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10.09.2010
 

Geplante Koran-Verbrennung

Pastor Jones verwirrt mit Schlingerkurs

Der radikale US-Pastor Jones hält die Welt in Atem. Erst kassierte er seinen Plan für eine Koran-Verbrennung - jetzt denkt er doch wieder ans Zündeln. Begründung: Die angebliche Offerte an ihn, wonach die in New York nahe Ground Zero geplante Moschee verlegt werden soll, entpuppte sich als falsch.

Gainesville - Die geplante Koran-Verbrennung in Florida entwickelt sich zur Posse. Im Mittelpunkt: Der radikale US-Pastor Terry Jones. Kurz nach seiner öffentlichkeitswirksamen Absage der weltweit kritisierten Aktion kündigte er nun eine mögliche Kehrtwende an. "Wir sagen die Veranstaltung nicht ab, aber wir setzen sie aus", sagte Jones dem Fernsehsender NBC. Zuvor hatte er noch bekräftigt, das Vorhaben definitiv nicht umzusetzen.

Den Rückzug vom Rückzug begründete Jones damit, dass sich angebliche Voraussetzungen für die Absage der Bücherverbrennung wieder geändert hätten. Sie beruhte nach seinen Angaben auf einer Vereinbarung mit der muslimischen Gemeinde in New York, wonach der umstrittene Bau einer Moschee in der Nähe vom Ground Zero an anderer Stelle verwirklicht werden soll. Dieser von Jones proklamierte Kompromiss wurde jedoch unmittelbar nach der Verkündung von allen Seiten dementiert.

Der für den Moscheebau in New York zuständige Imam Feisal Abdul Rauf hatte die Aussagen des Pastors deutlich zurückgewiesen. "Ich bin sehr überrascht über ihre Ankündigung", teilte er in einer Erklärung mit. "Wir werden nicht mit unserer noch mit irgendeiner anderen Religion spielen. Noch werden wir einen Tauschhandel treiben."

Auch die Entwickler des muslimischen Kulturzentrums Park51 bezeichneten die Ankündigung als haltlos. "Es ist unwahr, dass Park51 woanders gebaut wird. Das Projekt wird wie geplant fortgeführt", sagte Sharif El-Gamal, der Planer des Komplexes.

Geplatzter Kompromiss

Jones hatte zuvor in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz gesagt, sich in einem Gespräch mit dem Präsidenten der islamischen Gesellschaft von Zentral-Florida, Imam Muhammad Musri, über die Verlegung der geplanten Moschee verständigt zu haben. Dieser habe in Kontakt mit dem Imam der betreffenden New Yorker Gemeinde gestanden. Musri, der die Angaben bei der Pressekonferenz zunächst bestätigte, ruderte später zurück und dementierte, mit Rauf gesprochen zu haben. Unterdessen erklärte Musri der Nachrichtenagentur AP, Jones habe ihm gegenüber gesagt, er sei von seinem Vorhaben abgerückt, weil er das Leben amerikanischer Soldaten nicht gefährden wolle - und nicht, weil es ein Zugeständnis zu der geplanten Moschee in New York gegeben habe.

Jetzt rückt Jones seinerseits von dem angeblichen Kompromiss ab. "Nach dem, was wir hören, sind wir gezwungen, unsere Entscheidung zu überdenken", sagte der Pastor dem Sender NBC weiter. Da sich die vermeintliche Einigung scheinbar nicht verwirklichen lasse, sei nun alles wieder auf Anfang.

Jones und seine evangelikale Gruppe Christian Dove World Outreach Center hatten angekündigt, am Samstag zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September vor ihrem Gemeindehaus in Gainesville rund 200 Ausgaben des Koran zu verbrennen. Das Vorhaben hatte weltweit Empörung ausgelöst - und die US-Regierung alarmiert.

Das US-Außenministerium versetzte mehrere US-Botschaften aus Furcht vor Protesten von Muslimen in Alarmbereitschaft. Interpol warnte vor Terroranschlägen weltweit. Viele islamische Länder riefen Washington auf, den Pastor und seine Handvoll Anhänger zu stoppen.

Den Behörden in den USA waren jedoch wegen des in der Verfassung verankerten Rechts auf freie Meinungsäußerung praktisch die Hände gebunden. Jones hatte mehrfach erklärt, ein Einlenken komme für ihn nur in Frage, wenn Gott ihm ein Signal sende. Er werde seinen Plan aber auch überdenken, wenn das Weiße Haus Kontakt zu ihm aufnehmen würde, hatte er in den vergangenen Tagen gesagt.

Bauunternehmer Trump macht Muslimen ein Angebot

Auch Präsident Barack Obama hatte sich zuletzt eingeschaltet. Er appellierte an Jones, auf den "zerstörerischen Akt" zu verzichten. Später war es zu einer persönlichen Kontaktaufnahme der Regierung mit dem Pastor gekommen. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte Jones angerufen, um ihn von der Aktion abzuhalten, weil sie Leben vieler amerikanischer Soldaten im Ausland gefährden würde. Auch die US-Bundespolizei FBI hat den evangelikalen Pastor aufgesucht und eine Unterredung mit ihm geführt.

Unterdessen hat der New Yorker Bauunternehmer Donald Trump der muslimischen Gemeinde im Streit um ihre geplante Moschee in der Nähe von Ground Zero Medienberichten zufolge ein Kaufangebot unterbreitet. Er wolle den Muslimen 25 Prozent mehr für das Grundstück zahlen, als sie selbst ausgegeben haben, berichtete der Rundfunksender WNYC am Donnerstagabend.

Dafür müssten sie aber zusagen, ihr kulturelles Zentrum mit der Moschee wenigstens fünf Häuserblocks von Ground Zero entfernt zu errichten. Laut WNYC richtete Trump das Angebot schriftlich an einen Finanzier des 100-Millionen-Dollar-Bauprojekts.

anr/dpa/AFP/DAPD

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insgesamt 263 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.09.2010 von juerv1: .

Dass der Koran einem solchen legalen Konstrukt zumindest sehr nahe kommt, sehen wir Ungläubigen also falsch? Weiter unten schreiben Sie, dass Sunniten und Schiiten aller Schattierungen sich beim Koran fast 100 % einig sind. [...] mehr...

12.09.2010 von marifu: Religiös "neutraler" Ort .....

"Religiös neutrale Orte".... so so. Als nächstes wollen Sie mir sicher noch weismachen, dass getragene Kreuze "neutral" wären, aber kleine Käppis von Muslimen "religiös". Und von bayrischen [...] mehr...

11.09.2010 von marifu: ++

Ja, war mir schon klar. Ich gehöre - al Hamdulillah - nicht zu den ägyptischen Analphabeten. Es sind inzwischen glücklicherweise nur noch 30% nicht 50. Ich freue mich aber, dass auch Sie nicht zu den 4-6 mio. erwachsenen [...] mehr...

11.09.2010 von zch: historischer Kontext

Der Unterschied: Sie betrachten den "koranischen Gesamtkontext", um die angeblich "richtige" Interpretation bestimmter uneindeutiger Suren zu finden, während ich einfach den geschichtlichen Kontext [...] mehr...

11.09.2010 von zch: Kopftuch an Schulen

Ja natürlich... ..nur lässt sich das eben nicht damit vereinbaren... ---Zitatende--- Klar lässt es sich vereinbaren. Schulen sind eben kein "öffentlicher Raum", in dem jeder nach Lust und Laune machen kann [...] mehr...

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Heilige Schrift der Muslime

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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.

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