Rumsfeld: "Habe seinem langjährigen Freund O'Neill davon abgeraten"
Washington - Das US-Finanzministerium hat eine Untersuchung wegen Geheimnisverrats gegen seinen ehemaligen Chef O'Neill eingeleitet - und auch politisch bläst dem Bush-Kritiker ein scharfer Wind entgegen. Verteidigungsminister Rumsfeld wies O'Neills Darstellung zurück, Bush sei bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2001 zum Irak-Krieg entschlossen gewesen. O'Neill seinerseits verteidigte seine Äußerungen und erklärte, er habe die Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Bush-Regierung nicht im Unklaren lassen wollen.
Rumsfeld sagte vor Journalisten in Washington, Bush habe sich erst unmittelbar vor der Invasion im Irak im März vergangenen Jahres für den Krieg entschieden. In den frühen Sicherheitsberatungen der Regierung Anfang 2001 sei es lediglich um die Fortsetzung der Irak-Politik der Clinton-Regierung gegangen, die ebenfalls einen Regimewechsel in Bagdad angestrebt habe, sagte Rumsfeld.
Er habe seinem langjährigen Freund O'Neill davon abgeraten, an einem Buch über die erste Hälfte von Bushs Amtszeit mitzuarbeiten, sagte Rumsfeld. O'Neills Darstellung, wonach Bush ein desinteressierter Präsident sei, sei unzutreffend, sagte Rumsfeld. Der frühere Finanzminister ist Co-Autor eines Buches mit dem Titel "The Price of Loyalty" (Der Preis für Treue) des ehemaligen Reporters Ron Suskind, das am Dienstag erschien. Darin wird O'Neill unter anderem mit den Worten zitiert, bei Kabinettssitzungen habe Bush oft "wie ein Blinder in einem Raum voller Tauber" gewirkt.
Er habe Unterlagen für das Buch bereitgestellt, um vor allem junge Leute über die Funktionsweise der Politik aufzuklären, sagte O'Neill. Er befürchte, dass das derzeitige politische System wichtige öffentliche Debatten unterdrücke. Dass er dabei zum Teil drastische Ausdrücke gebraucht habe, bedauere er, sagte der Ex-Minister. O'Neill händigte Suskind für dessen Recherchen 19.000 Regierungsdokumente aus.
Suskind kündigte an, in ein bis zwei Wochen viele der ausgewerteten Dokumente im Internet zu veröffentlichen. Auf diese Weise könnten sich die Amerikaner aus erster Hand ein Bild von der Politik der Bush-Regierung machen, sagte Suskind.
"The Price of Loyalty" löste bereits vor Erscheinen erheblichen Wirbel aus. O'Neill hatte bei der Vorstellung des Werks in der CBS-Sendung "60 Minutes" am Sonntag erklärt, die Entscheidung für den Golfkrieg sei bereits lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gefallen. Zum Beweis wurde ein Irak-Dossier der Regierung aus dieser Zeit gezeigt. Das Finanzministerium leitete Ermittlungen wegen des Verdachts ein, es habe sich dabei um ein geheimes Dokument gehandelt.
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