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10.09.2010
 

Tochter von Fundamentalisten-Pastor Jones

"Papa, lass das sein!"

Pastor Terry Jones: "Er kommt mir fremd vor", sagt seine Tochter über ihnZur Großansicht
AP

Pastor Terry Jones: "Er kommt mir fremd vor", sagt seine Tochter über ihn

Noch ist nicht klar, ob der US-Fundamentalist Terry Jones seinen Plan, am Samstag Korane zu verbrennen, wirklich umsetzt. Seine Tochter Emma bittet ihn, die Provokation sein zu lassen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE zeichnet die 30-Jährige das Bild eines Mannes, der dem Wahn verfallen ist.

SPIEGEL ONLINE: Frau Jones, Ihr Vater will in seiner Gemeinde in Florida am Samstag Hunderte Koran-Exemplare verbrennen. Was halten Sie davon?

Jones: Ich bin schockiert und verurteile das. Wenn ich höre, was er derzeit in Interviews erzählt und als seine Motivation beschreibt, dann kommt er mir fremd vor.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ihn gebeten, von seinem Plan abzulassen?

Jones: Ja. Ich habe ihm eine E-Mail geschickt. Ich habe geschrieben: Papa, lass das sein! Eigentlich habe ich, seit er 2008 Köln verlassen hat, keinen Kontakt mehr zu ihm. Aber weil ich sein Vorhaben so schlimm finde, habe ich ihn aufgefordert, die Konsequenzen zu bedenken - nicht nur für ihn, sondern für die ganze Welt.

SPIEGEL ONLINE: Hat er Ihnen geantwortet?

Jones: Nein. Aber damit habe ich auch nicht gerechnet.

SPIEGEL ONLINE: Was glauben Sie, warum Ihr Vater dem Islam so feindlich gesonnen ist?

Jones: Das ist relativ neu. Er hat jahrelang in Köln eine Gemeinde geleitet, die zunächst einfach bibelorientiert war, aber später ins Sektenhafte abgeglitten ist. Und kurz bevor er diese Gemeinde 2008 verließ, um in die USA zurückzugehen, fing er damit an: Der Islam nimmt überhand. Das dürfen wir nicht zulassen. Aufgewachsen bin ich mit dieser Radikalität aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie denn aufgewachsen?

Jones: Wir wurden sehr christlich und sehr streng erzogen. Aber auch sehr sozial. Wir hatten Menschen aus allen Kontinenten zu Besuch und für alle ein offenes Ohr.

SPIEGEL ONLINE: Ehemalige Gemeindemitglieder berichten von seelischer Grausamkeit, Arbeitszwang, finanziellen Unregelmäßigkeiten und Aufforderungen, die eigenen Kinder zu prügeln.

Jones: Meine Mutter, Lisa Jones, starb 1996 an einem Herzinfarkt. Mein Vater heiratete kurz danach erneut, und ich verließ die Gemeinde als 17-Jährige. 2005 bot er mir dann einen Job als Buchhalterin der Tochterfirma der Gemeinde an, die über Ebay gespendete Möbel verkaufte. Da bekam ich wieder einen Einblick. Und ich stellte fest, dass mein Vater Dinge predigte und tat, die ich gar nicht biblisch fand. Er verlangte völligen Gehorsam für sich und seine zweite Frau, Sylvia. Beide sind extrem machtbesessen. Das war richtiger religiöser Wahn, den ich da sah. Typische Anzeichen für eine Sekte. Die beiden wollten alles bestimmen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie damals die Konfrontation mit Ihrem Vater gesucht?

Jones: Ja. Das, was ich als Ausbeutung und seelischen Missbrauch empfand, ging mir gegen den Strich. Also sprach ich das immer wieder an. Zuletzt zitierte er mich in sein Büro und sagte, er habe ein Wort von Gott für mich empfangen: Gott werde mir meine Kinder nehmen und mich dann töten. Da bin ich aufgestanden und gegangen. Danach habe ich Mitglieder kontaktiert und versucht, ihnen die Augen zu öffnen, was auch gelang.

SPIEGEL ONLINE: Es stimmt also, dass die Gemeinde Ihren Vater selbst abgeschüttelt hat?

Jones: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Verließ er Köln freiwillig?

Jones: Es war eine Mischung. Wir haben ihn zur Rede gestellt und verlangt, dass er seine Fehler korrigiert. Aber darauf ist er nicht eingegangen. Als wir ihn auf die Finanzen ansprachen, verschwand er einen Tag später.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch mit der übriggebliebenen Gemeinde zu tun?

Jones: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Mit Blick auf die geplante Koran-Verbrennung: Trauen Sie Ihrem Vater zu, dass er Ernst macht?

Jones: Ich traue es ihm zu. Mein Vater ist keiner, der aufgibt. Als Tochter sehe ich zwar auch den gutmütigen Kern in seinem Inneren. Aber ich glaube, dass er Hilfe braucht.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihr Vater größenwahnsinnig?

Jones: Ich fürchte, ja. Es ist schlimm für mich, das als Tochter zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Offenbar halten sich bei Ihrem Vater in Gainesville einige deutsche Anhänger auf. Hat er damals Gemeindemitglieder mitgenommen?

Jones: Ja. Ein paar Überzeugte gingen damals mit ihm.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vater hat zuletzt angedeutet, er könne sich einen Rückzug vorstellen, wenn das Weiße Haus ihn persönlich anruft.

Jones: Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ich glaube, er ist verrückt geworden. Aber ich gehe davon aus, dass er seinen Plan für richtig und gut hält.

SPIEGEL ONLINE: Er hat auch angedeutet, die endgültige Entscheidung werde Gott ihm mitteilen. Sieht er sich als jemand, der in direktem Kontakt zu Gott steht?

Jones: Ja. Er hat sich stets mit Moses verglichen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie wüssten, dass Ihr Vater dieses Interview liest, was würden Sie ihm sagen?

Jones: Dass er Hilfe braucht. Dass er auf dem falschen Weg ist. Aber dass es Menschen gibt, die ihn trotzdem lieben. Ich wünsche mir wirklich, dass er zur Vernunft kommt.

Das Interview führte Yassin Musharbash

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Heilige Schrift der Muslime

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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.

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