wahlen am 18. September treten rund 2500 Kandidaten an, um einen der 249 Sitze des afghanischen Unterhauses zu erringen. Bislang wurden mindestens drei Kandidaten ermordet, andere wurden angegriffen und entführt. Auch zahlreiche Wahlkampfhelfer wurden attackiert. Die Taliban sehen die Wahl als Instrument der Einflussnahme des Westens auf das Land. Weil die Behörden in weiten Teilen des Landes die Sicherheit nicht garantieren können, werden Hunderte Wahlbüros geschlossen bleiben. "Die Gewalt der Aufständischen, insbesondere gegen weibliche Kandidatinnen, war unvermeidbar", heißt es in dem HRW-Bericht. "Die schwache Antwort der Regierung war es nicht."
Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar veröffentlichte eine neue Botschaft, in der er eine baldige Niederlage der internationalen Truppen in Afghanistan ankündigt. "Der Sieg unserer islamischen Nation über die ungläubigen Eindringlinge steht unmittelbar bevor", hieß es in der Erklärung, die mehreren internationalen Medien per E-Mail zugeschickt wurde. "Die treibende Kraft ist unser Glaube in die Hilfe von Allah und unsere Einheit." Selbst diejenigen Experten, die die Strategie zum Afghanistaneinsatz entworfen hätten, würden nun einsehen, dass alle Strategien "komplett" gescheitert seien.
Insgesamt sind in Afghanistan rund 150.000 US- und Nato-Soldaten im Einsatz, um die Taliban zu bekämpfen. In den vergangenen Tagen haben mehrere westliche Politiker, Experten und Forschungseinrichtungen gefordert, die Ziele des Einsatzes in Afghanistan zurückzuschrauben, insbesondere beim Kampf gegen die Taliban.
ffr/AFP
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