15. Oktober 2004, 11:17 Uhr

Falludscha

US-Soldaten starten Großangriff

Nach den Anschlägen auf Bagdads "Grüne Zone" haben die US-Streitkräfte in der Nacht massive Angriffe auf die Rebellenhochburg Falludscha unternommen. Mit Unterstützung von Kampfflugzeugen und schwerer Artillerie gingen Marineinfanteristen gegen Stützpunkte von Aufständischen vor, wie ein Militärsprecher mitteilte.

Zerstörung in Falludscha: Massive US-Luftangriffe
AFP

Zerstörung in Falludscha: Massive US-Luftangriffe

Bagdad - Ziel der Operation sei es, künftige Angriffe der Rebellen zu unterbinden, berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das US-Militär. Kampfflugzeuge und Hubschrauber bombardierten die von Rebellen kontrollierte Stadt. Die Luftwaffe unterstütze die Bodentruppen, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte. Nach Angaben aus Krankenhäusern wurden mindestens fünf Menschen getötet und 16 verletzt.

Falludscha gilt als Zentrum der islamisch-sunnitischen Terrorgruppe Tahwid und Dschihad, die von dem Jordanier Mussab al-Sarkawi geführt wird. Die Organisation soll sich zu den beiden Selbstmordanschlägen bekannt haben, bei denen gestern in der schwer bewachten "Grünen Zone" in Bagdad mindestens sechs Menschen ums Leben kamen, darunter vier Amerikaner. In dieser Zone befindet sich das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Bagdad.

Bei einem Autobombenanschlag im Bagdader Vorort Dora starben auch heute Vormittag fünf Menschen. Sechs weitere wurden verletzt, meldete der arabische Nachrichtensender al-Dschasira. Am Freitag begann für die Sunniten im Irak der Fastenmonat Ramadan.

Der irakische Ministerpräsident Ijad Alawi hatte ein massives Vorgehen gegen die Widerstandstruppen in Falludscha angedroht. Vorgestern hatte Alawi in einem Ultimatum die Auslieferung von Sarkawi verlangt, andernfalls werde eine Militäroffensive gestartet werden.

Unmittelbar vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan kündigte das US-Militär im Irak gestern Abend intensivere Sicherheitsmaßnahmen für den Großraum Bagdad an. Die Patrouillen in- und außerhalb der "Grünen Zone" im Zentrum von Bagdad und rund um die US-Militärlager sowie der Schutz für den Flughafen Bagdad und weitere Maßnahmen zur Abwehr von Terroranschlägen seien verstärkt worden, hieß es in einer Erklärung des US-Militärkommandos.

Australien fordert mehr Uno-Präsenz

Australien hat unterdessen eine Aufstockung der Zahl der Uno-Mitarbeiter im Irak gefordert. Die Vereinten Nationen sollten ihr Personal in dem Golfstaat aufstocken und zudem stärker in die für Januar geplanten Wahlen im Irak einbezogen werden, sagte der australische Außenminister Alexander Downer.

Zuletzt sind angesichts der Gewalt im Irak die Zweifel gewachsen, dass die Wahlen wie geplant abgehalten werden können. "Den Fahrplan für die Wahl aufrecht zu erhalten ist wichtig für den Weg des Irak zur Demokratie... Ich rufe die Vereinten Nationen auf, sich nachhaltig im Wahlprozess zu engagieren, indem sie ihre Personalzahl vor Ort erhöhen", sagte Downer.

Aus Uno-Kreisen hatte es zuletzt allerdings geheißen, die Uno könne die Zahl der Mitarbeiter, die vor der Wahl in den Irak entsandt werden sollen, reduzieren. Uno-Generalsekretär Kofi Annan hatte vergangenes Jahr nach einem zweiten Anschlag auf das Uno-Quartier in Bagdad alle Mitarbeiter aus dem Land abgezogen. Bei einem ersten Anschlag im August 2003 waren 22 Menschen getötet und 150 verletzt worden.


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