Die Europäische Union hat den Führer der rechten israelischen Opposition, Ariel Scharon, für die blutigen Ausschreitungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften verantwortlich gemacht. Der Besuch des Politikers auf dem Tempelberg in Jerusalem zeige, "inwieweit eine Provokation in einem angespannten Umfeld tragische Konsequenzen haben kann", heißt es in einer Erklärung, die die französische EU-Ratspräsidentschaft "im Namen der Europäischen Union" veröffentlichte.
Die Unruhen hatten begonnen, nachdem Scharon am Donnerstag - kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest - den Tempelberg besucht hatte. Scharon lehnt die Verhandlungspolitik des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak gegenüber dem Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat ab. Er wollte mit seinem Aufritt an dem heiligen Ort, der sowohl von Juden als auch von Moslems verehrt wird, die Unteilbarkeit Jerusalems und die israelische Kontrolle über das Gebiet demonstrieren.
Der Besuch des rechten Politikers wurde von Palästinensern als Provokation verstanden. Nach dem Freitagsgebet griffen hunderte Moslems beim Verlassen der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg israelische Sicherheitskräfte und jüdische Gläubige, die wegen des Feiertages auf dem Weg zur Klagemauer waren, mit Steinen an.
Ein Berater Arafats warf Scharon vor, für die Ausschreitungen direkt verantwortlich zu sein. Sie seien "das Feuer des religiösen Krieges", den der Besuch entfacht habe. Er forderte die Regierung Baraks auf, "die provokativen Handlungen" gegen die Palästinenser zu beenden.
Auch die Vereinigten Staaten wiesen Scharon die Schuld an den Krawallen zu. "Wir waren besorgt, dass der Besuch Scharons an dieser Stätte zu Spannungen führen könnte. Und das war dann ja auch der Fall", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher. Er appellierte "an beide Seiten, Ruhe zu bewahren und Handlungen zu vermeiden, die Spannungen in diesem Gebiet provozieren könnten".
Scharon wies im israelischen Fernsehen jede Verantwortung für die jüngste Welle der Gewalt von sich.
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