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Wahlkampf à la Bush Hinrichtungen wie am Fließband

Der republikanische Präsidentschaftskandidat George Bush ist ein Verfechter der Todesstrafe. Nirgendwo in den USA werden so viele Todesurteile vollstreckt wie in Texas, wo Bush Gouverneur ist. Nun, da Bush ins Weiße Haus einziehen will, ist in Amerika eine neue Diskussion über Sinn und Unsinn von Hinrichtungen ausgebrochen.

Huntsville - James Edward Clayton ist sich sicher, dass er noch in dieser Woche sterben muss. Die Hinrichtung des verurteilten Mörders wäre im US-Staat Texas die dritte innerhalb einer Woche, die sechste in diesem Monat und die 18. in diesem Jahr. Am Mittwochabend wurde Richard Donald Foster in Huntsville mit einer Giftspritze getötet. Der 47-Jährige war für schuldig befunden worden, 1984 einen Tankwart von hinten erschossen und seinen Laden ausgeraubt zu haben. "Ich bin mit Christus gekreuzigt worden. Nicht ich werde länger leben, sondern Christus, der in mir lebt", waren seine letzten Worte.

Hält nicht viel von Begnadigungen: George W. Bush
AP

Hält nicht viel von Begnadigungen: George W. Bush

Dass Clayton der Giftspritze entkommt, ist unwahrscheinlich. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Mordes an einer Lehrerin zum Tod, doch er beharrt auf seiner Unschuld. Der Einzige, der ihm jetzt noch helfen kann, ist der texanische Gouverneur und republikanische Präsidentschaftsbewerber George W. Bush. Doch dieser hat in seiner fünfeinhalbjährigen Amtszeit als Gouverneur erst einen einzigen Todeskandidaten begnadigt und dessen Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. 1999 führte Texas mit 35 Exekutionen die Hinrichtungsstatistik der USA an. Allein für Juni sind mindestens sieben Tötungen angesetzt. Von seinem Recht, eine Hinrichtung für 30 Tage auszusetzen, hat Bush bislang noch nie Gebrauch gemacht.

Der traurige texanische Rekord und die Tatsache, dass sich Bush jr. um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bemüht, haben die Diskussion über die Todesstrafe wieder angeheizt. Die Aufmerksamkeit stieg auch, als der Gouverneur von Illinois, der Republikaner George Ryan, im Januar dieses Jahres eine Aussetzung der Hinrichtungen beschloss. Im US-Staat New Hampshire stimmten die Abgeordneten im April für die Abschaffung der Todesstrafe, doch Gouverneurin Jeanne Shaheen legte ihr Veto ein.

Für Bush sind nur zwei Fragen entscheidend

Bush ist von Gegnern der Todesstrafe immer wieder angegriffen worden - im Vordergrund steht dabei die Möglichkeit, dass auch Unschuldige hingerichtet werden können. Doch Bush blieb hart. Seitdem der verurteilte Mörder Mario Marquez in der Nacht von Bushs Amtseinführung im Januar 1995 hingerichtet wurde, interessieren den Gouverneur nur zwei Fragen. Sind die Verurteilten schuldig? Hatten sie vollen Zugang zu den Gerichten? In 129 Fällen beantwortete Gouverneur Bush diese beiden Fragen mit "Ja", die Todeskandidaten wurden hingerichtet.

"Ich befürworte die Todesstrafe, weil ich glaube, dass sie - wird sie sicher, schnell und zu Recht ausgeführt - Leben retten kann", sagte Bush während seiner Präsidentschaftskampagne. "Ich habe kein einseitiges Recht, eine Exekution zu stoppen."

Bush lehnte Gnadengesuche des Vatikans, des Außenministeriums und ausländischer Politiker ab, die ihre Staatsbürger vor dem Tod in Texas retten wollte. Auch im Fall von Karla Faye Tucker blieb er hart; sie wurde 1998 als erste Frau nach dem Ende des Bürgerkrieges hingerichtet. Laut einer Umfrage, die vor der Hinrichtung von Tucker erhoben wurde, befürworteten 70 Prozent der Texaner die Todesstrafe. Bei den Anhängern der Republikaner lag die Unterstützung sogar bei 86 Prozent.

Die Anwältin von Clayton, Erika Copeland, hat beim texanischen Gouverneur ein Gnadengesuch für ihren Mandanten eingereicht. Doch an Erfolg glaubt sie nicht: "Er ist mitten in der Kampagne. Er ist überall, nur nicht in Texas. Es ist bedauernswert. Das ist es wirklich."

Michael Graczyk

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