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George W. Bush Daddy's Boy

George W. Bush schaffte, was bisher nur einem Amerikaner gelungen ist: Er zieht als Sohn eines ehemaligen Präsidenten ins Weiße Haus. Er gilt als einer der unerfahrensten Kandidaten, die in diesem Jahrhundert das amerikanische Präsidentenamt antraten.

Hamburg - "Dubya" nennen sie ihn in den Staaten: Das ist die amerikanisch vernuschelte Form von "Doubleyou", was "W" bedeutet und für Walker steht, den zweiten Vornamen von George Bush junior.

Entdeckte die Politik erst spät für sich: George W. Bush
AP

Entdeckte die Politik erst spät für sich: George W. Bush

Der Mann ist ein Phänomen. Außer der Ankündigung, dass er die Steuern senken will, hatte der republikanische Präsidentschaftskandidat nicht wirklich ein Programm. Niemand sagt dem Texaner ein größeres Maß an Intelligenz oder Wissen nach, er verspricht sich oft, und mit der Grammatik hapert's auch. Die Diskussion über seinen Intelligenzquotienten hat er selbst hinreichend genährt: Da verwechselte er schon mal Slowenien und die Slowakei, und in einem Quiz konnte er bei der Frage nach den Regierungschefs von vier Staaten nur einen nennen. Die "Sunday Times" schrieb sogar einmal: "Bush wäre der am wenigsten qualifizierte Präsident seit Gerald Ford. Denn Ronald Reagan, mit dem Bush oft intellektuell verglichen wird, hat wenigstens noch an etwas geglaubt." Und dennoch schaffte Bush es, seinen hoch intelligenten und erfahrenen demokratischen Kontrahenten, den Vizepräsidenten Al Gore abzuhängen.

Der Grund: seine Ausstrahlung. George W. Bush ist selbstbewusst, witzig, charmant und verbreitet dieses "Ich kümmere mich um euch"-Gefühl. Es findet sich kaum jemand aus Dubyas Vergangenheit, der ihn nicht als guten Kumpel in Erinnerung hat. Ein Lausbub mit Klassensprecherqualitäten - bis heute. Man kann relativ sicher sein, dass er es ohne seine Herkunft niemals auf das Sprungbrett zum Weißen Haus geschafft hätte. Mit einem Vater, der Präsident war, und einem Großvater, der es zum Senator gebracht hatte, öffnet sich halt manche Tür einfacher.

Der 1946 geborene Bush war ein mittelmäßiger Schüler und Student, gehörte aber zu den angesagtesten Jungs und ließ keine Party aus. Nach dem Studium gründete er 1975 mit dem Geld von Freunden der Familie und reichen republikanischen Förderern eine ziemlich unbedeutende Ölfirma und ließ weiterhin keine Party aus. Er hatte, das gibt er freimütig zu, Alkoholprobleme. Doch er trinkt, wie er sagt, keinen Tropfen mehr, seit er nach dem Fest zu seinem vierzigsten Geburtstag mit einem dicken Schädel aufwachte und feststellte, dass seine Firma kurz vor der Pleite stand. Er verkaufte und ließ die Finger vom Öl. Schließlich entdeckte George W. doch noch die Politik, als seine Eltern schon längst die Hoffnung aufgegeben hatten und auf den jüngeren Bruder Jeb setzten. Ab 1986 engagierte sich George W. in Washington als Berater und Redenschreiber im Präsidentschaftswahlkampf seines Vaters.

Als George Bush senior 1989 ins Weiße Haus einzog, ging der Sohn zurück nach Dallas, kaufte sich in das Baseball-Team der "Texas Rangers" ein und arbeitete fortan als deren Manager. Was kein schlechter Schachzug war, denn er konnte sich deutliche Sympathien und einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeiten, als er - freilich mit Steuergeldern - ein neues Stadion in Dallas baute. 1993 musste der Vater das Weiße Haus verlassen, und der Junior stieg wieder in die Politik ein: Er kündigte seine Kandidatur für den Gouverneursposten von Texas an, konnte ohne jegliche Qualifikation für den Job tatsächlich im November 1994 die demokratische Amtsinhaberin ablösen und wurde vier Jahre später wieder gewählt. Ein gewisse internationale Berühmtheit erlangte er mit der großen Zahl von über 140 vollstreckten Todesurteilen während seiner bisherigen Amtszeit. In Texas werden sogar Straftäter hingerichtet, die zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt waren - eine juristische Praxis, die es sonst auf der Welt fast gar nicht mehr gibt.

In den vergangenen Monaten gab es viele, die angezweifelt haben, dass Dubya tatsächlich alles kann, was er zu können glaubt. Er ist halt einer, der lieber gleich handelt - das Denken überlässt er gern anderen. Um die intellektuellen Defizite auszugleichen, steht ihm ein Beratertrupp zur Seite. Ein Mitglied erklärte denn auch kürzlich, man dürfe sich das Präsidentenamt nicht als One-Man-Show vorstellen, sondern mehr als ein Team. Viele aus der Mannschaft Bushs haben sich vor zehn Jahren, zu Daddys Zeiten, schon bewährt: Allen voran der frühere Verteidigungsminister Dick Cheney, der nun Vizepräsident werden soll. Als sicher gilt vielen sowieso, dass eigentlich George Bush senior das Sagen hat.

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