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10.09.2010
 

Afghanistan-Einsatz

Pentagon stoppt Buch von Ex-Geheimdienstler

US-Soldaten in Afghanistan: Geheimdienst stoppt umstrittenes BuchZur Großansicht
AFP

US-Soldaten in Afghanistan: Geheimdienst stoppt umstrittenes Buch

Tausende Exemplare waren bereits gedruckt - dann intervenierte das Pentagon: Das US-Verteidigungsministerium will alle Exemplare der Afghanistan-Memoiren eines Ex-Geheimdienstlers aufkaufen und zerstören. Der Anwalt des Autors wittert eine Racheaktion.

New York/Berlin - Das US-Verteidigungsministerium hat die Auslieferung der Afghanistan-Memoiren eines ehemaligen Geheimdienstoffiziers gestoppt, weil in dem Buch angeblich vertrauliche Informationen preisgegeben werden. Es geht um 9000 Exemplare des Buches "Operation Dark Heart" von Autor Anthony A. Shaffer.

Shaffer war als ziviler Mitarbeiter des militärischen US-Geheimdienstes DIA im Jahr 2003 für fünf Monate nahe Kabul stationiert. Sein Buch über den Einsatz sollte eigentlich am 31. August erscheinen. Nun aber bleibt die komplette erste Auflage unter Verschluss.

Dass sich ehemalige Regierungs- oder Geheimdienstmitarbeiter mit ihren früheren Arbeitgebern darüber streiten, welche und wie viel Informationen sie nach ihrer Dienstzeit veröffentlichen dürfen, ist zwar nicht ungewöhnlich. Laut "New York Times" ist "Operation Dark Heart" allerdings der erste Fall, bei dem ein bereits gedrucktes solches Buch wieder eingestampft werden soll.

Eigentlich, so berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Anwalt des Autors, war bereits alles klar: Die Armee hatte frühzeitig ein Manuskript des Buches geprüft, einige Stellen beanstandet und eine überarbeitete Version schließlich zum Druck freigegeben. Als dann aber die Prüfer vom Militärgeheimdienst den Text sahen und anderen Diensten vorlegten, identifizierten sie noch einmal mehr als 200 Passagen, die angeblich vertrauliches Material enthielten.

Die Veröffentlichung könne "die nationale Sicherheit gefährden", hieß es laut "New York Times" in einer Stellungnahme der DIA. Unter den beanstandeten Stellen seien Namen von Geheimdienstmitarbeitern, die mit Shaffer im Einsatz waren, und seine Berichte über geheime Operationen, schreibt die Zeitung.

Autor im Clinch mit dem Ex-Arbeitgeber

Das Problem war nur: Zum Zeitpunkt, als die DIA und das Penatgon ihre Einwände anmeldeten, liefen nicht nur schon die Druckerpressen. Einige Dutzend Rezensionsexemplare waren bereits verschickt, auch tauchten Bücher bei Online-Händlern auf. Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, verhandelt das Verteidigungsministerium daher mit dem Verlag, ob und zu welchem Preis es die erste Auflage aufkaufen kann, um sie dann zu zerstören. In der Zwischenzeit arbeiten der Autor, sein Anwalt, der Verlag und das Verteidigungsministerium an einer überarbeiteten Version mit geschwärzten Passagen, die am 24. September erscheinen soll.

Shaffers Anwalt Mark Zaid wittert hinter dem Vorgehen des Verteidigungsministeriums eine Racheaktion gegen den ehemaligen Mitarbeiter. Denn das Verhältnis zwischen Shaffer und seinem ehemaligen Arbeitgeber war schon zu Dienstzeiten nicht das beste. Laut Zaid geriet Shaffer mit der DIA erstmals aneinander, als er 2003 behauptete, bei einem seiner Einsätze den 9/11-Terroristen Mohammed Atta frühzeitig als Bedrohung identifiziert zu haben. Später habe sich die Beziehung wegen anderer Vorfälle weiter verschlechtert, bis Shaffer nach Angaben seines Anwalts entlassen wurde.

"Tony Shaffer war der DIA über Jahre ein Dorn im Auge. Alles, was er sagte oder tat, störte die DIA", sagte Zaid der Nachrichtenagentur AP. Dass die Zustimmung zu Shaffers Buch in der letzten Minute zurückgezogen wurde, findet Zaid jedenfalls verdächtig, zumal der Dienst seit Monaten von dem Erscheinungsdatum wusste. Er vermute daher eine Racheaktion hinter der Intervention.

Ein Sprecher des Pentagon dagegen behauptet, Shaffer habe sich nicht an die vorgegebenen Prüfungsprozesse gehalten, bevor das Buch in Druck ging. Man habe daher erst eingreifen können, als es schon gedruckt war.

Shaffer jedenfalls versteht die Aufregung nicht. Der "New York Times" sagte er vor einigen Tagen, dass er in seinen Afghanistan-Erinnerungen keine Geheimnisse verrate. Im Gegenteil: Er habe eng mit der Armee zusammengearbeitet, um sicherzugehen, dass sich nichts in dem Buch finde, das die nationale Sicherheit gefährde.

Wirklich ärgern wird sich Shaffer aber wohl auch nicht. Schließlich bekommt sein Werk nun eine Aufmerksamkeit, die ihm normale Werbung kaum gebracht hätte.

phw/AP

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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