Paris - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und sein afghanischer Amtskollege Hamid Karzai wollen die Nato zu einem vorgezogenen Ende aller Kampfmissionen in Afghanistan auffordern. Das Militärbündnis solle die Einsätze 2013 - ein Jahr früher als geplant - an die afghanischen Streitkräfte übergeben, sagte Sarkozy am Freitag nach einem Treffen mit Karzai in Paris.
Frankreich habe die US-Regierung bereits über die Pläne informiert und werde beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister Anfang kommenden Monats einen entsprechenden Fahrplan vorlegen, sagte der französische Staatspräsident. Bis Ende 2013 würden alle französischen Truppen aus Afghanistan abgezogen.
Sarkozy will ab 2012 der afghanischen Armee schrittweise die Verantwortung für die Sicherheit in der Provinz Kapisa übertragen. Dort waren vergangene Woche vier französische Soldaten von einem afghanischen Kollegen getötet worden. Bereits ab März sollen hier einheimische Soldaten für die Sicherheit zuständig sein. "Die allmähliche Übergabe wird den Rückzug der französischen Kampftruppen ab Ende 2013 möglich machen", sagte Sarkozy. Nach bisheriger Planung sollten die französischen Soldaten Anfang 2014 abrücken, spätesten Ende 2014 alle Nato-Einheiten. Im Laufe des Jahres 2012 will Sarkozy 1000 Kampfsoldaten nach Hause holen, 400 mehr als ursprünglich geplant.
Zudem kündigte Sarkozy die Wiederaufnahme des Ausbildungsprogramms der französischen Streitkräfte in Afghanistan an. Ab Samstag trainierten französische Soldaten erneut afghanische Kameraden, sagte Sarkozy.
Nach der Ermordung der vier französischen Soldaten vergangene Woche hatte Paris die Ausbildungsmission vorläufig abgebrochen. Zudem war in Frankreich eine Diskussion über einen früheren Truppenabzug entbrannt. Der afghanische Kollege war möglicherweise ein Taliban, der sich in der afghanischen Armee anwerben ließ. Der Mann gab an, den Angriff wegen des vor kurzem veröffentlichten Videos von einer Leichenschändung durch US-Soldaten begangen zu haben.
ler/dapd/dpa/AFP
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