29. August 2003, 16:48 Uhr

EU-Truppen im Kongo

Auch "Artemis" konnte das Morden nicht stoppen

Drei Monate lang waren sie für eine Militäroperation im afrikanischen Krisenherd Kongo. Nun kehren die 1500 EU-Soldaten zurück. Ausrichten konnte die "Operation Artemis" nicht viel - allerorten wird gemordet, gebrandschatzt, vergewaltigt.

Französische Soldaten im Kongo
DPA

Französische Soldaten im Kongo

Kinshasa/Nairobi - Die EU-Soldaten sollten vor allem die anarchischen Zustände in der Region Ituri im Ostkongo unter Kontrolle bringen. Dies gelang jedoch nur begrenzt. Außerhalb des Einsatzgebietes der EU-Truppe kam es immer wieder zu Hinrichtungen und Vergewaltigungen. Mindestens 500 Menschen sollen allein im Mai und Juni dieses Jahres in Ituri massakriert worden sein. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte: "Die Soldaten waren nicht in der Lage, die Bevölkerung zu schützen." Die Europäer unterstützten die dort seit 1999 im Kongo präsenten Truppen der Uno-Mission "Monuc". Es war der erste gemeinsame Einsatz der Europäischen Union außerhalb des eigenen Kontinentes.

Seit fünf Jahren herrscht im Kongo Krieg. Schätzungen zufolge haben die Kämpfe bislang mehr als drei Millionen Todesopfer gefordert. Der drittgrößte Flächenstaat Afrikas ist faktisch dreigeteilt. Präsident Joseph Kabila kontrolliert mit Hilfe von Truppen aus Simbabwe und Angola den Süden und Westen. Der Osten des Landes wird durch die von Ruanda abhängige Kongolesische Sammlungsbewegung für Demokratie (RCD) beherrscht und der Norden von der Kongolesischen Befreiungsbewegung (MLC), die von Uganda unterstützt wird.

Kindersoldat in der Stadt Bunia
DPA

Kindersoldat in der Stadt Bunia

Zur Eskalation des Konfliktes hat vor allem die Auseinandersetzung um die Rohstoffe des Landes beigetragen. Es geht um Gold, Tropenholz und Diamanten. Ein Uno-Bericht vom Mai 2002 stellte fest, der Kongo sei Tummelplatz für das internationale organisierte Verbrechen. Die Kriegsherren profitieren von dem Handel mit diesen begehrten Waren und erhalten im Gegenzug Waffen. Die Friedenstruppen der EU standen in Ituri unter französischer Führung. An der "Operation Artemis" waren auch 350 deutsche Soldaten beteiligt. Sie waren aber nicht im Kongo selbst, sondern im Nachbarland Uganda stationiert. Dort hatten sie logistische Aufgaben übernommen.

Beobachtungen zufolge hat sich durch die Präsenz der EU-Truppen wenigstens die Situation in Bunia, der Provinzhauptstadt von Ituri, verbessert, sagte Peter Körner, Kongo-Experte vom Afrika-Institut in Hamburg. "Die Bevölkerung in den umliegenden Dörfern blieb aber weiter ungeschützt." Ein paar hundert Mann könnten eine Region, die fast so groß sei wie Deutschland, unmöglich in den Griff bekommen. Auf die EU-Soldaten soll nun eine stärkere Truppe der Vereinten Nationen folgen. Sie ist mit einem robusteren Mandat ausgestattet, das der Uno-Sicherheitsrat am 30. Mai dieses Jahres erteilte. Dazu gehört die Befugnis, Zivilisten auch mit "unmittelbarer Bedrohung durch körperliche Gewalt" zu schützen. Die neue Uno-Truppe soll 3800 Mann umfassen. Die meisten Soldaten kommen aus dem indischen Subkontinent, die Führung übernimmt Bangladesch.

Die Menschen fliehen vor den mordenden Milizen
AFP

Die Menschen fliehen vor den mordenden Milizen

Ob die Truppe die hohen Erwartungen, die mit ihr verknüpft sind, erfüllen kann, ist ungewiss. "Es geht darum, das Land wieder zusammenzuführen", sagt Körner. "Der Konflikt ist aber zu vielschichtig, als dass er nur auf militärischer Ebene gelöst werden kann."

Christina Otten


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