Jim McDermott: "Es handelt sich um keinen Zufall"
Washington - Der demokratische Kongressabgeordnete Jim McDermott sagte in einem Rundfunkinterview, das US-Militär hätte Saddam schon vor langer Zeit finden können, "wenn sie das gewollt hätten". Auf die Nachfrage, ob er die Gefangennahme für "getimt" halte, damit Bush innenpolitisch punkten könne, antwortete McDermott: "Ja, oh ja."
Der Abgeordnete sagte weiter, die Umstände der Festnahme seien derart, "dass es sich nicht um eine zufällige Sache handelte". Er wisse zwar nicht, ob die Aktion gezielt für das vergangene Wochenende vorausgeplant worden sei, aber ihm sei bekannt, dass das US-Militär schon seit geraumer Zeit mit Personen in Kontakt gestanden habe, die gewusst hätten, wo sich Saddam aufhielt.
Republikaner reagierten empört auf die Ansichten McDermotts. Mehrere Vertreter des politischen Gegners forderten die Demokraten auf, sich davon zu distanzieren. McDermott hatte bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als er während eines Aufenthalts in Bagdad Bush kritisiert hatte.
Saddam: "Hast du selbst jemals gekämpft?"
Unterdessen meldet die arabische Zeitung "al-Hayat", Saddam zeige keine Reue. Einer der vier Mitglieder des irakischen Regierungsrats, die Saddam am Sonntagabend gegenüber gestellt wurden, Muwaffak al-Rabai, sagte in einem Interview mit der Zeitung, Saddam habe ihm und den anderen Politikern Schimpfworte entgegengeschleudert.
Als er, Rabai, zu Saddam gesagt habe: "Du sollt im Diesseits und Jenseits verflucht sein. Wie willst du Gott mit dieser langen Liste von Verbrechen entgegentreten?", da sei der ehemalige Diktator aus der Haut gefahren. Als er Saddam gefragt habe, weshalb er bei seiner Festnahme nicht auf die US-Soldaten geschossen habe, habe dieser ihm geantwortet: "Hast du selbst jemals gekämpft?"
Außerdem habe Saddam die Invasion in Kuweit von 1990 verteidigt und auf "den historischen Anspruch des Irak auf Kuweit" verwiesen. Auf den Gasangriff gegen die Kurden in Halabscha angesprochen, bei dem Tausende ums Leben kamen, habe er erklärt: "Das waren die Iraner."
Bei dem halbstündigen Treffen habe der Ex-Präsident ein traditionelles arabisches Männergewand getragen und auf der Kante eines Bettes gesessen. Der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer und US-General Ricardo Sanchez seien bei dem Gespräch anwesend gewesen, hätten jedoch nichts gesagt. Saddam habe zum Abschluss gesagt: "Geht ihr jetzt, seid ihr fertig?"
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