Chicago - George W. Bush, der sich von den Republikanern zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November küren lassen will, hat eine Überprüfung der Todesstrafe wiederholt abgelehnt. Nun prangert eine Untersuchung der "Chicago Tribune" erhebliche Mängel im texanischen Justizsystem an. Die Zeitung kommt in ihrer Ausgabe vom Sonntag zu dem Schluss, dass viele der 131 während Bushs Amtszeit verhängten Todesurteile fragwürdig seien, etwa auf Grund mangelnder Beweise oder zweifelhafter psychiatrischer Gutachten.
Wie es in dem Bericht heißt, wurden die Angeklagten in rund einem Drittel der untersuchten Fälle von Verteidigern vertreten, die vor oder nach dem Prozess von der Anwaltskammer gerügt oder sogar ausgeschlossen wurden. Vielen Verteidigern gelang es der "Chicago Tribune" zufolge nicht, einen Beweis für strafmildernde Faktoren - wie zum Beispiel einen niedrigen Intelligenzquotienten oder eine psychische Krankheit ihrer Mandanten - zu erbringen. Bei mindestens 23 Prozessen spielten Aussagen von Mitgefangenen eine entscheidende Rolle, so etwa im Fall von David Wayne Spence, der 1984 wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Obwohl die Zeugen ihre Aussagen später widerriefen, wurde Spence 1997 hingerichtet.
Überzeugter Anhänger der Todesstrafe: George W. Bush:
Gegner der Todesstrafe fordern von Bush ein Hinrichtungsmoratorium nach dem Vorbild von Illinois. Dessen Gouverneur George Ryan hatte Ende Januar alle Exekutionen in seinem Staat ausgesetzt, nachdem die "Chicago Tribune" erhebliche Justizmängel aufgedeckt hatte. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 sind in Texas 218 Männer und Frauen hingerichtet worden, mehr als in jedem anderen US-Staat. 1995 unterzeichnete Gouverneur Bush ein Gesetz, das die Vollstreckung von Todesurteilen beschleunigen sollte.
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