Spangdahlem/Ramstein/Bonn - Die Angriffe würden erst eingestellt, wenn die Belgrader Führung alle Forderungen des Bündnisses erfüllt hätte. Dazu gehöre der Rückzug aller Truppen Belgrads aus dem Kosovo und die sichere Rückkehr der Vertriebenen, unterstrich Clinton am Mittwoch. Der Präsident bezeichnete die Situation im Kosovo als "unerträglich". "Wir wollen, daß Europa nicht geteilt ist, sondern ein Europa, das im Frieden lebt", unterstrich der Präsident unter lautem Jubel der Soldaten. Begeistert hatten die Angehörigen des Stützpunktes und ihre Familien den Präsidenten begrüßt, der wenige Stunden zuvor im Nato-Hauptquartier in Brüssel mit Generalsekretär Javier Solana die jüngsten Planungen für eine Kosovo-Friedenstruppe besprochen hatte.
Die US-Soldaten sowie mehrere hundert deutsche Bedienstete hatten sich auf dem Spangdahlemer Stützpunkt in einem riesigen Hangar versammelt, von dem fast täglich Tarnkappenbomber vom Typ F-117 und andere Militärjets Richtung Jugoslawien starten. Der Besuch war von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.
Clinton war anschließend von Spangdahlem nach Ramstein gereist und hatte dort die drei am Sonntag in Belgrad freigelassenen Soldaten getroffen. Die GIs Christopher Stone (25), Steven Gonzales (22) und Andrew Ramirez (24) waren mehr als 30 Tage in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft. Bei der Begegnung sagte Clinton, der in Fliegerjacke vor die Kameras trat, sichtlich gerührt: "Wir sind froh, Sie wieder hier zu haben." Die drei Soldaten werden an diesem Donnerstag in ihren Heimatstandorten in Unterfranken empfangen und ausgezeichnet. Der Präsident wird sich am selben Tag in einem Flüchtlingsheim in Ingelheim bei Mainz und anschließend in Bonn mit Bundeskanzler Gerhard Schröder treffen.
In Ramstein informierte sich der Präsident auch über die humanitäre Organisation "shining hope", die den Hilfsgütertransport in die Flüchtlingslager auf dem Balkan regelt. Abschluß des ersten Besuchstages war ein gemeinsames Abendessen mit 300 Soldaten in einem Flugzeughangar, der zu einem riesigen Restaurant umfunktioniert wurde. Auch in Ramstein, dem größten US-Luftwaffenstützpunkt in Europa, hießen die Soldaten und ihre Familien den Präsidenten begeistert willkommen.
Zum Auftakt seiner einzigen öffentlichen Rede am Mittwoch in Spangdahlem gedachte Clinton, wie zuvor auch US-Außenministerin Madeleine Albright und Verteidigungsminister William Cohen, der beiden Piloten, die in der Nacht zum Mittwoch während eines Übungsfluges mit einem "Apache"-Kampfhubschrauber über Albanien abgestürzt waren. "Wir beten mit ihren Familien", sagte Clinton.
Er dankte den US-Soldaten für ihre Opferbereitschaft und ihren selbstlosen Einsatz. Vor Clinton hatte auch Albright betont, auf dem Spiel stehe im Kosovo das Leben von rund zwei Millionen Menschen. Die USA hielten an dem Prinzip fest, daß Aggression sich nicht auszahlen dürfe. Cohen unterstrich, Milosevic müsse "das Schlachten beenden".
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