15. Oktober 2004, 08:43 Uhr

Altlasten

Gaddafi fordert Entschädigung für Rommels Minen

Verstimmung beim Wüstenplausch: Libyen verlangt von Berlin Entschädigungszahlungen für die im Zweiten Weltkrieg vergrabenen Minen. Regimechef Gaddafi wies Kanzler Schröder in Tripolis darauf hin, dass noch immer Menschen durch die von Rommels Truppen gelegten Sprengkörper verletzt oder getötet würden.



Erwin Rommel, General des Afrika-Corps im Zweiten Weltkrieg: Minen gelegt auf dem Rückzug
AP

Erwin Rommel, General des Afrika-Corps im Zweiten Weltkrieg: Minen gelegt auf dem Rückzug

Tripolis - Wie aus Regierungskreisen verlautete, wies der Kanzler die Forderung von Muammar al-Gaddafi zurück. Man dürfe angesichts der angestrebten Normalisierung zwischen beiden Länder jetzt nicht in die Vergangenheit schauen, sagte Gerhard Schröder.

Trotz der Verstimmungen lud der Kanzler Gaddafi bei einem dreistündigen Treffen in einem Zelt "zu einem geeigneten Zeitpunkt" zu einem Besuch nach Deutschland ein. Gaddafi nahm die Einladung an. Bei dem Gespräch ging es auch um internationale Themen.

Schröder und Gaddafi: Lob für die deutsche Haltung im Irak-Krieg
DPA

Schröder und Gaddafi: Lob für die deutsche Haltung im Irak-Krieg

Der libysche Führer lobte ausdrücklich die Rolle Deutschlands und Frankreichs im Irak-Konflikt. Wie verlautete, griff er die USA wegen ihres Irak-Kurses und ihrer Rolle im Nahostkonflikt zwischen Palästinensern und Israel scharf an. Der Kanzler wies die pauschalen Vorwürfe gegen Washington zurück und wandte sich auch gegen den Vorschlag, Europa und die arabischen Länder sollten gemeinsam eine Gegenkraft gegen die USA bilden.

Schröder, der als erster Kanzler Libyen besucht, will heute erneut mit Gaddafi zusammenkommen. Dabei soll es vor allem um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen gehen. Am Morgen fliegt der Kanzler in die Libysche Wüste, wo er eine neue Ölproduktion der BASF-Tochter Wintershall in Betrieb setzen will. Am Nachmittag fliegt Schröder nach Algerien weiter.


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