New York/Berlin - Das US-Verteidigungsministerium hat die Auslieferung der Afghanistan-Memoiren eines ehemaligen Geheimdienstoffiziers gestoppt, weil in dem Buch angeblich vertrauliche Informationen preisgegeben werden. Es geht um 9000 Exemplare des Buches "Operation Dark Heart" von Autor Anthony A. Shaffer.
Shaffer war als ziviler Mitarbeiter des militärischen US-Geheimdienstes DIA im Jahr 2003 für fünf Monate nahe Kabul stationiert. Sein Buch über den Einsatz sollte eigentlich am 31. August erscheinen. Nun aber bleibt die komplette erste Auflage unter Verschluss.
Dass sich ehemalige Regierungs- oder Geheimdienstmitarbeiter mit ihren früheren Arbeitgebern darüber streiten, welche und wie viel Informationen sie nach ihrer Dienstzeit veröffentlichen dürfen, ist zwar nicht ungewöhnlich. Laut "New York Times" ist "Operation Dark Heart" allerdings der erste Fall, bei dem ein bereits gedrucktes solches Buch wieder eingestampft werden soll.
Eigentlich, so berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf den Anwalt des Autors, war bereits alles klar: Die Armee hatte frühzeitig ein Manuskript des Buches geprüft, einige Stellen beanstandet und eine überarbeitete Version schließlich zum Druck freigegeben. Als dann aber die Prüfer vom Militärgeheimdienst den Text sahen und anderen Diensten vorlegten, identifizierten sie noch einmal mehr als 200 Passagen, die angeblich vertrauliches Material enthielten.
Die Veröffentlichung könne "die nationale Sicherheit gefährden", hieß es laut "New York Times" in einer Stellungnahme der DIA. Unter den beanstandeten Stellen seien Namen von Geheimdienstmitarbeitern, die mit Shaffer im Einsatz waren, und seine Berichte über geheime Operationen, schreibt die Zeitung.
Autor im Clinch mit dem Ex-Arbeitgeber
Das Problem war nur: Zum Zeitpunkt, als die DIA und das Penatgon ihre Einwände anmeldeten, liefen nicht nur schon die Druckerpressen. Einige Dutzend Rezensionsexemplare waren bereits verschickt, auch tauchten Bücher bei Online-Händlern auf. Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, verhandelt das Verteidigungsministerium daher mit dem Verlag, ob und zu welchem Preis es die erste Auflage aufkaufen kann, um sie dann zu zerstören. In der Zwischenzeit arbeiten der Autor, sein Anwalt, der Verlag und das Verteidigungsministerium an einer überarbeiteten Version mit geschwärzten Passagen, die am 24. September erscheinen soll.
Shaffers Anwalt Mark Zaid wittert hinter dem Vorgehen des Verteidigungsministeriums eine Racheaktion gegen den ehemaligen Mitarbeiter. Denn das Verhältnis zwischen Shaffer und seinem ehemaligen Arbeitgeber war schon zu Dienstzeiten nicht das beste. Laut Zaid geriet Shaffer mit der DIA erstmals aneinander, als er 2003 behauptete, bei einem seiner Einsätze den 9/11-Terroristen Mohammed Atta frühzeitig als Bedrohung identifiziert zu haben. Später habe sich die Beziehung wegen anderer Vorfälle weiter verschlechtert, bis Shaffer nach Angaben seines Anwalts entlassen wurde.
"Tony Shaffer war der DIA über Jahre ein Dorn im Auge. Alles, was er sagte oder tat, störte die DIA", sagte Zaid der Nachrichtenagentur AP. Dass die Zustimmung zu Shaffers Buch in der letzten Minute zurückgezogen wurde, findet Zaid jedenfalls verdächtig, zumal der Dienst seit Monaten von dem Erscheinungsdatum wusste. Er vermute daher eine Racheaktion hinter der Intervention.
Ein Sprecher des Pentagon dagegen behauptet, Shaffer habe sich nicht an die vorgegebenen Prüfungsprozesse gehalten, bevor das Buch in Druck ging. Man habe daher erst eingreifen können, als es schon gedruckt war.
Shaffer jedenfalls versteht die Aufregung nicht. Der "New York Times" sagte er vor einigen Tagen, dass er in seinen Afghanistan-Erinnerungen keine Geheimnisse verrate. Im Gegenteil: Er habe eng mit der Armee zusammengearbeitet, um sicherzugehen, dass sich nichts in dem Buch finde, das die nationale Sicherheit gefährde.
Wirklich ärgern wird sich Shaffer aber wohl auch nicht. Schließlich bekommt sein Werk nun eine Aufmerksamkeit, die ihm normale Werbung kaum gebracht hätte.
phw/AP
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Ich würde dieses Buch gerne haben. Dann könnte ich mir auch ein Urteil darüber erlauben. Wahrscheinlich stehen dort wieder Sachen, die wir hier kaum glauben wollen. mehr...
Wo ist eigentlich der Nippel und die Lasche dieses Wortschwalles? Habe nichts verstanden! mehr...
Würde es mir die liebe Höfflichkeit nicht verboten, so würde ich nun mit Shakespeares Richard gegen die märkische Pfarrerstochter und Nichtkanzlerin ausgerufen haben: „Was schaffst du, schnöde Hexe, mir vor Augen?“ – doch frage [...] mehr...
Ich halte die Aktion auch nur für ein Ablenkungsmanöver. mehr...
Bei dem PS stimme ich ihnen zu. Staunen tue ich nur über ihren Optimismus, den sie dem Internet gegenüber haben. Wieso, glauben Sie im Ernst, das man das nicht auch kontrollieren und Überwachen kann (siehe China) ? Sicher [...] mehr...
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