21. Dezember 2002, 14:53 Uhr

Hubschrauberabsturz in Kabul

Sieben Bundeswehrsoldaten getötet

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein Bundeswehr-Hubschrauber abgestürzt. Acht Menschen starben, darunter sieben deutsche Soldaten. Bisher geht die Bundeswehr von einem Unfall aus.

Absturzstelle in Kabul: Anhgeblich kein Raketenbeschuss
REUTERS

Absturzstelle in Kabul: Anhgeblich kein Raketenbeschuss

Kabul - Nach Regierungsangaben und Berichten von Augenzeugen sollen bei dem Absturz am Samstag bis zu acht Menschen ums Leben gekommen sein, darunter zwei Kinder. Augenzeugen berichteten auch davon, dass zwei Kinder am Boden getötet worden seien. Ein anderer Zeuge sprach von bis zu 14 Toten.

Das Unglück ereignete sich nahe dem französischen ISAF-Stützpunkt bei Kabul. Die Umstände des Absturzes würden von einem ISAF-Team untersucht, sagte Steffan. Es habe aber keinen Raketenangriff auf den Helikopter gegeben. In ersten Stellungnahmen sprachen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und das Verteidigungsministerium in Berlin von einem tragischen Unfall. Die Untersuchungen hätten aber bereits begonnen.

Der Polizeisprecher von Kabul, Baschir Salangi, hatte zunächst erklärt, insgesamt seien bei dem Unglück sechs Menschen getötet worden, darunter vier Soldaten. Bei den anderen Todesopfern handele es sich um Kinder. Kurz darauf erklärte jedoch ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe in Kabul, fünf Soldaten seien unter den Opfern. Zunächst war unklar, ob alle deutscher Staatsangehörigkeit sind.

In einer Meldung der privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP hatte es zuvor geheißen, alle sechs Menschen an Bord seien ums Leben gekommen. Der Helikopter habe zunächst Feuer gefangen und sei dann 25 Kilometer östlich von Kabul abgestürzt.

Ein Augenzeuge im Osten der afghanischen Hauptstadt sah Feuer an Bord des Hubschraubers. "Ich schaute hinauf und sah Feuer am Hubschrauber und dann drehte er nach links und stürzte zwischen die Gebäude", sagte Mohammed Musa. Er habe jedoch nicht gesehen, dass auf den Hubschrauber geschossen worden sei. ISAF-Soldaten riegelten das Absturzgebiet ab.

Weitere Augenzeugen berichteten, der Hubschrauber, der auf dem Anflug nach Kabul gewesen sei, sei plötzlich mit der Kanzel nach vorn abgetaucht und beim Aufschlag auf dem Boden in einem Feuerball explodiert. Es sei eine riesige Rauchsäule aufgestiegen.

Ein anderer Helfer berichtete vom Absturzort, er habe eigenhändig vier Leichen weggetragen. Er habe acht weitere Leichen gesehen sowie zwei tote Kinder, die anscheinend von dem Hubschrauber erschlagen worden seien. Der Bergungshelfer hatte noch Blut der Toten an den Händen.

Hubschrauber vom Typ CH-53 G: Gebräuchliches Gerät in Afghanistan
DPA

Hubschrauber vom Typ CH-53 G: Gebräuchliches Gerät in Afghanistan

Bei dem abgestürzten Hubschrauber handelt es sich um eine Maschine der Bundeswehr, wie das Berliner Verteidigungsministerium erklärte. Ein Sprecher sagte, bei der abgestürzten Maschine handele es sich um eine Sikorsky CH-53 der Heeresflieger.

Am Donnerstag hatte der Bundestag das Mandat für die Bundeswehr mit großer Mehrheit um ein Jahr verlängert. Dadurch kann Deutschland seine Truppenstärke zusammen mit den Niederlanden auf rund 2500 Mann verdoppeln und in der ersten Jahreshälfte die Führung von ISAF übernehmen. Die ISAF-Truppe umfasst 4800 Soldaten.

Verteidigungsminister Peter Struck hatte erklärt, der Einsatz in Afghanistan bleibe gefährlich. Unmittelbar davor hatte es am deutschen Feldlager einen Selbstmordanschlag gegeben.

Im März dieses Jahres waren zwei deutsche und vier dänische Soldaten des ISAF-Truppe bei Entschärfungsarbeiten an einer sowjetischen Flugabwehrrakete ums Leben gekommen.


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