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30.01.2012
 

Aggressiver US-Vorwahlkampf

Romney, der Terminator

Aus Hialeah, Florida, berichtet Marc Pitzke

Foto: REUTERS

Knallharte Attacken auf allen TV-Kanälen, Tiefschläge inklusive: Um Newt Gingrich bei der ersten Mega-Vorwahl endgültig abzuhängen, schrecken Mitt Romney und seine Strategen in Florida vor kaum etwas zurück. Umfragen zeigen: Beim Wähler kommt die aggressive Taktik an.

Mitt Romney spricht kein Spanisch. Das überlässt er lieber den anderen, die sich mit ihm auf dem kleinen Podium drängen: dem Bürgermeister, der Kongressabgeordneten, dem Ex-Senator. Selbst seinem Sohn Craig, der mal in Chile gelebt hat. "Muy buenas tardes!", ruft der in die Menge. "Como estan?"

"Viva Romney!", schallt es zurück. "Arriba con Mitt!"

Es ist ein warmer, verhangener Sonntag in Hialeah. Der Ort am Rand der Everglades hat den zweithöchsten Latino-Anteil in den USA, nach dem benachbarten Miami. Und wie es scheint, sind die an diesem Nachmittag alle hierher gekommen, um Mitt Romney zu sehen.

Seit Stunden warten sie auf dem Parkplatz des "Casa Marin", eines kleinen, kubanischen Restaurants, bekannt für Tostones und Crema de Malanga. Die Älteren sitzen auf Stühlen, wie einst am Malecón, der Promenade Havannas. Die ganz Alten trinken drinnen Cafecito, an langen Holztischen unter Ölgemälden, auf denen Kuba zu sehen ist. Überall prangen Romney-Plakate, selbst an der hispanischen Autowerkstatt gegenüber.


Ohne die Latinos und Exilkubaner wird keiner was im "Sunshine State". Das weiß auch Mitt Romney, dessen Immigrationspolitik manche hier konsterniert. Weshalb er extra nach Hialeah kommt, um zu versichern, dass er fest "an der Seite des kubanischen Volkes" stehe.

Doch eigentlich will er nicht über Einwanderung sprechen. Sondern über etwas ganz anderes: "Speaker Gingrich", sagt Romney und macht eine Kunstpause. "Der ist ein netter Mann!"

Romney, der Terminator

Da lachen sie und buhen zugleich, sie wissen, was kommt: Romney zerpflückt Newt Gingrich, seinen Erzfeind in dieser Vorwahl. Früher hat er den ignoriert. Doch das kann er sich nicht mehr leisten.

Fast die Hälfte seiner Rede widmet Romney dem Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses: Wieso der in Florida "solche Probleme hat", hier "nicht ankommt", "nach Ausreden sucht". Er habe "15 Jahre in Washington verbracht" und "1,6 Millionen Dollar verdient" im Dienste der verhassten Hypothekenbranche, die Florida kaputtgemacht habe. "Ihr wollt doch keinen, der Bestandteil von Washington ist", ruft Romney. "Ihr wollt einen, der Washington verändert!" Da jubeln sie artig: "USA! USA!"

Romney strahlt wie ein Schuljunge. Er steht in Hemdsärmeln da, wirkt locker und doch knallhart. Sein einst steif gegeltes Haar weht leicht im Wind.

Dies ist ein neuer Mitt Romney. Aggressiv. Selbstbewusst. Siegessicher. Romney, der Roboter? Eher Romney, der Terminator.

Der neue Romney ist freilich - wie der alte - das Produkt einer konzertierten Aktion von Wahlstrategen, Polit-Beratern und Demoskopen. Nur Stunden nach seiner peinlichen Pleite von South Carolina haben sich seine Experten zusammengesetzt und ihren Schlachtplan für Florida revidiert. Der Kandidat wurde anschließend vom neuen Kurs einfach nur informiert, auf dass er ihn umsetze.

"Okay", soll Romney nonchalant gesagt haben. "Lasst uns Florida gewinnen."

Einzigartige, sündhaftteure Wahlkampfmaschine

Anfangs wollte er hier, bei der ersten "Mega-Vorwahl" der Saison, quasi per Autopilot zum Sieg steuern, seine Parteirivalen unbeachtet lassen und sich voll und ganz auf US-Präsident Barack Obama konzentrieren, seinen Herbstgegner.

Stattdessen muss Romney jetzt mit offenem Visier gegen Gingrich kämpfen, um jede Stimme. Das tut er auch: Attackiert ihn, bringt ihn aus der Ruhe - und schlägt immer öfter auch unter die Gürtellinie.

Mit Erfolg. Binnen Tagen hat Romney so den zweistelligen Vorsprung ausradiert, den Gingrich aus South Carolina mitgebracht hatte. In Florida hat er ihn 48 Stunden vor Öffnung der Wahllokale am Dienstag in allen Umfragen weit abgehängt - und zwar quer durch alle demografischen Schichten: bei Rentnern genauso wie bei Exilanten oder Neuwählern.

Die beackert er einzeln und geduldig - mit seiner einzigartigen, sündteuren Wahlkampfmaschinerie. Erst sein luxuriöser Reisebus und gelegentlich gecharterte Privatjets machen es ihm möglich, die Dimensionen Floridas zu bewältigen, das von einem Ende zum anderen mehr als tausend Kilometer misst.

Ein Comeback ist für Romney hier entscheidend. Es geht um 50 Delegiertenstimmen für den Wahlparteitag im August, der ebenfalls in Florida stattfindet, in Tampa. Und ums Image: Eine Niederlage in dieser Wechselwählerregion, die sich zu Recht mal wieder als Zünglein an der Waage wähnt, wäre unverzeihlich.

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insgesamt 13 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
31.01.2012 von ronald1952: Unterbelichtet,

Hallo, nach dem ersten Weltkrieg hat man in den USA Psychologische untersuchungen durchgeführt. Man wollte herausfinden welche der Heimgekehrten Soldaten sich zum Offizier ausbilden liesen.Dabei kam die rschreckende Wahrheit [...] mehr...

31.01.2012 von Montanabear: Aggressiv

Der amerikanischen Oeffentlichkeit ist diese Art auch zuwider. Wer weiss, vielleicht profitiert Santorum am Ende davon. Oder wieder einmal - Mickey Mouse ! mehr...

31.01.2012 von Looocus: Das ist keine Politik

das republikanische Feld ist nichts weiter als ein widerlicher Haufen narzisstischer Egomanen, denen das amerikanische Volk völlig egal ist und die auf nichts ausser Macht und noch mehr Geld aus sind. Anfangs fand ich den Zirkus [...] mehr...

31.01.2012 von der.letzte.dodo: Da ist wenigstens was los im Wahlkampf

Die nutzen ihre Redefreiheit voll aus Dagegen sind Wahlkämpfe bei uns nur wie eingeschlafene Füsse! :-) mehr...

31.01.2012 von marypastor: Naja, auch in den USA

ist Politk ein gutes Geschaeft. Da will jeder mitmachen. mehr...

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Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner-takes-all"-Prinzip).

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