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09.09.2010
 

Florida

US-Pastor sagt Koran-Verbrennung ab

Fundamentalisten-Pastor Jones: "Wir fühlten, dass das ein Zeichen ist"Zur Großansicht
AFP

Fundamentalisten-Pastor Jones: "Wir fühlten, dass das ein Zeichen ist"

Terry Jones lenkt ein: Nach weltweiten Protesten verzichtet der Pastor einer Gruppe fundamentalistischer US-Christen darauf, am 11. September Koran-Exemplare zu verbrennen. Zuvor hatte er Besuch vom FBI bekommen.

Washington - Die internationalen Proteste waren gewaltig, nun hat der umstrittene US-Pastor Terry Jones die für Samstag geplante Koran-Verbrennung abgesagt. Der Geistliche begründete die Entscheidung am Donnerstag damit, dass das geplante und umstrittene Islamzentrum in New York angeblich nicht so nahe an dem zerstörten World Trade Center errichtet werden solle - eine Behauptung, für die es bislang keinerlei offizielle Grundlage gibt.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hieß es im Umfeld des New Yorker Imams, es habe keine solche Vereinbarung und auch keine Gespräche mit dem Pastor gegeben. Allerdings habe Imam Feisal Abdul Rauf seine Bereitschaft signalisiert, über eine Verlegung der geplanten Moschee zu diskutieren. Jones sagte, er werde am Samstag nach New York fliegen, um mit dem Imam zu sprechen.

"Wir fühlten, dass das ein Zeichen ist, das Gott von uns wollte. Das amerikanische Volk will keine Moschee dort, und natürlich wollen die Muslime nicht, dass wir den Koran verbrennen", sagte Jones vor seiner Kirche in Gainesville im US-Bundesstaat Florida.

Die kleine fundamentalistische Christengruppe Dove World Outreach Center mit etwa 30 Mitgliedern hatte die Koran-Verbrennung für den Jahrestag der Anschläge vom 11. September angekündigt. Damit wollte die Gruppe den Islam nach eigenen Angaben als eine "gewaltsame und repressive Religion" entlarven. Experten hatten gewalttätige Proteste von radikalen Muslimen befürchtet.

Anruf aus dem Pentagon

US-Verteidigungsminister Robert Gates warnte die Gruppe vor möglichen Folgen des Vorhabens für Soldaten. Gates habe vor der Bekanntgabe des Verzichts telefonisch mit Jones gesprochen, sagte ein Sprecher des Pentagons in Washington. Es sei ein "sehr kurzes Telefonat" gewesen. Gates habe dabei "seiner starken Besorgnis" Ausdruck verliehen, dass das Vorhaben US-Soldaten "in Lebensgefahr bringen" könne - insbesondere im Irak oder in Afghanistan. Er habe Jones deshalb gebeten, auf die Verbrennung zu verzichten.

Vor der öffentlichen Bekanntgabe seines Einlenkens bekam Jones am Donnerstag Besuch von Agenten der US-Bundespolizei FBI. Die Beamten kamen zu einem etwa halbstündigen Gespräch mit dem Pfarrer in Gainesville zusammen. Jones hatte kürzlich erklärt, er habe seit der Ankündigung seiner Verbrennungsaktion im Juli bereits zwei Mal Besuch von FBI-Agenten bekommen, zuletzt vor etwa zwei Wochen.

In einem Interview mit der Zeitung "USA Today" hatte Jones zuvor Bedingungen für einen Rückzug gestellt: Falls ihn das Weiße Haus direkt bitte, die Aktion abzublasen, wolle er den Plan "definitiv überdenken", sagte Jones. Direkt angerufen hatte US-Präsident Barack Obama den Geistlichen aus Florida zwar nicht, direkt angesprochen aber schon. Er möge bitte auf den "zerstörerischen Akt" verzichten, sagte Obama in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Die Verbrennungsaktion könne "schwerwiegende Gewalt" gegen amerikanische Soldaten in Pakistan und Afghanistan auslösen, sagte Obama. Das Ganze wäre ein regelrechter "Rekrutierungsschlager für al-Qaida" und würde der Terrororganisation neue Mitglieder in die Arme treiben.

Proteste in islamischen Staaten

Außer Obama hatten sich auch Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates öffentlich gegen die geplanten Koran-Verbrennungen ausgesprochen und Sorgen angesichts der erwarteten Reaktionen in muslimischen Staaten geäußert. Das US-Außenministerium wies seine Botschaften im Ausland nach Informationen vom Donnerstag an, die möglichen Folgen der Koran-Verbrennungen in ihren jeweiligen Gastländern zu erörtern.

Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hatte ebenfalls die Befürchtung geäußert, dass das Ansehen der USA durch die Verbrennungen ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folterfotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghuraib im Irak.

Asiatische Länder erhöhten am Donnerstag den Druck auf die US-Regierung: Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief Obama dazu auf, die Aktion zu unterbinden. Obama solle sicherstellen, "dass dieser abscheuliche Akt nicht durchgeführt wird", zitierte der US-Sender CNN einen indonesischen Präsidentensprecher.

Auch Indien forderte Washington auf, den Pastor zu stoppen. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik wollte, dass die internationale Polizeiorganisation Interpol einschreitet und die "verabscheuungswürdige Tat" verhindert. In Pakistan und Afghanistan gab es Demonstrationen gegen die geplanten Verbrennungen.

Den Behörden in den USA waren wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung die Hände gebunden. Dieses Recht nimmt eine zentrale Stellung im Selbstverständnis der USA als freiheitlicher Rechtsstaat ein.

wit/dpa/AFP/Reuters/AP

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insgesamt 81 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.09.2010 von oheiber: Ist der Kolonialismus schon vorbei?

Ich fürchte, dass der Kolonialismus leider auch zukünftig bei den Problemen dieser Länder eine große Rolle spielen wird. Hallo liebe Mitleser. Die Grenzen der allermeisten Länder im mittleren Osten wurden nun mal von den [...] mehr...

10.09.2010 von gunman: Oh ja!

Oh ja! In den USA ist es wohl ähnlich. Dort hat man versucht, die Koranverbrennung mit Blick auf die Umwelt zu untersagen, namentlich, bei der Verbrennung des oder der Bücher könnte die dort zum Druck verwendete Druckerschwärze [...] mehr...

10.09.2010 von juerv1: .

Gibt's ein Gesetz dagegen? Wenn Bücherverbrennung nicht zur Meinungsfreiheit zählt, dann müsste diese Ausnahme schon gesetzlich geregelt sein. Aber vielleicht beziehen Sie sich auf ja den berüchtigten [...] mehr...

10.09.2010 von gunman: Bücherverbrennungen sind grundsätzlich erlaubt ...

Man kann in Deutschland tatsächlich im Prinzip so viele Bücher verbrennen, wie man möchte. Alles was man einhalten muß, sind irgendwelche Umweltbestimmungen. Falls also jemand Lust auf Bücherverbrennungen hat, dann wählt er am [...] mehr...

10.09.2010 von juerv1: .

Mag sein, dass diese Diktaturen bei den Menschen dort sehr unbeliebt sind. Es ist aber auffällig, dass es in keinem muslimisch geprägten Land echte demokratische Strukturen gibt. Und da Religion und Politik in all diesen Ländern [...] mehr...

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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.

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