16. Februar 2006, 18:24 Uhr

Irak

Todesschwadrone terrorisieren Sunniten

Die irakische Regierung hat eine Untersuchung zu angeblichen Todesschwadronen innerhalb der irakischen Polizei eingeleitet. Hintergrund ist eine Serie von Morden in den vergangenen Wochen: Mehrfach waren Sunniten gefesselt und erschossen aufgefunden worden.

Bagdad - Einem Bericht der US-Streitkräfte im Irak zufolge haben amerikanische Soldaten 22 Männer in Polizeiuniform überrascht, als sie einen Sunniten töten wollten. Ermittler des Innenministeriums sollen diese Vorwürfe nun prüfen. Die US-Truppen hätten Hinweise auf eine Todesschwadron innerhalb des Innenministeriums, zitierte die "Chicago Tribune" auf ihrer Web-Site US-Generalmajor Joseph Peterson.

Ausharren am offenen Sarg: Familien warten darauf, dass die Behörden ihnen die Leichen ihrer getöteten Angehörigen aushändigen
AP

Ausharren am offenen Sarg: Familien warten darauf, dass die Behörden ihnen die Leichen ihrer getöteten Angehörigen aushändigen

Auch die britischen Truppen im Irak haben Informationen über "Todesschwadrone". Solche Gruppen seien für zahlreiche Morde in der südirakischen Stadt Basra verantwortlich. "Zwischen November 2005 und Januar 2006 wurden 141 Menschen in Basra getötet oder ermordet", sagte ein ranghoher Offizier der britischen Armee, Alex Wilson, heute. Das seien doppelt so viele wie zwischen Mai und November 2005. "Wir tun unser Möglichstes, um gegen diese Todesschwadronen zu kämpfen und sie von der Straße zu verdrängen", sagte Wilson. Großbritannien hat rund 8000 Soldaten im Süden Iraks stationiert.

Die Bevölkerung macht die Truppen des von Schiiten dominierten Innenministerums für die Mordserie der vergangenen Wochen verantwortlich. Wiederholt waren Sunniten gefesselt und erschossen aufgefundenworden.

Sunnitenpolitiker werfen der irakischen Polizei schon seit längerem vor, verdächtige Mitglieder der sunnitischen Bevölkerungsgruppe festzunehmen und verschwinden zu lassen. Der Vorstizende des Rats der sunnitischen Gelehrten im Irak, Scheich Harith el Dhari, bat die Uno um die Eröffnung einer unabhängigen Untersuchung. Bei den Verschwundenen handele sich nicht um Einzelfälle, betonte er. Es existierten mehrere Todesschwadronen, die nach seinen Angaben bisher etwa 1000 Sunniten, darunter 20 Imame, spurlos verschwinden ließen.

Sunniten wurden unter der Herrschaft von Saddam Hussein bevorzugt. Aus dieser Bevölkerungsgruppe rekrutieren nun die aufständischen Extremistenorganisationen den Großteil ihrer Mitglieder. Die neu geschaffenen Sicherheitsorgane haben dagegen viele Schiiten aufgenommen, die die Bevölkerungsmehrheit im Irak bilden.

ler/AFP/AP


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